Welche Folgen hat der Fehler in einer Aufgabe des Leistungskurses Chemie im diesjährigen Zentralabitur II?

In der Antwort der Landesregierung auf meine Anfrage "Welche Folgen hat der Fehler in einer Aufgabe des Leistungskurses Chemie im diesjährigen Zentralabitur" (Drucksache 14/9629) bleiben aus meiner Sicht wesentliche Fragen offen. Erst mit der Antwort wurde der gravierende Fehler in der Aufgabe des Leistungskurses Chemie (CH LK HAT 2) öffentlich bekannt. Die Antwort der Landesregierung macht aus meiner Sicht nicht den Eindruck, dass seitens des Ministeriums transparent und im Sinne der Schülerinnen und Schüler mit diesem Fehler umgegangen worden ist.

1. Ist es zutreffend, dass durch die fehlerhaften Messwerte in der genannten Klausur zwei widersprüchliche Ergebnisse auf unterschiedlichen Lösungswegen berechnet werden mussten, wenn sich die Schülerinnen und Schüler an die Aufgabenstellung gehalten haben?

Die Aufgabenstellung fordert an keiner Stelle, zwei verschiedene Ergebnisse auf der Basis unterschiedlicher Werte für die Säurekonstante von Ascorbinsäure (pKs-Wert) zu berechnen.

Die Sachlage bezüglich der Aufgabenstellung ist in der Stellungnahme der Unabhängigen Kommission vom 12. Mai 2009, die bereits in der Antwort zur Kleinen Anfrage 3457 zitiert wurde, ausführlich und abschließend erläutert.

2. Wurden alle Schulleitungen bzw. Fachlehrkräfte, deren Schülerinnen und Schüler die Klausur geschrieben haben, über den Fehler in der Aufgabenstellung informiert?

3. Wurden die Lehrkräfte, die die Klausur CH LK HT 2 korrigiert, sich aber nicht bei der Schulaufsicht über die fehlerhafte Aufgabenstellung beschwert haben, darüber informiert, dass es neben den Korrekturvorgaben eine alternative Lösungsmöglichkeit gibt, die bei der Bewertung entsprechend zu berücksichtigen ist?

4. Wo wurde die Stellungnahme der Unabhängigen Kommission vom 12. Mai 2009 bezogen auf die Klausur CH LK HT 2 veröffentlicht?

Es bestand keine Veranlassung zu einer Information aller Schulen, da die Aufgabenstellung nicht fehlerhaft war und da es, wie bereits in der Beantwortung der Kleinen Anfrage 3457 ausgeführt, offenbar nur an wenigen Schulen zu einem Beratungsbedarf gekommen ist. Dieser betraf den Hinweis, dass als „alternative Lösungsmöglichkeit" nicht mit dem in der Aufgabenstellung angegebenen, sondern mit dem selbst bestimmten Wert weiter gerechnet werden konnte. In diesem Fall darf den Schülerinnen und Schülern daraus kein Nachteil erwachsen. In der Anwendung dieser allgemein gängigen Praxis waren sich einige Schulen im Zusammenhang mit zentralen Prüfungen nicht sicher. Die Stellungnahme der unabhängigen Kommission wurde daher diesen Schulen und der oberen Schulaufsicht zur Verfügung gestellt.

Es trifft auch nicht zu, dass mit der Antwort auf die Kleine Anfrage 3457 die Öffentlichkeit erstmals über die Sachlage informiert worden wäre. Bereits am 13. Mai 2009 hat sich der Pressesprecher des Ministeriums in einem Artikel des „Kölner Stadtanzeigers" dazu geäußert. In diesem Artikel wird darüber hinaus die Stellungnahme der Unabhängigen Kommission zusammengefasst und der Passus zitiert, in dem es um die gleichwertige Anrechenbarkeit von Lösungen geht, die mit einem selbst ermittelten pKs-Wert erzielt wurden.