Fördermittel

Hier sind die Staaten auf externe Daten angewiesen. In der Regel sind die OECD-Staaten nicht selbst Träger der Weiterbildung. Um Daten erheben zu können, benötigen sie die Mithilfe autonomer Träger.

In vielen Ländern gibt es zudem keine einheitlichen Kriterien, nach denen Daten der Weiterbildung erhoben und verglichen werden können. Diese Situation ist sicher für die Zukunft veränderungsbedürftig. Ich würde mich deshalb in der Kultusministerkonferenz dafür einsetzen, auch die Weiterbildung noch stärker in die Bildungsberichterstattung einzubeziehen. Ziel ist es, den in diesem Jahr erstmals herausgegebenen KMK-Bericht Bildung in Deutschland zu einer umfassenden Darstellung des lebensbegleitenden Lernens auszubauen.

Nun zum gegenwärtigen OECD-Bericht: Was die Weiterbildung betrifft, ist die im OECD-Bericht aufgearbeitete Datenlage äußerst karg. Sie ist auf berufliche Weiterbildung begrenzt und gibt Trends und Erwartungen an. Dennoch hat sie ihren Wert. Sie lässt durchaus Rückschlüsse zu und bestätigt erneut die uns allen bekannte Entwicklung. Ich will sie kurz skizzieren und mich dabei auf zwei wesentliche Feststellungen zur Weiterbildung konzentrieren und Folgerungen daraus ziehen.

Erstens. In Deutschland ist die Beteiligung an Weiterbildung generell geringer als im OECD-Durchschnitt. In Deutschland bilden sich 12 Prozent der Menschen weiter, während es im OECD-Durchschnitt 18 Prozent sind.

Zweitens. Besonders gering ist die Teilnahme von Niedrigqualifizierten - übrigens in allen OECD-Staaten. Es ist also kein primär deutsches Problem. Es zeigt, wie schwierig es ist, gerade diese Menschen zu erreichen. Allerdings hat Deutschland hier besonders viel Nachholbedarf. Bei uns nehmen lediglich drei Prozent derjenigen mit einem Bildungsabschluss unterhalb der Sekundarstufe II an Weiterbildung teil. Der OECDDurchschnitt liegt bei sieben Prozent. Diese Zahlen zur Weiterbildungsbeteiligung bestätigen den Trend der letzten Jahre. Sie können uns nicht gefallen. Wir dürfen uns sicher nicht damit zufrieden geben. Dies ist gleich ein wichtiger Diskussionspunkt.

Die Gründe für das unterschiedliche Weiterbildungsverhalten in den OECD-Staaten sind vielfältig. Wir wissen aus zahlreichen Untersuchungen, dass Alter und Geschlecht, Beruf und wirtschaftliche Lage, Einkommen und Bildung das Weiterbildungsverhalten ebenso beeinflussen wie lernförderliche Arbeitsbedingungen sowie Art und Umfang des öffentlichen Bildungsangebotes.

Allen Studien ist jedoch eines gemeinsam. Die Menschen bilden sich desto eher weiter, je mehr sie über Angebote wissen und je besser sie die Qualität dieser Angebote beurteilen können. Vor allem an diesem Punkt gilt es anzusetzen, wenn wir mehr Menschen für die Weiterbildung gewinnen wollen. Dabei sind die Entwicklung und Sicherung der Qualität der Weiterbildung kein einmaliges Projekt. Sie ist eine ständige Aufgabe, der sich Land und Weiterbildungseinrichtungen gemeinsam stellen. Das schließt nicht aus, dass gute Qualität ein wesentlicher Werbe- und Wettbewerbsfaktor in unserer pluralen Weiterbildungslandschaft ist.

Bürgerinnen und Bürger erwarten von kommunalen Volkshochschulen und staatlich anerkannten Weiterbildungseinrichtungen zu Recht qualitativ hochwertige Angebote.

