Erhebliche Defizite bei der Unterrichtsversorgung in NRW: Ist das Sprintstudium eine Lösung?

Die Unterrichtsversorgung in NRW weist erhebliche Defizite auf.

Entgegen den Ankündigungen der regierungstragenden Parteien von CDU und FDP noch im Jahr 2005, erleben Schülerinnen und Schüler sowie Eltern tagtäglich, dass auch in 2009 von einer gesicherten Unterrichtversorgung nicht geredet werden kann. Nach eigenen Angaben der Landesregierung (Antworten auf diverse kleine Anfragen der SPD-Fraktion) sind mehr als die Hälfte aller Schulen in NRW unterbesetzt. Insgesamt fehlen mehr als 5.000 Lehrkräfte. Selbst wenn man alle auf dem Papier überbesetzten Schulen mit einbezieht, ergibt sich ein Saldo von über 2.200 fehlenden Lehrkräften landesweit - ein Armutszeugnis für vier Jahre Schulpolitik von CDU und FDP - mit fatalen Folgen: An vielen Schulen ist ein gesicherter Fachunterricht mit hierfür ausgebildeten Lehrkräften nicht mehr aufrecht zu erhalten. Alleine durch die fehlenden Lehrkräfte fallen jährlich über fünf Millionen Stunden Unterricht aus. Viel zu viele Schülerinnen und Schüler sitzen nach wie vor in Klassen mit 30 oder mehr Schülern

- vielerorts ist an eine individuelle Förderung überhaupt nicht zu denken!

Das MSW versuchte bisher vergeblich auch mit Notmaßnahmen wie dem Sprintstudium die Probleme zu lösen. Das Sprintstudium kann absolvieren, wer bereits das Lehramt für Gymnasien oder Gesamtschulen bzw. die Sekundarstufe II hat. Lehrerinnen und Lehrer können zu den bereits erworbenen Fächern im Sprintstudium das 3. Fach berufsbegleitend studieren. Nebenher unterrichten sie befristet mit einer dreiviertel Stelle.

Das 2-jährige Sprintstudium gibt es seit 2006. Es sollte seinerzeit insbesondere die Lehrerversorgung in den Fächern Mathematik, Informatik, Physik, Kunst und Latein verbessern.

Am 14.06.2009 hat das MSW erneut auf die Möglichkeit des Sprintstudiums für die Fächer Mathematik, Informatik, Physik und Kunst hingewiesen. Bewerbungsende war der 30.06.2009.

Vorbemerkung der Landesregierung:

Die Landesregierung hat eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um ­ gemessen an den Erfordernissen ­ in den Unterrichtsfächern Mathematik, Informatik, Physik, Kunst und Latein für das Lehramt an Gymnasien und Gesamtschulen weitere Beiträge zur Lehrerversorgung zu erbringen. Die Hauptursache für den Mangel an Absolventen des regulären Lehramtsstudiums in diesen Fächern ist die geringe Zahl von Studienanfängern in den Jahren 2000 bis 2003.

Zu den o. g. Maßnahmen gehören:

· die Ausweitung der Plätze im Vorbereitungsdienst um 2.500 (500 weitere sollen 2010 folgen),

· die Einführung eines zweiten Einstellungstermins in den Vorbereitungsdienst,

· die Möglichkeit der vorzeitigen verbindlichen Einstellungszusage („Frühbuchersystem"),

· die Erweiterung der Möglichkeiten der Einstellung von Seiteneinsteigern,

· die Einstellung von Uni-Absolventen mit nur einem Fach,

· die Einrichtung von Zertifikatskursen, um bereits ausgebildete Lehrkräfte für ein Mangelfach zu qualifizieren sowie

· die Einstellung von Theologen als Religions- und Lateinlehrer mit entsprechender Qualifizierung.

Die seit dem Jahr 2005 deutlich verbesserte Einstellungssituation hat zudem bewirkt, dass das vorhandene Potenzial an Lehrkräften voll ausgeschöpft wurde.

