Asylbewerber

Viele wanderungswillige Arbeitskräfte etwa aus Polen, die in anderen EU-Ländern Freizügigkeit genießen, sind nicht in die Bundesrepublik, sondern nach Großbritannien, die Niederlande oder andere Staaten gezogen.

Eine relativ stabile Entwicklung der Zu- und Fortzüge gilt auch für die größte ausländische Zuwanderergruppe: die Türkinnen und Türken. Laut Zuwanderungsstatistik sind 2006 8.680 türkische Staatsangehörige nach Nordrhein-Westfalen gezogen, 9.081 zogen fort. Der Saldo für die größte Zugewandertengruppe war 2006 also leicht negativ. Für das Argument, türkische Familien würden ihre Kinder in größerem Maße vor Beginn der Schulpflicht in die Türkei zurückschicken, um sie dort einzuschulen, kann zumindest die Zuwanderungsstatistik keinen Beleg liefern: Im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre sind jährlich rund 350 6 bis unter 10-jährige türkische Kinder aus Nordrhein-Westfalen fortgezogen - bei den Italienern sind es trotz wesentlich geringerer Gesamtzahlen genauso viele gewesen.

Relativ stabil ist die Entwicklung der Fortzüge: Im Jahr 2007 sind knapp 125.

Menschen aus Nordrhein-Westfalen ins Ausland gezogen. Zwar weist Nordrhein Westfalen in allen Jahren seit 1995 eine positive Wanderungsbilanz auf. Betrachtet man den Saldo der Zu- und Fortzüge wird aber deutlich, dass die Wanderungsgewinne nur noch sehr gering sind. Für Deutsche ist die Wanderungsbilanz sogar negativ, in erster Linie aufgrund des Einbruchs bei den Aussiedlerzahlen aber auch aufgrund zunehmender Auswanderung. 2007 sind 28.787 Deutsche aus Nordrhein Westfalen ins Ausland gezogen (2006 = 25.716), 18.345 (2006 = 17.120) wanderten von dort zu. Der Abwanderungsüberschuss bei den Deutschen hat sich 2007 mit 10.442 gegenüber 2006 (8.596) und 2005 (6.130) erneut deutlich erhöht. Das heißt: Seit Jahren wandern mehr Deutsche ab, als aus dem Ausland zuwandern.

Wandern vor allem die gut ausgebildeten Menschen aus?

Aufgeschlüsselte Zahlen für 2007 nach Herkunftsländern liegen noch nicht vor.

Die steigende Abwanderung von Deutschen hat Befürchtungen geweckt, vor allem Hochqualifizierte zögen ins Ausland, weil sie in Deutschland keine berufliche Perspektive mehr sähen.

Eine solche Aussage ist anhand der verfügbaren Wanderungsdaten allerdings nur schwer zu untermauern, da die Statistiken keine Aussagen zum sozialen Hintergrund und zur Qualifikation der abwandernden Menschen zulassen. So ist auch keine Differenzierung darüber möglich, ob der Fortzug eine Auswanderung auf Dauer oder nur eine befristete Ausreise ist, etwa im Rahmen einer Tätigkeit für ein deutsches oder internationales Unternehmen im Ausland. Bei den fortziehenden Deutschen kann es sich um eine heimische Ingenieurin handeln, die dauerhaft in die Vereinigten Staaten auswandert, aber auch um einen eingebürgerten Rentner, der für längere Zeit in die alte Heimat zurückkehrt.

Auch ist nicht jede Abwanderung als Kritik an den Verhältnissen in Deutschland zu werten. Unter denen, die die Bundesrepublik verlassen, befinden sich z. B. auch Studentinnen und Studenten, die einige Zeit im Ausland leben und dann zurückkehren.

Eine aktuelle Untersuchung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BIB) kommt zu dem Ergebnis, dass gerade bei der Gruppe der Höherqualifizierten die Aufenthalte im Ausland häufig nur zeitlich befristet sind. Danach halten sich vier Fünftel der deutschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für weniger als ein Jahr im Ausland auf. Für den Fall der USA lässt sich der Studie zufolge sogar trotz einer Zunahme von temporären Aufenthalten hochqualifizierter Deutscher keine Zunahme von langfristigen oder dauerhaften Aufenthalten nachweisen.

Ob es sich bei der Abwanderung von Deutschen um einen dauerhaften langfristigen Trend handelt, ist schwer zu beurteilen. Die positive wirtschaftliche Entwicklung in Nordrhein-Westfalen in den vergangenen Jahren, der Rückgang der Arbeitslosigkeit und der Aufbau von Beschäftigung haben Anreize dafür geschaffen, im Land zu bleiben.

Vgl. den Artikel "Deutschland wird immer unbeliebter" in: Die Welt, 30.5.2007.

Sauer, Lenore/Ette, Andres 2007: Auswanderung aus Deutschland. Stand der Forschung und erste Ergebnisse zur internationalen Migration deutscher Staatsbürger. Materialien zur Bevölkerungswissenschaft, Heft 123, Wiesbaden; Diehl, Claudia/Mau, Steffen, Schupp, Jürgen: Auswanderung von Deutschen: kein dauerhafter Verlust von Hochschulabsolventen, in: DIWWochenbericht, Nr.5, 2008.

Nordrhein-Westfalen fördert Rückkehr von hervorragenden Nachwuchsforscherinnen und Nachwuchsforschern Nordrhein-Westfalen verstärkt seine Anstrengungen im weltweiten Wettbewerb um die besten Nachwuchsforscherinnen und -forscher. Das Innovationsministerium hat darum ein "Programm zur Förderung der Rückkehr des wissenschaftlichen Spitzennachwuchses aus dem Ausland" aufgelegt: Nach Auswahl durch eine international besetzte Fachjury erhalten Arbeitsgruppen des wissenschaftlichen Spitzennachwuchses über fünf Jahre bis zu 1,25 Mio Euro pro Gruppe zum Aufbau einer selbstständigen Nachwuchsgruppe an einer Hochschule ihrer Wahl in Nordrhein-Westfalen.

Nachwuchsforschern mit qualifizierter Promotion, die vor ihrem Forschungsaufenthalt im Ausland ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland hatten, soll so die Möglichkeit geboten werden, ihr eigenes Forschungsvorhaben zu realisieren und sich durch die Leitung einer selbstständigen Nachwuchsgruppe für eine reguläre Professur in Nordrhein-Westfalen zu qualifizieren. Zudem soll ein Umfeld geboten werden, das gegenüber Angeboten aus dem Ausland konkurrenzfähig ist. Die Nachwuchsgruppen bringen ihre eigene Mittelausstattung mit und stellen damit eine hochwillkommene Verstärkung der jeweiligen Schwerpunkte der Hochschulen dar.

Kontinuierlicher Rückgang bei den Asylbewerberinnen und Asylbewerbern

Der insgesamt seit einigen Jahren feststellbare Rückgang der Zuwanderung nach Nordrhein-Westfalen zeigt sich besonders deutlich, wenn konkrete Gruppen in den Blick genommen werden. Die nachfolgende Tabelle zeigt die Entwicklung des Asylbewerberzuzugs von 1995 bis 2007.