Wenn es darum geht, diese Angebote zu beurteilen, halte ich alle derzeit im Bereich der

Weiterbildung eingeführten Zertifizierungsverfahren im Grundsatz für gleichwertig. Dazu gehört insbesondere der unabhängige und neutrale Gütesiegelverbund Weiterbildung e. V. Er ist aus einem vom Land geforderten Innovationsprojekt hervorgegangen und auf die Bedürfnisse der Einrichtungen zugeschnitten. Zu einer guten Qualität in der Weiterbildung gehört das Angebot selbst. Dazu gehören aber auch Informationen über dieses Angebot. Viele der Weiterbildungseinrichtungen bieten ihr Programm bereits über die Weiterbildungssuchmaschine an. Sie helfen damit den Bürgerinnen und Bürgern, sich schnell, übersichtlich und vergleichbar zu informieren. Das ist ein guter Service, der in dieser Form einmalig in Deutschland und wohl auch in der OECD ist.

Ich möchte diejenigen, die sich nicht beteiligen, im Interesse ihrer Bildungssuchenden herzlich bitten, auch ihre Angebote in diese Suchmaschine einzustellen. Für die Vertreterinnen und Vertreter der Einrichtungen bietet die Suchmaschine die Chance, mehr Bürgerinnen und Bürger für ihre Angebote zu gewinnen.

Ich komme noch einmal auf die eingangs angekündigte KMK-Initiative zur Weiterbildungsberichterstattung zurück. Studien dieser Art sind kein Selbstzweck. Sie dienen dazu, das Bildungssystem zu durchleuchten, es zu analysieren und Perspektiven für die zukünftige Entwicklung aufzuzeigen. Im Bereich der Weiterbildung ist der Staat in besonderer Weise auf die Mitwirkung der Träger und Einrichtungen angewiesen. Das gilt für alle Länder.

Ich lade Sie dazu ein und zähle auf Ihre Mitwirkung. Als Auftakt stelle ich mir ein erstes grundlegendes Gespräch mit Ihnen vor. Sehr geehrter Herr Hammelrath, sehr geehrter Herr Koddenberg, dazu lade ich Sie in den nächsten Wochen herzlich ein. Ich nehme aber auch gerne Einladungen Ihrer Weiterbildungseinrichtungen an. Ich würde mich freuen, wenn Sie mich einladen könnten. Ich würde gern kommen, weil ich denke, wir können uns über die inhaltliche Seite sehr gut austauschen. Dort gibt es auch große Gemeinsamkeiten. Ich würde mich auch freuen, wenn es auf diesem Wege gelänge, Nordrhein-Westfalen zum Ausgangspunkt für eine nationale Berichterstattung zur Weiterbildung zu machen. - Herzlich Dank.

Kurt Koddenberg (Gesprächskreis für Landesorganisationen der Weiterbildung in NRW, Landesarbeitsgemeinschaft für katholische Erwachsenenbildung in Nordrhein-Westfalen e. V.): Sehr geehrter Herr Vorsitzender! Sehr geehrte Frau Ministerin!

Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen!

Frau Ministerin, es hat mich gefreut, dass Sie heute den OECD-Report 2006 zum Stichwort Weiterbildung eingeführt haben.

Die Einrichtungen der Weiterbildung in Nordrhein-Westfalen nehmen gern die Aufforderung auf, die Informationen über Weiterbildungsangebote künftig zu verbessern und damit auch die Voraussetzungen für eine Erhöhung der im OECD-Report ausgewiesenen und in Deutschland vergleichsweise geringen Weiterbildungsteilnahme zu schaffen.

Allerdings reicht nach meiner Meinung allein eine verbesserte Information für diese Zielsetzung kaum aus. Wir meinen, das Weiterbildungssystem muss systematisch daraufhin überprüft werden, warum es nicht zu höheren Teilnahmequoten führt. Auf den ersten Blick erscheint die aktuelle Situation in der Weiterbildung von einem Widerspruch gekennzeichnet. Die breite öffentliche Rhetorik über die Bedeutung von lebenslangem

Lernen für die persönliche Entfaltung, für die Teilnahme am Erwerbsleben und für die Sicherstellung der jungen Ressourcen in einer alternden Gesellschaft ist ungebrochen.

