Schulleitung nicht in Sicht: Grundschulverbund in Krefeld ohne Perspektive?

Zum Schuljahr 2007/2008 wurde im Krefelder Vorort Hüls aus den Grundschulen Amerner Straße und Bonhoefferstraße ein Grundschulverbund, die Gemeinschaftsgrundschule Hüls Astrid-Lindgren-Schule gebildet. Dies geschah mit breiter Unterstützung der Eltern und Lehrenden und wurde über mehrere Jahre von den beiden Schulen vorbereitet sowie von Seiten der Stadt Krefeld gefördert. Die Hoffnung, mit dem neuen Grundschulverbund die richtige Antwort auf die demografische Entwicklung zu geben, wurde durch die hohen Anmeldezahlen zum Schuljahr 2008/2009 bestätigt.

Die engagierte Rektorin verließ allerdings die Schule zu Beginn jenes Schuljahrs. Die mehrfach erfolgte Ausschreibung der Stelle blieb erfolglos. Zum Beginn des Schuljahrs 2009/2010 verlässt nun die kommissarische Schulleiterin, die ebenfalls engagierte Konrektorin, die Schule. Eine Nachfolge ist weder für die Schulleitung noch für die Stellvertretung in Sicht.

Eltern und Kollegium der Schule sind besorgt. Es droht nicht nur massiver Unterrichtsausfall, sondern auch eine Schule ohne Leitung bzw. unzumutbare personelle Provisorien. Wichtige Prozesse des Zusammenwachsens und die Weiterentwicklung pädagogischer Konzepte geraten bereits ins Stocken. Für weitere Verunsicherung und Empörung sorgt in dieser Situation das Verhalten der zuständigen Schulrätin, die nicht nur jegliches Gespräch mit den Eltern abgelehnt, sondern auch den Lehrkräften untersagt haben soll, die Erziehungsberechtigten über neuere Entwicklungen zu unterrichten.

1. Wie gewährleistet die Landesregierung, dass die GGS Hüls Astrid-LindgrenSchule schnellstmöglich eine Schulleitung und stellvertretende Schulleitung erhält, die die Schulentwicklungsarbeit fortführen kann?

Der Landesregierung ist daran gelegen, dass nicht besetzte Leitungsstellen im Interesse der betroffenen Schulen, d.h. der Schülerinnen und Schüler, der Lehrerinnen und Lehrer und der Eltern möglichst zügig nachbesetzt werden. Die Stelle der Schulleitung an der Gemeinschaftsgrundschule Hüls "Astrid-Lindgren-Schule" ist seit dem 1. Februar 2009 frei und besetzbar; die Stelle der Stellvertretung ab dem 1. September 2009. Obwohl die Schulaufsicht die Besetzungsverfahren mit Nachdruck betreibt bzw. betrieben hat, konnten die Stellen bislang noch nicht besetzt werden.

Nach einem Bericht der Bezirksregierung hat die zuständige Schulrätin beim Schulamt für die Stadt Krefeld nach Abstimmung mit allen Beteiligten eine Konzeption für eine kommissarische Leitung der Schule erarbeitet, um die Zeit bis zur erfolgreichen Stellenbesetzung zu überbrücken.

Darüber hinaus wird im jetzt begonnenen neuen Schuljahr die Gemeinschaftsgrundschule durch die Zuweisung einer Vollzeitlehrkraft, die Verlängerung eines Aushilfsarbeitsvertrages sowie die Versetzung einer Lehrkraft für den Gemeinsamen Unterricht personell gestärkt.

2. Wie viele Schulleitungsstellen sowie stellvertretende Schulleitungsstellen an Grundschulen in NRW sind zurzeit unbesetzt (bitte nach Schulträgern aufschlüsseln)?

Um die Frage detailliert nach Schulträgern beantworten zu können, müssten durch die Bezirksregierungen für jede öffentliche Grundschule eine Einzelfallrecherche vorgenommen werden. Solche arbeits- und zeitaufwändigen flächendeckenden Einzelfallrecherchen können mit vertretbarem Arbeitsaufwand im Rahmen der Beantwortung der Kleinen Anfrage nicht geleistet werden.

Hinsichtlich der Gesamtzahl unbesetzter Schulleitungsstellen und Vertretungsstellen kann im Wege der Beantwortung Kleiner Anfragen nur ­ wie auch in früheren Legislaturperioden ­ auf die Stellendatei zurückgegriffen werden.

Die Stellendatei weist derzeit an den öffentlichen Grundschulen 317 Schulleitungsstellen und 457 Stellvertreterstellen als nicht besetzt aus.

