Chaos und Unsicherheit an der Universität Duisburg-Essen: Wird der Studiengang Französisch abgeschafft oder nicht?

Die Studenten des Studienfaches Französisch an der Universität Duisburg-Essen sind verunsichert: Der neue Rektor Prof. Dr. Ulrich Radtke verkündete, dass der Studiengang für das Fach Französisch aufgrund von zu wenig Drittmittel und schlechter Absolventenzahlen abgeschafft werden soll. Dies würde zum einen die Streichung der Professurstelle für Sprachwissenschaft bedeuten, zum anderen keine Neueinschreibungen zum kommenden Wintersemester 2008/2009. Davon sind nicht nur BA/MA und Magisterstudiengang betroffen, sondern auch die Lehrerausbildung. Fraglich ist auch, inwiefern bereits eingeschriebene Studierende ihr Studium ordentlich zu Ende führen können.

Jetzt, nach Demonstrationen der Fachschaft und Berichten der Presse, ist der Rektor zwar zurückgerudert, auf eine eindeutige Aussage zum Weiterbestehen des Studienganges warten die Studierenden allerdings bis heute.

Vor diesem Hintergrund frage ich die Landesregierung:

1. Wie wollen Sie diesem Chaos entgegenwirken, um den bereits Studierenden eine Aussicht auf einen guten Abschluss zu gewährleisten.

2. Kann der Studiengang für das Fach Französisch erhalten werden?

3. Wie viele Studentinnen und Studenten sind aktuell für das Studienfach Französisch eingeschrieben, differenziert nach den verschiedenen Studiengängen?

4. Wie hoch ist der Einstellungsbedarf für das Fach Französisch an Schulen?

Antwort des Ministers für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie vom 31. Juli 2008 namens der Landesregierung im Einvernehmen mit der Ministerin für Schule und Weiterbildung:

Zur Frage 1:

Die Studierenden waren zum Stand des hochschulinternen Zielvereinbarungsverfahrens unvollständig informiert.

Die Hochschulleitung hatte angesichts schlechter Absolventenzahlen und einer DFGDrittmittelquote von 0 in 2007 nach den Struktur- und Änderungsvorstellungen des Faches gefragt. In diesem Zusammenhang war auch die Frage nach einer geänderten Aufgabenumschreibung von einer der demnächst freiwerdenden Professuren für das Fach Französisch gestellt worden. Die Hochschulleitung ist der Ansicht, dass es für die Qualität in der Lehrerausbildung unerlässlich ist, auch die Didaktik der französischen Sprache durch professorale Lehre abzubilden. Dies ist bisher an der Universität Duisburg-Essen im Fach Französisch nicht der Fall.

Zur Frage 2:

Ja.

Zur Frage 3:

Im Studienfach "Französisch" waren in Nordrhein-Westfalen im Wintersemester 2007/2008 insgesamt 1.716 Studierende (Belegungen) eingeschrieben. Im Fach "Französische Sprache und Kultur" waren es 37, im Fach "Romanische Philologie (Französisch)" 596 Studierende.

In den drei genannten Fächern waren demnach insgesamt 2.349 Studierende immatrikuliert.

Unabhängig davon ist das Französisch-Studium auch als Studienschwerpunkt im Fach "Romanistik" möglich. Ein Studienschwerpunkt ist allerdings kein Merkmal der amtlichen Hochschulstatistik. Daher kann nicht festgestellt werden, wie viele Studierende in diesem Schwerpunkt der Romanistik immatrikuliert sind.

Zur Frage 4:

Der Einstellungsbedarf liegt im Bereich des Lehramts an Grundschulen, Hauptschulen, Realschulen und den entsprechenden Jahrgangsstufen der Gesamtschule (Schwerpunkt Sekundarstufe I) nach den Prognosen des Ministeriums für Schule und Weiterbildung aus dem Jahr 2006 in den kommenden Jahren im Durchschnitt bei jährlich rund 40 bis 60 Lehrkräften mit der Lehrbefähigung Französisch; für das Lehramt an Gymnasien und Gesamtschulen werden voraussichtlich in den kommenden Jahren im Durchschnitt 150 bis 200 Lehrkräfte mit der Lehrbefähigung Französisch benötigt.