Versicherung

Im Mikrozensus 2006 wurde für jeden Haushalt die Höhe des Nettoeinkommens seiner Haushaltsmitglieder im letzten Monat (Summe aller Einkunftsarten ohne Steuern und Sozialversicherungsbeiträge, zum Beispiel Erwerbseinkommen, Unternehmenseinkommen, Rente, Pension, öffentliche Unterstützungen, Einkommen aus Vermietung und Verpachtung, Arbeitslosengeld und -hilfe, Kindergeld, Wohngeld, Sachbezüge) erfragt.

Das mittlere monatliche Nettoeinkommen der privaten Haushalte in Nordrhein-Westfalen lag danach 2006 bei 2.536 Euro. Das Einkommen in Haushalten mit ausländischer Bezugsperson war mit 1.987 Euro um 21,6 % oder 549 Euro niedriger. In "türkischen" Haushalten lag das Nettoeinkommen noch einmal darunter, im Durchschnitt bei 1.887 Euro, das sind 25,6 % weniger als der Durchschnitt aller Haushalte.

Rein rechnerisch stehen in "deutschen" Haushalten jedem Mitglied durchschnittlich 1.073 Euro monatlich zur Verfügung, in den im Schnitt größeren "türkischen" Haushalten nur 545 Euro. Diese einfache Berechnung wird den tatsächlichen Einkommensverhältnissen jedoch nicht gerecht. In der Sozialberichterstattung üblich ist es, anstatt des arithmetischen Mittels das so genannte bedarfsgewichtete Nettoäquivalenzeinkommen anzugeben, das die Haushaltsmitglieder unterschiedlich gewichtet.

Dabei wird berücksichtigt, dass Mehrpersonenhaushalte durch gemeinsames Wirtschaften Einspareffekte erzielen. Zudem wird bei Kindern im Alter von unter 14 Jahren ein geringerer Bedarf angenommen als bei Erwachsenen.

Zur Bestimmung des Äquivalenzeinkommens gibt es verschiedene Skalen, die es ermöglichen, das Haushaltseinkommen genauer auf Personen umzurechnen. Gebräuchlich sind in erster Linie die alte und die neue OECD-Skala. Nach der hier verwendeten international verbreiteten neuen OECD-Skala ist der Gewichtungsfaktor für den Haupteinkommensbezieher 1,0. Alle übrigen Haushaltsmitglieder von 14 und älter erhalten den Gewichtungsfaktor 0,5 und Personen unter 14 Jahren den Gewichtungsfaktor 0,3. Bei einer Familie mit 2 Kindern unter 14 Jahren wird das Haushaltseinkommen damit beispielsweise nicht durch 4 - wie bei einer gleichwertigen Pro-Kopf-Gewichtung - sondern durch 2,1 geteilt. Nimmt man dieses Einkommen,

Wenn das Haushaltsnettoeinkommen erfragt wird, wird nicht danach differenziert, wer dieses Einkommen erwirtschaftet hat. Vergleiche nach dem Geschlecht wären hier nur für Ein-PersonenHaushalte möglich. Dies wäre allerdings sehr verzerrend wegen des höheren Anteils allein lebender älterer Frauen. dann stehen in Haushalten von Personen ohne Zuwanderungsgeschichte jedem Mitglied monatlich 1.331 Euro zur Verfügung, in Haushalten von Personen mit Zuwanderungsgeschichte sind es mit 947 Euro über 380 Euro weniger.

Auf der Grundlage des Nettoäquivalenzeinkommens lässt sich berechnen, wie viele Menschen ein Einkommen unterhalb der Armutsgrenze haben.

Wie Armut definiert wird, ist umstritten. Der Sozialbericht 2007 der Landesregierung hat zu dieser Frage umfassend Stellung bezogen. Insbesondere muss zwischen einem absoluten und einem relativen Armutsbegriff, der je nach dem Wohlstandsniveau einer Gesellschaft stark variiert, unterschieden werden. Klar ist, dass "Armut" in der Bundesrepublik Deutschland, einem der reichsten Länder der Welt, etwas anders meint als "Armut" in einem Entwicklungsland. Um Armut in Deutschland zu messen, wird in diesem Bericht, wie in der Sozialberichterstattung üblich, ein relativer Armutsbegriff verwendet, der die Abweichung vom mittleren Einkommen der Bevölkerung zum Ausgangspunkt nimmt. Nach EU-Konvention wird eine Definition zugrunde gelegt, wonach die individuelle Armutsschwelle dann unterschritten ist, wenn eine Person weniger als 60 % des mittleren Haushaltsnettoeinkommens zur Verfügung hat.