Die Aussagekraft dieser Zahlen ist aus mehreren Gründen eingeschränkt: Die Zahl der als unbesetzt ausgewiesenen Leitungsstellen muss vor dem Hintergrund der zum Schuljahreswechsel stattfindenden erheblichen Personalwechsel im Schulleitungsbereich bewertet werden. Während Zurruhesetzungen zum Ablauf des Schuljahres bereits in die Stellendatei eingebucht sind, müssen die Nachbesetzungen noch eingepflegt werden, was oft erst mit Zeitverzögerung erfolgt. Außerdem werden in dieser Statistik bereits erfolgte Auswahlen nicht erfasst, da nur tatsächliche Besetzungen gebucht werden. In etwa der Hälfte der Fälle dürfte eine solche erfolgt sein. Wie bereits von der Vorgängerregierung stets auf entsprechende Kleine Anfragen erläutert, z. B. in der Antwort auf die Kleine Anfrage 459 der Abgeordneten Marie-Theres-Kastner (CDU) vom 29. Mai 2001, dürften trotz stellenplanmäßiger Ausweisung als unbesetzt knapp die Hälfte dieser Stellen mit einer Lehrkraft besetzt sein, die mit der Wahrnehmung der Schulleiteraufgaben beauftragt ist. Die Landesregierung geht davon aus, dass sich an diesem Verhältnis von stellenplanmäßig zwar unbesetzten, faktisch jedoch wahrgenommenen Leitungsfunktionen bis heute nichts Grundlegendes geändert hat.

Diese Annahme wird dadurch bestätigt, dass im Funktionsstellenportal STELLA aktuell lediglich 114 Schulleitungsstellen sowie 215 Konrektorstellen im Bereich der öffentlichen Grundschulen ausgeschrieben sind.

Insgesamt wurde hinsichtlich der Anzahl der unbesetzten Stellen in Schulleitung und Stellvertretung im Vergleich zu vergangenen Legislaturperioden eine deutliche Verbesserung erzielt:

So waren ausweislich der Antwort der damaligen Landesregierung auf die o. a. Kleine Anfrage 459 vom 29.05.2001 an allen öffentlichen Schulen 651, davon an öffentlichen Grundschulen 386 Schulleitungsstellen nicht besetzt. Die letzte Auskunft der Vorgängerregierung zur Stellenbesetzungssituation bei Schulleitungen in der Antwort auf die Kleine Anfrage 1927 des Abgeordneten Ralf Witzel (FDP) vom 13. Juli 2004 weist im August 2004 insgesamt 796 Schulleitungsstellen bei öffentlichen Schulen als nicht besetzt aus (ohne Aufschlüsselung nach einzelnen Schulformen).

Auch in der davor liegenden Legislaturperiode kann der Antwort auf die Kleine Anfrage 1416 vom 13.07.1999 des Abgeordneten Hans-Martin Schlebusch (CDU) entnommen werden, dass zum damaligen Zeitpunkt mehr Stellen der stellvertretenden Schulleitungen (459) nicht besetzt waren, als dies aktuell der Fall ist.

3. Sieht die Landesregierung einen Zusammenhang zwischen der Schwierigkeit, BewerberInnen besonders für Leitungen von Grundschulverbünden zu finden und der Tatsache, dass die Mehranforderungen, die eine solche Leitung mit sich bringen, weder durch ein Plus an Entlastungsstunden noch durch eine grundsätzliche zweite Stellvertretung für die beiden Standorte ausgeglichen werden?

Besondere Schwierigkeiten bei der Besetzung von Leitungsstellen an Schulverbünden, die über die bekannten strukturellen Probleme bei der Besetzung von Leitungsstellen unter anderem an Grundschulen hinausgehen, sind der Landesregierung nicht bekannt.

Vielmehr führt die Bildung von Schulverbünden zu einer Erhöhung der Schülerzahlen, die für die Besoldung der betreffenden Leitungsstellen maßgeblich sind. Durch Schulverbünde können somit nicht nur kleine Standorte erhalten bleiben, sondern auch die Leitungsstellen von der Besoldung her attraktiver werden.

Schließlich sehen die Vorschriften über die Leitungszeit für Aufgaben der Schulleitung bei Schulverbünden ausdrücklich eine Erhöhung des Sockelbetrages um 3 Wochenstunden vor, wenn die Standorte nicht auf einem zusammenhängenden Grundstück liegen (§ 5 Abs. 1 Satz 3 der Verordnung zur Ausführung des § 93 Abs. 2 Schulgesetz).

4. Welche Maßnahmen wird die Landesregierung ergreifen, um Leitungsstellen im Grundschulbereich so attraktiv zu machen, dass es ausreichend Bewerbungen gibt?

Eine der Ursachen für Vakanzen im Bereich der Schulleitungen und ihrer Stellvertretungen ist die Altersstruktur der Kollegien an den Schulen in Nordrhein-Westfalen. Als Folge der Einstellungspolitik der früheren Landesregierung mit sehr geringen Einstellungszahlen in den Jahren 1982 bis 1999 sind heute Lehrerinnen und Lehrer im mittleren Alter ­ als typisches Bewerberpotenzial für Schulleitungspositionen ­ insgesamt in erheblich geringerer Zahl vor.