Der Präsident des DFB Dr Theo Zwanziger hat jüngst diese Prognose gewagt

Entschließungsantrag der Fraktion der SPD zum Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Rote Karte für Zwangsprostitution - Drucksache 14 /1109

Fußball-WM ohne Menschenhandel und Zwangsprostitution

Die Zukunft des Fußballs ist weiblich!

Der Präsident des DFB - Dr. Theo Zwanziger hat jüngst diese Prognose gewagt. Niemand wird allerdings bestreiten wollen, dass die Gegenwart des Fußballs eher männlich ist. Die weitaus meisten Zuschauer von Fußballspielen sind immer noch Männer - das wird vermutlich auch auf die in diesem Jahr stattfindende Fußball-WM zutreffen. Die vielfach allein reisenden Männer in regelmäßig ausgelassener Stimmung lassen eine verstärkte Nachfrage nach sexuellen Dienstleistungen erwarten. Es wird daher mit einer starken Zunahme der Prostitution an den Austragungsorten gerechnet. Auch im Rahmen der Olympischen Spiele in Athen ist eine solche Nachfrage in der Umgebung der Wettkampfstätten sprunghaft angestiegen. Menschenrechts- und Frauenorganisationen befürchten, dass im Zusammenhang mit der WM 2006 auch der Menschenhandel und die Zwangsprostitution zunehmen werden.

Aus diesem Grund hat sich der DEUTSCHE FRAUENRAT mit einem Brief an die Mitglieder der deutschen Nationalmannschaft gewandt und sie gebeten, öffentlich zu erklären, dass sie ihren Sport nicht mit dieser Menschenrechtsverletzung verbunden sehen wollen. Jens Lehmann hat zugesagt, er werde dieses Anliegen an seine Nationalmannschaftskollegen weiter leiten und gegebenenfalls auch an seine Kollegen in London herantreten, die voraussichtlich an der WM teilnehmen werden. Der Leiter des Büros der Nationalmannschaft teilte hingegen mit, dass die Nationalmannschaft sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst sei; gleichwohl würden sowohl der Bundestrainer als auch die Nationalmannschaft „Ihrem gut gemeinten Appell aus grundsätzlichen Erwägungen nicht folgen". Zwischenzeitlich hat der Frauenrat eine eigene Kampagne mit dem Titel "Abpfiff" gestartet.

Die Vorsitzende des Bundesausschusses "Frauen im Sport" im Deutschen Sportbund - Ilse Ridder-Melchers - hat das Bundesinnenministerium aufgefordert, die Bekämpfung des Menschenhandels und der Zwangsprostitution im Umfeld der WM in das Sicherheitskonzept aufzunehmen und dort einen Runden Tisch - gemeinsam mit allen Akteurinnen und Akteuren einzurichten. Der geschäftsführende Präsident des DFB, Dr. Theo Zwanziger, hat bereits seine Bereitschaft signalisiert, an einem solchen Runden Tisch mitzuwirken.

Der Landtag stellt fest: Prostitution hat es in den letzten Jahren geschafft, die Schmuddelecke ein wenig zu verlassen. Der Beruf hat sozialversicherungsrechtliche Grundlagen erhalten und damit eine bescheidene Anerkennung erfahren.

Es wäre naiv zu glauben, dass Großereignisse wie die Fußball-Weltmeisterschaft ohne Auswirkungen auf Angebot und Nachfrage von und nach sexuellen Dienstleistungen bleiben würde.

Über die zumindest teilweise gesellschaftliche Anerkennung von Prostitution und Prostituierten darf allerdings die Bekämpfung von Verschleppung, Menschenhandel und Zwangsprostitution nicht nachlassen. Die zu erwartende Nachfrage lässt vermuten, dass ein erheblicher Anteil der "Dienstleistungen" von Frauen erbracht werden wird, die mit falschen Versprechungen in unser Land gelockt und dann zur Prostitution gezwungen werden. Das ist nicht hinnehmbar.

Ein Viertel der Spielstätten für die Fußball-WM sind in NRW, ungefähr gleich hoch ist der Anteil an den ausgetragenen Spielen. Das Land NRW trägt damit besondere Verantwortung bei der Bekämpfung von Zwangsprostitution und ihrer Begleiterscheinungen.

Der Landtag begrüßt die Initiative des Frauenrates "Abpfiff" zur Bekämpfung der Zwangsprostitution entsprechende Aktivitäten der evangelischen und katholischen Kirche, die Initiative des DSB zur Einrichtung eines Runden Tisches und die Bereitschaft des DFB Präsidenten Dr. Theo Zwanziger, an einem Runden Tisch zu dieser Problematik mitzuwirken.

Der Landtag fordert die Landesregierung auf gemeinsam mit dem Deutschen Frauenrat dafür einzutreten, dass Verschleppung, Menschenhandel und Zwangsprostitution nicht zum geduldeten "Kollateralschaden" der Fußball-WM 2006 werden, im Rahmen ihrer Möglichkeiten auf den DFB und die Nationalspieler einzuwirken dass der organisierte Fußball die Kampagne des Frauenrates gegen Zwangsprostitution unterstützt, im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit im Vorfeld der WM das Thema Zwangsprostitution nicht auszusparen sondern auch hier für einen sensiblen Umgang mit dieser Problematik - ggf. auch im Zusammenhang mit der Gefahr der Infektion mit Geschlechtskrankheiten und HIV - zu werben, im Rahmen der Gewaltprävention und der polizeilichen Begleitung der Spiele einen besonderen Schwerpunkt im Bereich der Bekämpfung von Zwangsprostitution zu setzen und dabei bekannte Milieus und Quartiere verstärkt zu überprüfen, gemeinsam mit den Verantwortlichen in der Bundesregierung Konzepte und Maßnahmen zu entwickeln, die die Ziele der Kampagne des Frauenrates unterstützen. und dabei an das Ehrgefühl der Besucher der WM zu appellieren.

Hannelore Kraft Carina Gödecke Birgit Fischer Ralf Jäger Gerda Kieninger Hans Theo Peschkes Hans-Willi Körfges und Fraktion