Dagegen nimmt nach den Daten des seit 1979 bestehenden deutschen Berichtssystems Weiterbildung die individuelle Teilnahme an der Weiterbildung seit 1997 ab. Der Grund dafür liegt nicht nur in einer fehlenden Information über die Angebote.

Die Gruppen der Beamten und Angestellten - Sie wiesen darauf hin - weisen die höchsten Teilnahmewerte auf, während die Arbeiter insbesondere in der beruflichen Weiterbildung nicht einmal die Hälfte der Teilnahmequote der Beamten erreicht. Erlauben Sie mir an dieser Stelle einmal einen biblischen Hinweis. Das Matthäus-Prinzip - wer hat, dem wird gegeben - wirkt offensichtlich in der Weiterbildung ungebrochen weiter. EUweite Vergleiche zeigen darüber hinaus, dass Deutschland bei der Teilnahmequote an allen Formen des Lernens im Erwachsenenalter eher einen unteren Platz einnimmt. Dafür ließen sich viele statistische Nachweise anführen.

Ich möchte den Blick auf den wesentlichen Punkt der heutigen Weiterbildungskonferenz lenken. Interessant ist für uns heute, dass die zurückgehende Teilnahme an den Angeboten der Weiterbildung ziemlich kongruent zur Reduzierung der finanziellen Förderung durch die öffentlichen Haushalte und die Unternehmen verläuft. Ausreichende öffentliche Fördermittel sind eine Voraussetzung für die Qualifizierung der Bevölkerung im Erwachsenenalter. Wenn die öffentlichen Ausgaben für die Weiterbildung in den letzten Jahren rückläufig waren, dann waren infolge davon die Teilnahmequoten ebenfalls rückläufig. Der Spruch was nichts kostet, ist auch nichts trifft für das Weiterbildungsverhalten der Bürgerinnen und Bürger nicht zu. Durch höhere Teilnehmergebühren haben viele Einrichtungen Teilnehmer verloren. Das allein ist schon schlimm genug.

Der in den letzten Jahren kontinuierlich wachsende Anteil der Weiterbildungskosten am privaten monatlichen Haushaltsbudget wirkt sich auf die Beteiligung an der Weiterbildung außerdem sozial selektiv aus. Ich verweise auf meinen Hinweis auf Matthäus. In den vergangenen Wochen wurde vielfach beschrieben, wie sich die vorgesehene weitere Kürzung der vor allem auf bildungsferne und gering qualifizierte Personengruppen auswirken wird. Höhere Teilnehmergebühren, wegfallende Beratung und Begleitung und die Priorisierung marktgängiger Angebote führen zu Effekten, die wir aus demokratischen, sozialpolitischen und wirtschaftlichen Gründen keinesfalls länger hinnehmen dürfen.

Der Landesregierung kann zugestimmt werden, wenn sie die Verschuldung des Landes als nicht akzeptable Last für die kommenden Generationen bezeichnet. Der OECDReport weist auf Versäumnisse der Weiterbildungspolitik hin. Vielleicht sollten wir diese Versäumnisse endlich auch einmal als gleich großes Verschulden an lebenden wie an kommenden Generationen begreifen.

Helga Hege (Paritätisches Bildungswerk, Landesverband Nordrhein Westfalen e. V.): Ich habe Ihnen heute eine schriftliche Stellungnahme zu den Haushaltskürzungen und deren Auswirkungen im Migrantenbereich zugeleitet, die bitte auch verteilt wird. Der Rückgang der Teilnehmerzahlen im Zusammenhang mit der Kürzung der öffentlichen Förderung lässt sich für uns gerade bei den Teilnehmern mit besonderen Schwierigkeiten sehr deutlich nachweisen. Ich möchte das noch einmal betonen.