Erste Auswirkungen der Privatisierung der Studienkollegs

Bekanntlich werden derzeit die Studienkollegs, die ausländische Studieninteressierte auf die Hochschulzugangsberechtigungsprüfung vorbereiten, in NRW abgeschafft. Ersetzt werden diese durch private Institutionen, wie z. B. das sogenannte "Freshman Program", das jüngst an der FH Aachen gegründet wurde.

Diese Umstellung zum privaten Programm bringt für die ausländischen Studieninteressierten keine erfreulichen Neuerungen, sondern viele Nachteile mit sich. Die Aufnahmeberechtigung wird durch einen Test im Heimatland erteilt, die Teilnehmer werden in einer abgelegen Polizeikaserne in Linnich untergebracht und der Unterricht ist hauptsächlich auf Englisch.

Den größten Nachteil stellen allerdings die anfallenden Kosten dar. Neben den 8.000 Euro für die Aufenthaltsgenehmigung, müssen die ausländischen Studieninteressierten 15. Euro für die einjährige Ausbildung aufbringen - 40 % der Einnahmen fließen dabei übrigens direkt an die FH Aachen. Das sind zusammen 23.000 Euro, was nicht nur für Studierende aus Entwicklungshilfeländern eine schwindelerregende Summe darstellt. Hier stellt sich aber auch die Frage, ob die europäische Konkurrenz nicht weitaus "kostengünstiger" ist und die avisierte Zielgruppe nicht direkt nach England oder in die Niederlande geht.

Ein weiteres Problem: Wenn alles bezahlt ist und die Feststellungsprüfung erfolgreich absolviert wurde, dürfen sich die ausländischen Studenten am Standort Jülich der FH Aachen immatrikulieren. Allerdings ausschließlich an der FH Aachen, da die Hochschulzugangsberechtigung vom "Freshman Program" nicht für andere Hochschulen in NRW erteilt wird.

Ich frage vor diesem Hintergrund die Landesregierung:

1. War die Landesregierung bei der Erarbeitung des Modells der FH Aachen beteiligt?

2. Sind die anfallenden Kosten nach Auffassung der Landesregierung angemessen?

3. Welche ausländische Studierende können nach Auffassung der Landesregierung, die anfallenden Kosten tragen?

4. Deckt das kürzlich vom Minister Pinkwart im Wissenschaftsausschuss vorgestellte Stipendienprogramm die Gesamtkosten in Höhe von 23.000 Euro ab?

5. Ist es nach Auffassung der Landesregierung sinnvoll, dass die vom "Freshman Program" erteilte Hochschulzugangsberechtigung ausschließlich zum Studium am Standort Jülich der FH Aachen berechtigt?

Antwort des Ministers für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie vom 13. Juni 2008 namens der Landesregierung im Einvernehmen mit der Ministerin für Schule und Weiterbildung, dem Finanzminister und dem Minister für Generationen, Familie, Frauen und Integration:

Zur Frage 1:

Die Landesregierung war an der Erarbeitung des Modells der FH Aachen nicht beteiligt.

Das Programm wurde aber als Modellversuch durch das Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen genehmigt.

Zur Frage 2:

Die Fachhochschule Aachen muss die Kurse kostendeckend anbieten.

Zur Frage 3:

Die Nachfrage regelt das Angebot. Soweit hier bekannt ist, wird das Programm der Fachhochschule Aachen gut nachgefragt.

Zur Frage 4:

Das in Planung befindliche Hochschulzugangsstipendienprogramm des Landes ist ein Stipendium, das auf pauschalierter Basis die Kurskosten für die Vorbereitung auf die Feststellungsprüfung erstattet. Alle Kosten, die den Betroffenen sonst entstehen, werden wie im bisherigen System auch davon nicht berührt.

Zur Frage 5:

Die Fachhochschule Aachen verbindet die erfolgreiche Absolvierung des Freshman Program mit einer Studienplatzgarantie. Diese kann die FH Aachen natürlich nur für die eigene Hochschule geben. Das Interesse der Studierenden an einem Studienplatz dürfte höher sein als an einer fachgebundenen Hochschulreife ohne Studienplatz.