Insbesondere die wesentlich höhere Erwerbslosigkeit bei Menschen mit Zuwanderungsgeschichte ist die zentrale Ursache für ihr höheres Armutsrisiko. Während in Nordrhein-Westfalen die Armutsrisikoquote von Deutschen bei 11,3 % liegt, sind 29,6 % der Menschen mit Zuwanderungsgeschichte und sogar 40,4 % der Türkinnen und Türken von Armut betroffen. Am geringsten ist die Quote mit 10,0 % bei den Menschen ohne Zuwanderungsgeschichte. Klar ist: Einkommensarmut hat zu oft eine Zuwanderungsgeschichte. Der deutliche Rückgang der Arbeitslosigkeit in Nordrhein-Westfalen in den vergangenen Jahren hat die Voraussetzungen für eine Senkung des Armutsrisikos auch bei zugewanderten Menschen deutlich verbessert.

Dass Menschen mit Zuwanderungsgeschichte nicht nur über weniger Einkommen, sondern auch über weniger Vermögen (Immobilienbesitz, private Versicherungen, Betriebsvermögen etc.) verfügen, zeigen: Grabka, Markus M./Frick, Joachim R.: Vermögen in Deutschland ungleicher verteilt als Einkommen, in: DIW-Wochenbericht, Nr. 45, 2007.

Vgl. Stauder, Johannes; Hüning, Wolfgang: Die Messung von Äquivalenzeinkommen und Armutsquoten auf der Basis des Mikrozensus. In: Statistische Analysen und Studien NRW, Band 13.

Düsseldorf, 2004, S. 9-31.

Vgl. Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW: Sozialbericht NRW 2007. Armuts und Reichtumsbericht, Düsseldorf, 2007.

6. Menschen mit Zuwanderungsgeschichte: Bildung und Qualifikation von entscheidender Bedeutung Bildung ist der Schlüssel zur Integration. Das deutsche Bildungssystem hat hier einen großen Nachholbedarf.

Chancen und Risiken auf dem Arbeitsmarkt werden maßgeblich von der individuellen Qualifikation bestimmt. In einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit heißt es dazu: "Je niedriger die formale Qualifikation desto schlechter die Position auf dem Arbeitsmarkt. Diese alte Faustregel gilt nach wie vor in West- wie in Ostdeutschland, für Frauen wie für Männer. Bereits seit Jahrzehnten tragen Geringqualifizierte das mit Abstand höchste Risiko, arbeitslos zu werden, Akademiker hingegen das niedrigste."

Laut Studie liegt die Arbeitslosenquote der Geringqualifizierten mit 26 % fast dreimal so hoch wie bei Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung (9,7%) und über sechsmal höher als bei Akademikern (4,1%). Seit 1975 ist die Arbeitslosenquote von Personen ohne Berufsabschluss von knapp 6 % auf 26 % angestiegen. Die Quote für Personen mit Hochschul- oder Fachhochschulabschluss liegt heute wie 1975 bei rund 3-4 %.

Die Schere ist deutlich auseinander gegangen: Qualifikation zählt heute mehr denn je!

Das geringere Einkommensniveau bei Menschen mit Zuwanderungsgeschichte und ihre schlechtere Positionierung im Arbeitsleben hat sicherlich eine Vielzahl von Ursachen: die entscheidende ist das insgesamt niedrigere Bildungsniveau. Das zeigt die folgende Tabelle sehr deutlich:

Siehe auch die von der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung vorgelegte Studie: Bildung in Deutschland. Ein indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zu Bildung und Migration, Bielefeld 2006, S. 137ff.

Reinberg, Alexander/Hummel, Markus: Vertrauter Befund. Höhere Bildung schützt auch in der Krise vor Arbeitslosigkeit, IAB-Kurzberichte Nr. 9. 13.6.2005.

Reinberg, Alexander/Hummel, Markus 2007: Der Trend bleibt. Geringqualifizierte sind häufiger arbeitslos, in: IAB-Kurzberichte, Nr. 18, 26.9.2007.