Was unternimmt die Landesregierung gegen die Benachteiligung legasthener Schülerinnen und Schüler?

Der Bundesverband für Legasthenie und Dyskalkulie geht davon aus, dass in Deutschland vier Prozent der Schülerinnen und Schüler von einer Lese-Rechtschreib-Schwierigkeit (Legasthenie) betroffen sind. Als Ursache werden eine genetische Disposition, Probleme der auditiven und visuellen Wahrnehmungsverarbeitung, der Verarbeitung der Sprache und vor allem der Phonologie angenommen. Mir ist der Fall eines Abiturienten bekannt, der aufgrund seiner anerkannten Rechtschreib-Schwäche Abzüge in seiner Abitur-Note erhalten hat.

Ich frage daher die Landesregierung:

1. Welche Maßnahmen werden ergriffen, um die Benachteiligung anerkannter legasthener Schülerinnen und Schüler zu stoppen?

2. Was wird unternommen, um dieses rechtliche Vakuum ähnlich wie im Falle der Dyskalkulie zu beheben?

3. Wie rechtfertigen Sie gegenüber derart benachteiligten Schülerinnen und Schülern, dass ihnen aufgrund ihrer anerkannten Störung oben genannte Benachteiligungen drohen?

Antwort der Ministerin für Schule und Weiterbildung vom 16. Juni 2008 namens der Landesregierung:

Zur Frage 1:

Der Runderlass "Förderung von Schülerinnen und Schülern bei besonderen Schwierigkeiten im Erlernen des Lesens und Rechtschreibens (LRS)" (BASS 14-01 Nr.1) stellt die verbindliche Vorgabe für die Schulen der Primarstufe und der Sekundarstufe I dar. Verbindlich insofern, als

· eine Analyse der Lernsituation, ggf. unter Einschaltung externer Experten, und die daraus folgende Konzeption entsprechender schulischer Fördermaßnahmen eine Pflichtaufgabe aller Schulen ist,

· bei einer schriftlichen Arbeit oder Übung zur Bewertung der Rechtschreibleistung im Fach Deutsch und in den Fremdsprachen die Lehrerin oder der Lehrer im Einzelfall eine andere Aufgabe stellen kann, mehr Zeit einräumen oder von der Benotung absehen kann und die Klassenarbeit mit einer Bemerkung versehen kann, die den Lernstand aufzeigt und zur Weiterarbeit ermutigt,

· für Schülerinnen und Schüler bis zur Klasse 6, in besonders begründeten Einzelfällen auch bis zur Klasse 10, die Rechtschreibleistungen nicht in die Beurteilung der schriftlichen Arbeiten und Übungen im Fach Deutsch oder in einem anderen Fach mit einbezogen werden,

· für Schülerinnen und Schüler bis zur Klasse 6, in besonders begründeten Einzelfällen auch bis zur Klasse 10, in Zeugnissen der Anteil des Rechtschreibens bei der Bildung der Note zurückhaltend zu gewichten ist,

· für Schülerinnen und Schüler bis zur Klasse 6, in besonders begründeten Einzelfällen auch bis zur Klasse 10, die Leistungen im Lesen und Rechtschreiben bei Entscheidungen über die Versetzung, über die Eignung für eine weiterführende Schulform oder bei der Vergabe von Abschlüssen nicht den Ausschlag geben dürfen.

Dies gilt ausdrücklich auch für Rechtschreibleistungen im Fremdsprachenunterricht.

Zur Frage 2:

Es besteht kein rechtliches Vakuum, da die o. a. Maßnahmen für alle Schulen der Primarstufe und der Sekundarstufe I verbindlich sind.

Zur Frage 3:

Zu dem konkret angesprochenen Fall eines Abiturienten können ohne weitere Informationen keine Aussagen getroffen werden.