Ausbildung

In der Verbandszeitschrift "Bildung real" vom Januar 2008 erläuterte die stellvertretende Vorsitzende des nordrhein-westfälischen Realschullehrerverbandes: "Das Ministerium für Schule und Weiterbildung hat sich für eine solche Professur in Nordrhein-Westfalen bereits eingesetzt. Der Vorschlag liegt zurzeit beim Wissenschaftsministerium, dem Pinkwart vorsteht. Wir werden sehen, ob es der Landesregierung gelingt, ein deutliches Zeichen für den Erhalt und die Weiterentwicklung der Schulform Realschule zu setzen."

Vor diesem Hintergrund frage ich die Landesregierung:

1. Welche konkreten Maßnahmen haben das Ministerium für Schule und Weiterbildung und Ministerium für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie eingeleitet, um einen Lehrstuhl für Realschulpädagogik und -didaktik in Nordrhein-Westfalen einzurichten?

2. Was ist Realschulpädagogik?

3. Wie bewertet die Landesregierung die Forderung des Realschullehrerverbandes NRW, einen Lehrstuhl für Realschulpädagogik und Realschuldidaktik in NRW einzurichten?

4. Wann ist mit der Einrichtung eines solchen Lehrstuhls zu rechnen?

5. Wie fügt sich die Einrichtung eines Lehrstuhls für Realschulpädagogik und -didaktik in die aktuellen Planungen der Landesregierung für die Reform der Lehrerausbildung ein?

Antwort der Ministerin für Schule und Weiterbildung vom 8. August 2008 namens der Landesregierung im Einvernehmen mit dem Minister für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie:

Zur Frage 1:

Auf Anregung des Ministeriums für Schule und Weiterbildung wird das Ministerium für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie den Vorschlag, eine Professur für Realschulpädagogik einzurichten, an die Lehrer ausbildenden Universitäten herantragen.

Zur Frage 2:

§ 15 des Schulgesetzes beschreibt ­ angelehnt an die Schulformdefinition der KMKVereinbarung über die Schularten und Bildungsgänge im Sekundarbereich I vom 3. Dezember 1993 i.d.F. vom 27. September 1996 - die Aufgaben der Realschule wie folgt: „Die Realschule vermittelt ihren Schülerinnen und Schülern eine erweiterte allgemeine Bildung, die sie entsprechend ihren Leistungen und Neigungen durch Schwerpunktbildung befähigt, nach Maßgabe der Abschlüsse ihren Bildungsweg in berufs- und studienqualifizierenden Bildungsgängen fortzusetzen."

Wegen dieses komplexen Auftrages wird an den Realschulen ein besonderes Wahlpflichtangebot vorgehalten in den Bereichen Fremdsprachen, Naturwissenschaft-Technik, Sozialwissenschaften/Ökonomie oder Musik-Kunst.

Frau Prof. Dr. Jutta Mägdefrau, die Inhaberin des Lehrstuhls für Realschulpädagogik an der Universität Passau, diagnostiziert: „Die Realschule formuliert ihren Bildungsauftrag an der Schnittstelle zwischen beruflicher und höherer Allgemeinbildung. Dies müsste zu spezifischen unterrichtsmethodischen Konzepten führen." (Abdruck eines Vortrages auf dem 40. Mülheimer Kongress des Realschullehrerverbands Nordrhein-Westfalen in Bildungreal 3/2008 und 4/2008) Anknüpfend an diese Aufgaben geht es darum, die zukünftigen Lehrkräfte auf die Mehrgestaltigkeit dieses Anspruches durch geeignete Studienangebote vorzubereiten.

Zu den Fragen 3 bis 5

Die Forderung des Realschullehrerverbandes Nordrhein-Westfalen stellt eine wichtige Anregung dar, die mit dem Reformanliegen übereinstimmt, den Schulformbezug in der Lehrerausbildung klar zu akzentuieren. Im Übrigen wird auf die Antwort zu Frage 1 verwiesen.