Einfamilienhaus

Michael Würtele (Montanes Dabei spielen verschiedene Aspekte eine Rolle.

Sie sprachen die Handwerksbetriebe an. Für einen Handwerker stellt es immer eine relativ große Schwierigkeit dar, von normalen Wegen abzuweichen; denn man hat über lange Jahre auch gewisse Kontakte gepflegt - sowohl im Erdgasbereich als auch im Erdölbereich. Außerdem sind diese Techniken wohlbekannt und relativ einfach zu handhaben. Jetzt auf etwas Neues umzusteigen macht Malaise, weil es in der Tat auch einen gewissen Planungsaufwand bedeutet, um die Anlage wirklich richtig auszulegen.

Das Ganze passiert zwar peu à peu und auch immer schneller. Trotzdem hinken wir unseren Wünschen nach wie vor hinterher. - Das ist ein Punkt.

Ein anderer Punkt - sowohl beim Neubau als auch im Bestand - sind die Investitionskosten. Auch bei einem Neubau liegen die Investitionskosten noch über denen für eine herkömmliche Erdöl- oder Erdgasheizung. Mit der Mehrinvestition erkaufe ich mir natürlich wesentlich günstigere Betriebskosten. Jemandem, der gerade sein Häusle baut, tut es aber ganz besonders weh, mehr Geld aufzuwenden, als im Moment unbedingt notwendig ist. Er sagt dann leicht: Das kann ich mir jetzt sparen; ich werde es später schon packen.

Es gibt noch einige andere Punkte. Ich will meinen Nachrednern aber nichts vorwegnehmen.

Dieter Stratmann (Planungsbüro Stratmann): Die Schwierigkeiten für das einzelne Objekt hat Herr Würtele schon beschrieben. Ich möchte es einmal ganz konkret an dem Projekt festmachen, das wir in Planung hatten und haben, nämlich einem 25 ha großen Bebauungsplangebiet mit 650 Wohneinheiten. Wie ich schon erwähnt habe, haben wir durch das Geothermie-Zentrum Machbarkeitsstudien entwickeln lassen - auch für verschiedene Tiefen in der Geothermie. Wir wollten ein autarkes Bebauungsplangebiet entwickeln. Dafür ist natürlich Voraussetzung, dass es in diesem Gebiet kein Gasnetz gibt, sondern über den Bebauungsplan festgeschrieben wird, dass die einzelnen Wohneinheiten über ein Nahwärmenetz mit Geothermie versorgt werden.

In diesem Rahmen haben wir natürlich mit Versorgern in Nordrhein-Westfalen und auch mit verschiedenen Ministerien gesprochen. Dabei tauchte die Frage auf: Kann man für ein solches Projekt Tiefengeothermie mit Tiefen um 1.000 m realisieren? Oder muss man eher zu kleineren Einheiten mit 200 oder 100 m Tiefe übergehen, die dann allerdings auch eine Versorgung über ein Nahwärmenetz sicherstellen?

In diesem Zusammenhang hat sich folgende Problematik ergeben: Wir möchten den Gaspreis von 2004 als Energiepreis für die einzelnen Wohnungseigentümer festschreiben. Das haben wir als Vorgabe für die Realisierung dieses Projektes gegeben. Dabei hat sich dann herausgestellt, dass wir im Moment bei der Realisierung von Bohrungen, die bis in 1.000 m Tiefe gehen, noch Probleme haben. Die Kosten sind exorbitant hoch und können zur derzeitigen Zeit von der Privatwirtschaft nicht geleistet werden; denn dann ist man in Bezug auf den Energiepreis nicht mehr konkurrenzfähig.

Natürlich ist es aber so, wie Herr Würtele gerade schon ausgeführt hat: Man hat zwar sehr hohe Investitionskosten; über die Jahre rechnen sich die Wärmepumpen und die Geothermie aufgrund der niedrigen Betriebskosten aber.

Jetzt versuchen wir in unseren Gesprächen mit Energieversorgern in Nordrhein-Westfalen, für dieses Projekt einen Energieversorger finden, der zusammen mit uns die Betreibung dieses Geothermiefeldes durchführt.

Vorsitzender Franz-Josef Knieps: Ich habe eine Zusatzfrage. Wer sie beantworten kann, weiß ich nicht. Herr Würtele, Sie sprachen eben davon, dass die Erstehungskosten höher sind, aber die späteren Betreibungskosten geringer. Wann ist der Breakeven-Point erreicht? Wann rechnet sich das Ganze?

Michael Würtele (Montanes Diese Frage muss man für jedes Gebäude, für jede Immobilie, separat stellen. Das kann man nicht über einen Kamm scheren, weil es immer darauf ankommt, wo die Anlage steht. Bei einem hundertprozentig identischen Abnehmer in 5 km Entfernung können höhere Kosten entstehen, weil die Geologie dort etwas weniger Erdwärme hergibt. Vielleicht ist an einer Stelle ein offenes System möglich, während anderswo nur ein geschlossenes System realisiert werden kann.

An dieser Stelle möchte ich noch einmal einhaken. Der Planungsaufwand für die geothermische Anlage ist grundsätzlich höher. Bei Gas oder Öl braucht man sich keine Gedanken zu machen; man wird über einen Ölkessel oder über die Gasleitung beliefert.

Bei der Geothermie muss man exakt schauen, was Mutter Erde genau an diesem Standort zutage bringt. Das ist das Entscheidende. Und das bedingt einen höheren Planungsaufwand.

