In Zukunft bereits mit Aktienfonds in den Kindergarten?

Wenn man sich Kosten eines Studiums vor Augen führt, summieren sich die Ausgaben eines Durchschnittsstudierenden auf 700 pro Monat. Diese aktuelle Zahl wurde vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln veröffentlicht. Die Landesregierung hat angekündigt Studiengebühren in Höhe von 500 einzuführen. Somit ergäbe für einen Studierenden in Nordrhein Westfalen durchschnittlich ein jährlicher Bedarf in Höhe von 9.400. Absolviert ein solcher Durchschnittsstudierender ein dreijähriges Bachelorstudium in der Regelstudienzeit ergibt sich somit ein Bedarf von 28.200. Strebt er einen Masterabschluss an, ergibt sich eine Summe von 47.000. Diese überschlägig ermittelten Summen beinhalten natürlich keine Mietpreisentwicklungen, Mehrwertsteuererhöhungen oder Teuerungsraten irgendeiner Art und setzen voraus, dass die Landesregierung von einer Erhöhung der Studiengebühren während des Studienverlaufs dieses Durchschnittsstudierenden absieht.

Nun haben die KfW, die Sparkassen und als erste Großbank auch die Deutsche Bank Studienkreditprogramme angekündigt. Die Zinssätze solcher Kredite bewegen sich zwischen 5,5 % und 9,9 %. Ein solches Darlehen muss nach Abschluss des Studiums zurückgezahlt werden, so dass in den ersten Berufsjahren eine extrem hohe finanzielle Belastung eintritt.

Der Durchschnittsstudierende kann also vor einem nicht mehr so durchschnittlichen Schuldenberg stehen, den er in bis 12 Jahren zurückzuzahlen hat. Zudem wird bei einer solchen Verschuldung die Finanzierung eines Eigenheims, das Gründen einer Familie und der Versorgung familiärer Pflegefälle - eventuell auch alles gleichzeitig - schwierig. Allerdings hat der Durchschnittsstudierende ein weiteres Problem: Das Kreditvolumen soll bei 30.000 begrenzt werden. Er kann also ohne weiteren Nebenverdienst - höchstwahrscheinlich studienverlängerndes „Jobben" - einen Masterabschluss nicht schaffen, womit der Sinn eines Darlehns ad absurdum wäre.

Nun können die Eltern des Durchschnittsstudierenden allerdings bereits in frühester Kindheit bereits auf die Idee eines „Vorsorgemodells" gekommen sein und Geld zurückgelegt haben.

Bei einer monatlichen Sparsumme von 100 - was einkommensschwachen Familien bereits schwer fallen wird - und einem Zinssatz von 4 % ist der Bachelor ab 17 Jahren und der Master ab 24 Jahren zu haben. Sollten die Eltern sich allerdings einen Wunsch nach zwei Kindern erfüllt haben, so wären die Kinder bei Studienbeginn 27 oder 37 Jahre alt.

Ich frage daher die Landesregierung:

1. Bei welcher Höhe soll nach Meinung der Landesregierung die maximale Verschuldungsgrenze für einen Studierenden nach Abschluss eines Masterstudiums liegen?

2. Wie hoch sollte nach Meinung der Landesregierung der Betrag sein, den eine Familie nach Geburt eines Kindes monatlich für die zukünftige Ausbildung zurücklegen sollte?

3. Soll nach Meinung der Landesregierung das BAföG in Zukunft ganz durch einen Mix aus Stipendiensystem und Studienkreditmodell ersetzt werden?

4. Wird nach Meinung der Landesregierung jeder und jede Studierwillige Zugang zu einem solchen Studienkredit erhalten?

5. Wie beurteilt die Landesregierung eine solche Verschuldung in Hinblick auf den Start ins Berufsleben nach dem Studienabschluss und den damit verbundenem eventuellen Aufbau eines Haushalts, einer Familie und Erwerb eines Eigenheims?