1. Wie viele Sprintstudentinnen und Sprintstudenten haben seit 2006 in welchem Jahr mit welchem Fach das Sprintstudium erfolgreich beendet? Wie viele Sprintstudentinnen und Sprintstudenten sind in den Jahren seit 2006 wann in ein Dauerbeschäftigungsverhältnis eingestellt worden? (Bitte die Einstellungsbedarfe in den entsprechenden Fächern nach Jahren aufgeschlüsselt gegenüberstellen)

Der Vertrag, den die jeweilige Bezirksregierung mit den Sprintstudierenden abschließt, sieht vor, dass nach erfolgreichem Abschluss des Sprintstudiums durch universitäre Abschlussprüfungen sowie Feststellung der pädagogischen Eignung durch die Schulleitung die Studierenden einen Rechtsanspruch auf ein Dauerbeschäftigungsverhältnis erworben haben.

Dementsprechend sind alle erfolgreichen Absolventinnen und Absolventen (siehe oben) in ein Dauerbeschäftigungsverhältnis übergegangen. (Zum Einstellungsbedarf siehe Antwort 4)

3. Wie viele Sprintstudentinnen und Sprintstudenten befinden sich mit welchen Fächern noch bis zu voraussichtlich welchem Zeitpunkt im Studium bzw. haben sich für welche Fächer bis zum 30.06.2009 beworben?

Seit dem Jahr 2005 haben sich die Einstellungschancen für den Lehrernachwuchs in jedem Jahr verbessert. In diesem Jahr werden insgesamt rund 8.000 neue Lehrerinnen und Lehrer an den Schulen unterrichten. Dadurch haben potenzielle Bewerber auch ohne das Sprintstudium Einstellungschancen erhalten. Das Sprintstudium war von Beginn an als ergänzende Maßnahme gedacht, um nicht eingestellten Lehrkräften eine zusätzliche Chance zu eröffnen.

Im Jahr 2008 haben drei Studierende im Fach Informatik, vier Studierende im Fach Kunst und fünf Studierende im Fach Mathematik ein Sprintstudium aufgenommen. Dieser Jahrgang wird im Jahr 2010 das Examen ablegen und bei erfolgreichem Abschluss in ein Dauerbeschäftigungsverhältnis übernommen werden. In diesem Jahr hat ein Studierender im Fach Informatik sowie zwei Studierende im Fach Kunst ein Sprintstudium begonnen, das im Jahr 2011 abschlossen wird.

4. Welche Einstellungsbedarfe stehen in welchen Fächern wann dem unter 3. genannten Personenkreis gegenüber?

Der fachspezifische Einstellungsbedarf wird bestimmt durch den Einstellungsbedarf im Lehramt insgesamt, den fachspezifischen Unterrichtsbedarf und durch die vorhandenen Lehrkräfte mit ihren Lehramtsbefähigungen. Darüber hinaus werden auch fachspezifisch vorausberechnete Berufsaustritte der Lehrkräfte berücksichtigt.

Auf Basis dieser Grundlagen lassen sich im Rahmen von Prognosen Trendaussagen zum Verhältnis von Einstellungsangebot und Einstellungsbedarf treffen. Detaillierte zahlenmäßige Prognosen zum fächerspezifischen Einstellungsbedarf für einzelne Jahre können jedoch nicht hinreichend verlässlich erstellt werden.

Für die Fächer, die zurzeit im Rahmen eines Sprintstudiums berufsbegleitend studiert werden können (Mathematik, Informatik, Physik und Kunst), sind mittel- und langfristig ausgezeichnete Einstellungschancen prognostiziert.

5. Warum und ab wann zählt Latein nicht mehr zu den Fächern, die über das Sprintstudium studiert werden können?

Der Durchgang der ersten Gruppe hat deutlich gemacht, dass die umfangreichen fachlichen Anforderungen (vor allem teilweise fehlendes Graecum) in dem jetzigen Format des Sprintstudiums hoch sind und andere Möglichkeiten der Lehrergewinnung für das Fach Latein vorzuziehen sind.