Einwanderer-Kinder finden kaum Lehrstellen

Nach einer Studie des Bremer Instituts für Arbeitsmarktforschung sinkt die Zahl der sich in Ausbildung befindlichen ausländischen Jugendlichen dramatisch. Als Gründe hierfür führt der Leiter des Bremer Instituts, Paul Schröder, die vielfach schlechteren Schulabschlüsse und die dadurch geringeren Qualifikationen ausländischer Jugendlicher an und folgert daraus, dass wir "die ausländischen Kinder und Jugendliche stärker fördern [müssen] und [...] sie nicht ausgrenzen [dürfen]."

Insbesondere für das Land Nordhrein-Westfalen vermeldet die Studie einen massiven Rückgang ausländischer Auszubildender: während die Zahl deutscher Lehrlinge "lediglich" um 3,2 Prozent zurückging, sank die Anzahl ausländischer Auszubildender im gleichen Untersuchungszeitraum um 36,6 Prozent! Damit verzeichnet Nordrhein-Westfalen den stärksten Rückgang an ausländischen Auszubildenden im Vergleich zu allen anderen westdeutschen Bundesländern.

Bereits in der Drs. 14/1452 stellte ich eine Anfrage an die Landesregierung mit dem Titel "Jugendlichen Ausländern eine Berufsperspektive geben". Dort bekundete die Landesregierung, dass die Partner im Ausbildungskonsens NRW die Verbesserung der Berufschancen junger Migrantinnen und Migranten als ein zentrales Ziel ihrer Aktivitäten festgelegt haben.

Ferner ständen die Entwicklung und Verbreitung von nachhaltigen, transferierbaren Konzepten und Elementen der Berufswahlorientierung sowie der Verbesserung der Ausbildungsreife im Zentrum aller von der Landesregierung initiierten bzw. mitgetragenen Projekte und Maßnahmen.

Unzweifelhaft sind diese Zielbestimmungen der Landesregierung zu begrüßen. Gleichwohl verdeutlichen die jüngsten Zahlen, dass die Maßnahmen und Initiativen der Landesregierung bei weitem nicht ausreichen, um der Problematik Herr zu werden. Ansonsten stranden die jugendlichen Ausländer im sozialen und gesellschaftlichen Abseits. In diesem Kontext ist es ebenfalls bemerkenswert, dass die Landesregierung zwar von einer Stärkung der Hauptschulen redet, jedoch nach Informationen der Ruhr Nachrichten lediglich 80 der 730 Antragstellenden Hauptschulen den Ganztagszuschlag erhalten. Auch hier lässt die Landesregierung ihren großen Worten über die explizite Förderung von Hauptschülern zu wenig Taten folgen und überlässt insbesondere ausländischen Hauptschülern ihrem Schicksal.

Von daher frage ich die Landesregierung:

1. Wie bewertet die Landesregierung die massive Abnahme der Anzahl ausländischer Auszubildenden in Nordrhein-Westfalen, die Nordrhein-Westfalen eine traurige Spitzenposition zuweist, im Vergleich zu anderen Bundesländern?

2. In ihrer Antwort in der Drs. 14/1452 wies die Landesregierung daraufhin, dass die Verbesserung der Berufschancen von jugendlichen Ausländern ein zentrales Ziel der Landesregierung sei.

Sieht die Landesregierung angesichts der deprimierenden und erschreckenden aktuellen Zahlen einen dringenden, intensiveren Handlungsbedarf für die Zukunftssicherung jugendlicher Ausländer?

3. Wie viel Prozent als auch absolut der 17- bis 25 jährigen Einwandererkinder haben momentan in Nordrhein-Westfalen keinen Ausbildungsplatz?

4. Wie viel Prozent als auch absolut der aktuellen Schulabgänger aus Einwandererfamilien haben noch keinen Ausbildungsplatz gefunden?

5. Wie groß ist der Anteil der Einwandererkinder beim Besuch des Werkstattjahres absolut und in Prozent?