Doch manche Entwicklungen stellen uns auch vor neue Herausforderungen

Das Ziel der neuen NRW-Sportschulen ist eine zusätzliche staatliche Förderung im Nachwuchsleistungssport. In die Konzeption dieser neuen NRW-Sportschulen sind die Erfahrungen eingeflossen, die in den vergangenen Jahren mit den Schulen des vorhandenen Verbundsystems Schule und Leistungssport gemacht worden sind. Das sind wertvolle Erfahrungen mit vielen Erfolgen, die durch das verdienstvolle Engagement von Schulleitungen, Pädagogen, Trainern, Verbänden und Verein erst möglich wurden.

Doch manche Entwicklungen stellen uns auch vor neue Herausforderungen. In einer Studie für die Stiftung zur Förderung des Nachwuchses im Leistungssport wurden diese Erfahrungen in NRW aufgearbeitet. Daraus ziehen wir für die Entwicklung der neuen Sportschulen Konsequenzen.

Zugleich wissen wir, dass auch die internationale Entwicklung im Spitzensport weitergeht. Wir müssen immer wieder Bilanz ziehen und uns fragen, was besser gemacht werden kann und muss. Schon die leistungssportliche Bilanz im Vergleich zu anderen Ländern und zu vergleichbaren Schulen anderer Bundesländer in Deutschland zwingt uns zu neuen Anstrengungen.

Die ständige Erneuerung, die schnelle Anwendung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse ist für alle, die im internationalen Wettbewerb des Sports mithalten wollen, eine unbedingte Notwendigkeit.

Auch aus diesem Grund hat sich die Landesregierung für die Einführung der neuen NRW-Sportschulen entschieden. Sie sollen die Spitze der Nachwuchsleistungsförderung im Verbundsystem Schule und Leistungssport darstellen.

Welche Erfahrungen und Veränderungen sind es, die wir bei der Einrichtung der neuen NRW-Sportschulen zugrunde legen? Zunächst einmal muss dazu auf die Entwicklung des bestehenden Systems eingegangen werden. Wir haben in Deutschland ein in vielen Jahren herausgebildetes Verbundsystem von Schule und Leistungssport. Es regelt die Zusammenarbeit der Schulen und Schulbehörden mit den Sportvereinen und Sportfachverbänden auf dem Sektor gemeinsamer Betreuung jugendlicher Leistungssportler.

Der Begriff Verbundsystem macht dabei deutlich, dass das gesamte Ausbildungs-, Unterstützungs- und Betreuungspotenzial aller beteiligten Partner für die gemeinsame Zielsetzung, nämlich die Hinführung zu sportlichen Höchstleistungen, unter der Prämisse eines humanen Leistungssports genutzt werden soll. Gleichzeitig soll sichergestellt werden, dass die Sporttalente den angestrebten schulischen Abschluss auch erreichen. Das ist für uns eine Prämisse.

Die Kultusministerkonferenz der Länder hat deshalb seinerzeit beschlossen, dass das Verbundsystem durch die Kooperationsprojekte Partnerschule des Leistungssports, sportbetonte Schule und Eliteschule des Sports charakterisiert wird. Sie kennen das alles von den Partnerschulen des Leistungssports, die die sogenannte Eingangsstufe des Verbundsystems darstellen und an denen noch keine Sportklassen eingerichtet sind. An den sportbetonten Schulen ist das aber so. Die Eliteschulen des Sports sind sportbetonte Schulen, die vom damaligen Deutschen Sportbund bei der Erfüllung der von ihm vorgegebenen Kriterien eine besonders hohe Anerkennung erworben haben und dieses durch den DSB, zukünftig wohl dem DOSB, ausgesprochen bekommen haben.

In den westlichen Bundesländern hat der Aufbau des Verbundsystems zu einem Aufschwung des Nachwuchsleistungssports geführt. Einzelne Schulleitungen, Lehrkräfte, Vereine sind auch heute dabei, mit hohem Engagement neue Talente zu fördern. Zugleich gibt es aber an vielen Standorten Akzeptanzprobleme, und zwar an den Schulen und im schulischen Umfeld, die eine optimale Unterstützung junger Athletinnen und Athleten erschweren. Es eindeutig festgehalten werden: Die Anzahl der talentierten und geförderten Schülerinnen und Schüler ist in Nordrhein-Westfalen auch im Vergleich mit anderen Bundesländern noch zu gering.

Damit bin ich bei den angesprochenen Entwicklungsproblemen. Dazu gehört insbesondere, dass die wertorientierten Probleme mit einem leistungsorientierten Sport insgesamt noch nicht als gelöst betrachtet werden können. Wir wollen insgesamt eine stärkere Leistungssportkultur entwickeln und uns damit noch deutlicher zum Leistungssport bekennen.

