Sind die Aufgaben im Zentralabitur gegendert?

Die Landesarbeitsgemeinschaft Mädchenarbeit NRW bestätigt in einem Schreiben vom Mai 2008 einen Eindruck, der im Zusammenhang mit den Diskussionen um die Aufgaben im diesjährigen Zentralabitur auch bei Mitgliedern der grünen Landtagsfraktion entstanden ist.

Bei den diesjährigen Aufgabenstellungen im Zentralabitur spielten vor allem Männer - beispielweise Dirk Nowitzki, Barack Obama und Hans Dietrich Genscher - eine Rolle. Die Landesarbeitsgemeinschaft Mädchenarbeit NRW bemängelt zu Recht, dass Männer hier als "sportlich, politisch aktiv und künstlerisch tätig" vermittelt werden; Frauen aber außen vor bleiben und insofern auch keine derart positiven Zuschreibungen erfahren.

Vor diesem Hintergrund frage ich die Landesregierung:

1. Welche Rolle spielte der Grundsatz des Gender Mainstreamings bei der Erstellung der Aufgaben für das diesjährige Zentralabitur?

2. Wie stellt die Landesregierung sicher, dass bei der Erstellung der Aufgaben für das Zentralabitur grundsätzlich Gender Mainstreaming erfolgt?

3. Wie stellt sich das Verhältnis der im Rahmen der diesjährigen Abituraufgaben behandelten Frauen und Männer zahlenmäßig dar?

4. Welche Rollenbilder sollen im Rahmen der Abituraufgaben transportiert werden?

5. Hält die Landesregierung eine geschlechtersensible Erstellung von Aufgaben für das Zentralabitur für angemessen und notwendig?

Antwort der Ministerin für Schule und Weiterbildung vom 7. August 2008 namens der Landesregierung im Einvernehmen mit dem Minister für Generationen, Familie, Frauen und Integration:

Als Personen, die in den diesjährigen Aufgaben des Zentralabiturs eine Rolle spielten, zählt die Fragestellerin Dirk Nowitzki, Barack Obama und Hans Dietrich Genscher auf. Sie nennt z. B. nicht Nelly Sachs, Queen Elizabeth und Rigoberta Menchú.

Anders als in der Anfrage behauptet wird, blieben Frauen in den Aufgaben des Zentralabiturs 2008 weder außen vor, noch wurde eine positive Zuschreibung vernachlässigt.

Zu den Fragen 1 bis 5:

Der Grundsatz des Gender Mainstreaming spielt nicht erst bei der Erstellung der Aufgaben für das Zentralabitur eine Rolle, sondern ist schon als Grundsatz der Unterrichtsgestaltung zu beachten. Die fachspezifischen Richtlinien und Lehrpläne enthalten dazu Ausführungen und Vorgaben, die von den Aufgabenkommissionen bei der Entwicklung der Prüfungsaufgaben zu beachten sind. Die jeweilige Fachaufsicht überprüft die Lehrplangemäßheit der Prüfungsaufgaben und dabei auch die Einhaltung der Gender-Kriterien, deren Umsetzung sich nicht nur durch die Beachtung formaler Kriterien (Verwendung der Begriffe „Schülerinnen und Schüler") zeigt, sondern auch in der inhaltlichen Ausgestaltung der Aufgaben.

In den Abituraufgaben werden ­ anders als die Fragestellung suggeriert ­ keine Männer und Frauen thematisch in den Mittelpunkt gerückt, sondern Problemstellungen.

Zum Beispiel geht es in den von der Fragestellerin angedeuteten Prüfungsaufgaben um die Berechnung von Wahrscheinlichkeiten, um den „Zwei­plus-Vier-Vertrag" und um den „American Dream".

Wenn den Prüflingen Texte zur Bearbeitung vorgelegt werden, so entspricht das Verhältnis von Autorinnen zu Autoren in etwa dem, wie Frauen und Männer in den jeweiligen Wissenschaftsdisziplinen und in den jeweiligen Epochen publiziert haben. Bei der Auswahl von Informationstexten, Bildern oder von anderen Materialien wird auf eine ausgewogene Berücksichtigung von Frauen und Männern geachtet. Ausschlaggebend ist allerdings die fachliche, thematische sowie sprachliche Eignung des Materials. Entsprechend dem Grundsatz des Gender Mainstreaming wird darauf geachtet, dass keine stereotypen Rollenbilder transportiert werden.