Vorsitzender Franz-Josef Knieps: Dazu gibt es keine generelle Aussage?

Michael Würtele (Montanes Ich würde keine generelle Aussage machen. Es gibt Büroimmobilien, die einen Pay-out nach sechs bis sieben Jahren hatten. Es gibt aber genauso welche, die diesen Punkt erst nach zehn Jahren erreicht haben. Das ist sehr variationsreich. Es kommt immer auch darauf an, auf welchem Stand die haustechnische Anlage ist; denn in der Kombination von der kombinierten Haustechnik und der Geothermie kann man viel mehr reißen. Das heißt, dass Haustechnik und Geothermie unbedingt aufeinander abgestimmt sein müssen; ansonsten hat man kein sinnvoll funktionsfähiges Konzept.

Vorsitzender Franz-Josef Knieps: Jetzt ist noch die Frage an Herrn Hausmann offen.

Vielleicht können Sie bei dieser Gelegenheit auch aus Ihrer täglichen Praxis eine Antwort auf die Frage geben, wie lang in der Regel die Amortisationszeit ist, Herr Hausmann.

Wolfgang Hausmann (Klima-Plan & Co. KG): Je nach System - ob es nun ein Direktentzug oder eine Soleanlage ist - rechnen wir mit einer Amortisationszeit zwischen sieben und neun Jahren bei neu gebauten Ein- und Zweifamilienhäusern mit bis zu 300 oder 400 m² Wohnfläche. Die Amortisationszeit hängt ein bisschen vom System ab. Insbesondere die Soleanlage mit Tiefenbohrung wird in Zukunft wahrscheinlich 8 von 34 rer werden, weil die Nachfrage doch enorm hoch ist und die Bohrunternehmen demzufolge schon in den letzten Wochen ihre Preise kräftig angezogen haben.

Wir haben ein Projekt in der Sanierung, und zwar ein Einfamilienhaus mit 170 m² Wohnfläche und einer Luftwärmepumpe, die jetzt die erste Heizperiode in Betrieb gewesen ist. Der Kunde ist selber Mess- und Regelingenieur. Er hat uns vorgerechnet, dass er bei diesem Einfamilienhaus in der ersten Heizperiode 2.300 Energiekosten gegenüber dem Öleinsatz gespart hat. Die Investition der Anlage lag bei ca. 25.000. - So viel zum Thema Break-even-Point.

Außerdem ist gefragt worden, warum die Wärmepumpe bei den Architekten, Ingenieurbüros etc. nicht so bekannt ist. Dazu kann ich aus der Praxis Folgendes berichten: Wir haben im Jahr 2004 im Umkreis von Bergisch Gladbach mehrere Architektenbüros angesprochen und angeschrieben, um einen Vortrag zum Thema Wärmepumpe zu halten.

15 hatten zugesagt; zwei sind gekommen. Mittlerweile ist die Situation so - vielleicht etwas überspitzt gesagt -, dass die Architekten von den Bauherren getrieben werden, sich mit der Wärmepumpe auseinanderzusetzen. Das heißt, dass wir inzwischen viele Anfragen von Architekturbüros bekommen, die uns bitten: Ich habe da ein Projekt; können Sie mir etwas zur Wärmepumpe sagen? - Ich gebe Ihnen also Recht, dass bei den Architekten und zum Teil auch bei den Ingenieurbüros mehr Aufklärung durch die entsprechenden Institutionen notwendig ist.

Vorsitzender Franz-Josef Knieps: Schönen Dank. - Herr Brockes.

Dietmar Brockes (FDP): Welche geologischen Voraussetzungen sind für die Tiefengeothermie ideal? Und in welchen Bereichen des Landes finden wir diese optimalen Voraussetzungen? - Ich vermute, dass diese Frage am besten bei der Bezirksregierung oder beim Geologischen Dienst aufgehoben ist.

Ingo Schäfer (Geologischer Dienst NRW): Es ist ganz wichtig, darauf hinzuweisen, dass Geothermie nicht eine einheitliche Technik ist. Das heißt, dass wir in der Geothermie verschiedene Sparten haben. Wir haben die Tiefensonde; das ist ein geschlossenes System. Wir haben Thermalwasser, das wir nutzen können - als Dublette oder als Triplette, also über zwei Brunnen oder drei Brunnen, nämlich Förder- und Schluckbrunnen -, und auch das offene Verfahren, das HDR-Verfahren, in dem das Gestein, das von Natur aus zu wenig Wasser führt, durch Druck wasserwirksam gemacht wird.

Bei der oberflächennahen Geothermie ist es genauso.

Jede Technik hat andere Ansprüche. Bei der Speicherung - einer Technik, die noch relativ wenig genutzt wird, aber sicherlich auch im Kommen ist - müssen wir einen Grundwasserleiter haben; das Wasser darf nicht fließen. Eine Sonde erfordert die wenigsten Voraussetzungen. Sie ist fast universell einsetzbar. Dort kommt es auf die Bohrkosten, das Bohrrisiko, die Wärmeleitfähigkeit und die Wärmekapazitäten - also darauf, wie viel man innerhalb eines Jahres herausholen kann - an.

Das offene System, also die Thermalwassernutzung, wie wir sie aus den großen Projekten in Süddeutschland, aus der Molasse oder aus dem Oberrheintalgraben.