Sie wissen, dass das für uns nicht im Widerspruch zur Förderung des Breitensports steht, das muss an dieser Stelle nicht ausgeführt werden.

Besonders aber an den entsprechenden Schulen muss ein leistungssportfreundliches Klima vorhanden sein. Die leistungssportlichen Anstrengungen bedürfen dort einen höheren Aufmerksamkeit, einer zielstrebigeren Unterstützung und einer breiteren Akzeptanz. Das formulieren wir deswegen als Zielsetzung, weil es teilweise indifferentes Verhalten aus dem Umfeld der zu fördernden Sportler und der sich engagierenden Lehrkräfte gibt.

Oft sind auch zu viele zusätzliche Ausrichtungen des Schulprofils über den Sport hinaus kontraproduktiv. Sie kollidieren dann mit der Leistungssportorientierung. Deswegen müssen sie begrenzt werden. Das Ziel der neuen NRW-Sportschulen ist deshalb, ein klares sportfreundliches Profil zu entwickeln für speziell sportlich hochbegabte Kinder und Jugendliche. Sie erzeugen ein sportfreundliches Klima auf einer breiten, das ganze Schulleben erfassenden Programmatik. Sie erkennen den hohen Stellenwert des Leistungssports für die Gesellschaft an.

Schulträger, kommunale Behörden, unterstützende Unternehmen und Institutionen, Lehrkräfte, Eltern und Schülerinnen und Schüler arbeiten unter dieser Prämisse zusammen. In diesem Zusammenhang sollen die NRW-Sportschulen auch zu einer insgesamt gesellschafts- und bildungspolitisch erwünschten Entwicklung beitragen. Die Förderung des Sports und speziell des Leistungssports soll zeigen, dass dadurch in besonderem Maße ein wichtiger Beitrag zur Verbesserung der Lernbereitschaft und Befähigung in den kognitiv ausgeprägten Fächern geleistet werden kann. Sie fordert die Ausprägung von Selbstorganisation, Disziplin und sozialem Verhalten. Erreicht werden kann dies insbesondere auch durch häufigeren, intensiveren und pädagogisch angeleiteten Sportunterricht und außerunterrichtliche Sport- und Bewegungsangebote.

Je größer die Erfolge in der Leistungssportorientierung, umso größer ist auch die Bereitschaft zum aktiven Sporttreiben bei den nachwachsenden Altersjahrgängen. Je stärker die Anzahl der sportlich aktiven Schülerinnen und Schüler ist, umso größer ist die Chance auf eine neue Leistungssportkarriere. Dieses Wechselverhältnis ist ähnlich wie das zwischen Breiten- und Leistungssport.

Ich fasse diesen Teil wie folgt zusammen: Die NRW-Sportschulen sollen die Spitze sportlicher Förderung durch die Schulen in Nordrhein-Westfalen darstellen. Das gilt für alle ihr angehörenden Schülerinnen und Schüler.

Der Umfang und die Qualität des Sportunterrichts und die außerunterrichtliche Bewegungs- und Sportangebotspalette sollen positive Effekte für die Leistungsbereitschaft und Leistungsentwicklung auch für die anderen Fächer, für das Schulklima und für das Miteinander sowie für die Persönlichkeitsentwicklung bewirken. Diese Schulen sollen auf diesem Weg eine neue Qualität leistungsorientierten Sports für alle Schülerinnen und Schüler verkörpern und zugleich die Förderung der Hochbegabten sicherstellen. Sie sind ­ das habe ich eingangs schon gesagt ­ Teil des Verbundsystems Schule und Leistungssport.

Damit ist für uns eine weitere Konsequenz verbunden. Die neugewonnenen Erkenntnisse der NRW-Sportschulen wollen wir zeitnah in dem bereits bestehenden System Schule und Leistungssport anwenden. Wir wollen kein Auseinanderklaffen beider Systeme.

Besonders in den jetzigen 14 sportbetonten Schulen muss das geschehen. Das heißt, mit der Einrichtung der neuen NRW-Sportschulen ist die Aufgabe verbunden, das Verbundsystem Schule und Leistungssport zu reformieren.

Nun zur konkreten Ausgestaltung der neuen NRW-Sportschulen! Um die Funktion der Schulen zu ermöglichen und eine maximale Anzahl von talentierten Sportlerinnen und Sportlern zu erreichen, erfolgt über die bereits bestehenden Aufnahmekriterien an weiterführenden Schulen hinaus auch eine verbindliche Absolvierung eines sportmotorischen Leistungstests. Das ist die erste Neuerung.

An den Schulen wird besonders hoher Wert auf die sportliche Grundlagenausbildung der Schülerinnen und Schüler gelegt.