Die Zahl der Habilitationen sinkt immer weiter

Die Habilitation ist das klassische Verfahren, mit dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Lehrbefähigung nachweisen und somit für Lebenszeitprofessuren bereit stehen. Mit der Änderung des Hochschulrahmengesetzes im Jahre 2002 wurde eine Alternative für die Qualifizierung zur Lebenszeitprofessur, die so genannte Juniorprofessur, geschaffen.

Trotzdem treten Langzeitprobleme im Habilitationsverfahren auf.

Folgende Fakten vom Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik sind erklärungsbedürftig:

- Die Zahl der Habilitationen lag in 2007 bei 332 und ist damit um 10 % geringer als in 2006.

- Der Frauenanteil unter den neu Habilitierten lag bei 20,8% und hat sich damit von 2006 auf 2007 kaum verändert.

- Das Durchschnittsalter der Habilitierten lag in 2007 bei 39,3 Jahren.

Ich frage vor diesem Hintergrund die Landesregierung:

1. Was sind nach Meinung der Landesregierung die Gründe für das Sinken der Habilitationszahlen?

2. Ist die sinkende Zahl der Habilitationen auch eine Folge der zunehmend unsicheren Arbeitsverhältnisse an den nordrhein-westfälischen Hochschulen, die aus dem sogenannten Hochschul"freiheits"gesetz resultieren?

3. Was sind die Gründe für den niedrigen Frauenanteil?

4. Wie beurteilt die Landesregierung das Durchschnittsalter der Habilitierten?

5. Welche Maßnahmen plant die Landesregierung, um die oben genannten Zahlen zu verbessern?

Antwort der Ministers für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie vom 31. Juli 2008 namens der Landesregierung:

Zur Frage 1:

Ein leichtes Absinken der Zahl der Habilitationen war zu erwarten, da mit der Juniorprofessur seit einigen Jahren eine Alternative zur Verfügung steht. Die Zahl der Juniorprofessuren stieg von 116 (2006) auf 148 (2007).

Zur Frage 2:

Aus dem Hochschulfreiheitsgesetz resultieren keine zunehmend unsicheren Arbeitsverhältnisse.

Zur Frage 3:

Der Frauenanteil war gerade bei der klassischen Habilitation immer relativ niedrig, die Einführung der Juniorprofessur dient auch der Verbesserung der Karrierechancen von Frauen.

Der Frauenanteil bei den Juniorprofessuren lag 2007 bei 25,7%.

Zur Frage 4:

Die Absenkung des Durchschnittsalters für die Qualifikation zur Bewerbung auf eine Professur ist ebenfalls ein Ziel der Juniorprofessur.

Zur Frage 5:

Maßnahmen zur Verbesserung der genannten Zahlen sind nicht erforderlich, da gerade die Juniorprofessur die wissenschaftliche Nachwuchsförderung ausreichend sichert. Die Effekte der Einführung der Juniorprofessur werden weiter beobachtet.