Hilfsdienste zur Anfertigung von wissenschaftlichen Arbeiten an Universitäten

„Leider gelingt es der Universität nicht immer, das notwendige Basiswissen und das entsprechende Handwerkszeug zu vermitteln, um ein Studium zügig und entsprechend der eigenen Fähigkeiten und Interessen zu absolvieren - woran immer das liegen mag. Hinzu kommen persönliche Barrieren, mit denen man sich selber im Wege steht. Sei es der Job neben dem Studium, die kleine Selbstüberschätzung der eigenen Arbeitsleistung im laufenden Semester oder externer Zwang wie nörgelnde Eltern oder auslaufendes Bafög. Das Verfassen von Fachtexten gehört bei allen geisteswissenschaftlichen Disziplinen zum Kernbestand. Wir helfen Ihnen,

· wissenschaftliche Arbeiten selbstständig,

· in einem vertretbaren zeitlichen Rahmen und

· mit angemessenem Erfolg zu schreiben.

Arbeiten schreiben ist nicht leicht, Arbeiten schreiben ist aber auch nicht schwer, wenn man ein paar grundlegende Kriterien und Kniffe berücksichtigt. Dabei können wir Ihnen in verschiedener Form unter die Arme greifen."

Diesen Text finden Studierende mit „Idee" überschrieben auf der Internetplattform www.strukturieren.de. Dieses Angebot ist eines von vielen sogenannter wissenschaftlicher Hilfsdienste zur Anfertigung wissenschaftlicher Arbeiten an Universitäten und Hochschulen.

Solche Angebote sind laut Staatsanwaltschaft Bonn nicht strafbar. Die zuständige Staatsanwältin hat hierzu ausgeführt, dass „die Nutzung von online-Diensten mit dem Ziel, die Facharbeit zu optimieren oder erstellen zu lassen [...] weder für den Anbieter noch für den Nutzer strafbar" seien. Die Staatsanwaltschaft Bonn stellt weiter fest, dass solche Fälle „einen Verstoß gegen die Ausbildungsordnungen der betreffenden Fakultäten darstellen und damit durch diese ­ und nur durch diese ­ zu disziplinieren sind." Nutzt ein Student oder eine Studentin einen Dienst wie strukturieren.de, so macht er sich rechtlich gesehen nicht strafbar.

Reicht er seine Arbeit am Institut ein, so verstößt er jedoch in der Regel gegen die geltenden Bestimmungen der Prüfungsordnungen. An den meisten Fakultäten müssen Studierende an

Eides statt versichern, dass sie die Arbeit selbständig verfasst haben. Dies ist bei der Inanspruchnahme eines Hilfsdienstes wie strukturieren.de jedoch nicht mehr der Fall. Die Ahndung und ­ wie es die Staatsanwaltschaft Bonn bezeichnet hat ­ Disziplinierung der Studierenden durch die Fakultäten sieht in der Regel so aus, das eine Exmatrikulation droht.

Aufgrund einer entstehenden Bildungsungerechtigkeit und einer Entwertung von Hochschulabschlüssen hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) sich ebenfalls bereits mit dieser Thematik beschäftigt und 1997 Vorschläge zur Sicherung guter Wissenschaftlicher Praxis verfasst. Eine durch die DFG international zusammengesetzte Kommission diskutierte die Ursachen von Unredlichkeit im Wissenschaftssystem und erörterte präventive Gegenmaßnahmen.

Vor diesem Hintergrund und vor dem Hintergrund der in den vergangenen Wochen öffentlich gewordenen Fälle von erkauften Promotionsmöglichkeiten frage ich die Landesregierung:

1. Welche online-Hilfsdienste zum Anfertigen von wissenschaftlichen Arbeiten sind der Landesregierung bekannt?

2. Wie bewertet die Landesregierung Angebote von online-Diensten wie www.strukturieren.de?

3. Wie möchte die Landesregierung der Entwertung von Hochschulabschlüssen durch wissenschaftliche Hilfsdienste entgegnen?

4. Hat die Landesregierung die gegenwärtige Entwicklung im Rahmen der Kultusministerkonferenz erörtert?

5. Befindet sich die Landesregierung im Dialog mit den nordrhein-westfälischen Hochschulen?