Hochschulzugang / Lebenslanges Lernen in NRW

Im Zuge der Förderalismusreform haben die Länder mit der Neufassung des Art. 72 Abs. 3 GG das Recht erhalten, von Regelungen zu Hochschulzulassung und -abschlüssen abzuweichen, die der Bund in Ausübung der neuen konkurrierenden Gesetzgebung erlässt. Das bisher geltende Hochschulrahmengesetz wird zum 30.09.2008 außer Kraft treten.

Im Bereich des Hochschulzugangs ohne Abitur haben sich in den letzten Jahren und sogar in den letzten Monaten zahlreiche Veränderungen ergeben. Der Ausbau des lebenslangen Lernens wird allgemein - gerade in einer "alternden Gesellschaft" - als dringend erforderlich und ausbaufähig angesehen.

Durch das Internet besteht eine sehr einfache Möglichkeit, sich national und international über Bildungsangebote zu informieren - und dann das "persönlich passende" Angebot (für sich selbst und ggfs. für die Mitarbeiter/innen zu wählen) und anzunehmen.

Niedersachsen hat im Januar 2008 eine "offene Hochschule" als Pilotprojekt eingeführt; ausländische Universitäten - mit offenem Hochschulzugang - sind auch in NRW tätig. Akademische Titel aus dem Ausland dürfen ohne Einzelfallgenehmigung geführt werden ­ der von EU-Mitgliedsstaaten verliehene „PhD" etwa gilt gemäß der Verordnung des Landes aus dem Jahr 2005 generell als "Dr." ohne jeden Zusatz.

Wir fragen daher die Landesregierung:

1. Beabsichtigt die Landesregierung Regelungen für einen allgemeinen und direkten Hochschulzugang an die Universitäten (ähnlich dem im Land Hessen) für Handwerksmeister, Fachwirte, Fachkaufleute, Krankenschwestern und Techniker ­ ohne Abitur zu erlassen?

2. Plant die Landesregierung eine Öffnung der Hochschulen ohne Abitur wie in Niedersachsen seit Januar durch die "offene Hochschule" (z. Zt. Pilotprojekt der Leuphana Universität Lüneburg) bereits geschehen?

3. Ist die Landesregierung der Ansicht, dass erst bei Einführung eines "offenen Hochschulzugangs" ohne Vorbedingungen Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften bzw. Arbeitgeber und deren Betriebsräte einen "Bildungstarifvertrag" abschließen können, der grundsätzlich allen Mitarbeitern eine Förderung bei einem (berufsbegleitenden) Hochschulstudium bietet?

4. Sollten aus Sicht der Landesregierung Absolventen der niederländischen Open Universiteit (Hauptverwaltung in Heerlen, direkt in Grenznähe) und der britischen Open University (mit Studienzentrum in Köln) nach dem Abschluss eines BA / BSc-Studiums (ohne Abitur) ein Masterstudium an den Universitäten des Landes (wie in Niedersachsen und Hessen möglich) durchführen können?

Antwort des Ministers für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie vom 13. Juni 2008 namens der Landesregierung im Einvernehmen mit dem Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales, dem Minister für Generationen, Familie, Frauen und Integration und der Ministerin für Schule und Weiterbildung:

Zur Frage 1:

Derzeit wird innerhalb der Landesregierung überlegt, wie der Hochschulzugang für in der beruflichen Bildung qualifizierte Personen (wie etwa Handwerksmeisterinnen und -meister) weiter ausgestaltet werden soll.

Zur Frage 2:

Die nordrhein-westfälischen Hochschulen stehen bereits jetzt allen Interessierten im Rahmen des weiterbildenden Studiums offen. Eine Anrechnung von außerhalb der Hochschule erworbenen Kenntnissen und Fähigkeiten auf ein Studium ist sehr weitgehend möglich.

Zur Frage 3:

Es obliegt der freien Entscheidung der Beteiligten, welche Förderungsmaßnahmen zugunsten der Mitarbeiter ergriffen werden sollen.

Zur Frage 4:

Ob ein Bachelor-Absolvent einer ausländischen Hochschule (oder Berufsakademie) ein Masterstudium in Nordrhein-Westfalen aufnehmen kann, richtet sich auch weiterhin danach, ob die Gleichwertigkeit des konkreten ausländischen Bildungsabschlusses zu bejahen ist.