Klaus Kaiser CDU bezieht sich auf die Ausführungen von Herrn

Westfalen gegeben habe, und zwar in Kombination des Landesinstituts Soest mit der Fernuni Hagen. Nur über einen solchen Weg sehe sie eine Lösung, dass weitergebildete Lehrkräfte auch als Regellehrkräfte an ihrer Schule arbeiten, aber bei Bedarf die Förderung in einem speziellen Feld übernehmen könnten.

Klaus Kaiser (CDU) bezieht sich auf die Ausführungen von Herrn Denninghaus.

Dieser habe berichtet, dass die Integration ins berufliche Leben in Dänemark durch die zunehmende Inklusion im schulischen Bereich zurückgegangen sei. Er bitte um Informationen, wie es gelingen könne, Menschen mit Handikaps ins Berufsleben zu integrieren, insbesondere dann, wenn sie sehbehindert seien. Alle in diesem Ausschuss hätten wohl ein Interesse daran, möglichst viele Menschen mit Handikaps ins normale Berufsleben zu integrieren.

Je mehr man dem Inklusionsgedanken in den allgemeinen Schulen nähertrete, umso wichtiger erschienen Fortbildung und vielleicht auch Zusatzqualifikationen. Bei der gegebenen Ausstattung des Lehrermarktes mit Sonder- oder Förderpädagogen werde es nicht ohne zusätzliche Qualifizierungsmaßnahmen gehen. Auch dazu bitte er um Ratschläge, wie das erfolgreich gestaltet werden könne und auf welche Stolperfallen es zu achten gelte.

Renate Hendricks (SPD) betont, für die Ausschussmitglieder sei es wichtig, mit Fachleuten über dieses Thema zu diskutieren, weil man auf dem Weg der Inklusion natürlich nicht wisse, was einem alles noch begegne.

Die Landesarbeitsgemeinschaft habe sich sehr deutlich dafür ausgesprochen, die Diagnose müsse früher als heute einsetzen. Sie interessiere, wann aus Sicht der Vertreter der Landesarbeitsgemeinschaft der richtige Zeitpunkt sei, um früherkennend mit den richtigen Therapien einsetzen zu können. Heute wisse man, dass es besser sei, früh mit den Maßnahmen zu beginnen und auf diese Weise auch Präventivmaßnahmen auf den Weg zu bringen als hinterher reparieren zu müssen.

Außerdem heiße es in der Stellungnahme, dass die Fachleute für die Umsetzung der Inklusion so lange im System bleiben sollten, bis qualitativ hochwertige bisherige Standards auch in dem anderen System festgestellt seien. Es handele sich um einen Transformationsprozess. Wenn Inklusion auf den Weg gebracht werde, heiße das, dass die Transformation stattfinde. Es erscheine aus ihrer Sicht nicht möglich, Doppelstrukturen ewig lange aufrechtzuerhalten, weil dafür die Fachleute nicht zur Verfügung stünden. Sie bitte zu beschreiben, wie sich die Vertreter der Landesarbeitsgemeinschaft einen solchen Transformationsprozess vorstellten.

Außerdem interessierten sie die Übergänge ins Berufsleben. Allerdings müsse man sich auch einmal anschauen ­ das treffe jetzt nicht unbedingt auf Behinderte mit einer Sehbehinderung zu ­, wie hoch die Quote derer sei, die tatsächlich einen Schulabschluss machten und die hinterher ins Berufsleben eintreten würden. Sie bitte um eine Einschätzung, wie hoch im jetzigen System die Erfolgsquote für einen positiven Übergang ins Berufsleben bei den Absolventen der Förderschulen sei und was zu einer Verbesserung verändert werden müsste. Außerdem wüsste sie gern, was die auch mit der Problematik der Inklusion konfrontierten Berufskollegs verändern müssten, um den Inklusionsanforderungen entsprechen zu können.

Die Landesarbeitsgemeinschaft fordere sozusagen einen Staatsvertrag, in dem die Standards bundesweit geregelt werden sollten. Sie wüsste gern, aufgrund welcher Erfahrungshintergründe welche Forderungen für einen Staatsvertrag formuliert würden. Die Frage laute, ob über einen Staatsvertrag die Qualitätsstandards so festgeschrieben werden könnten, dass diese verbindlich für Nordrhein-Westfalen auf die jeweilige Situation in diesem Bundesland zutreffend sein würden.

Inklusion umfasse aus ihrer Sicht nicht nur Menschen mit Behinderung, sondern vielmehr sei man gehalten, insgesamt die Gesellschaft in eine inklusive Gesellschaft umzuwandeln. Das bedeute, den Blick stärker auf jeden einzelnen bezüglich seiner Individualität richten zu müssen. Das heiße, dass man für alle Kinder, also auch für die Kinder mit Migrationshintergrund oder für die, die einem „sozialen Päckchen" in die Schule kämen, die besten Voraussetzungen schaffen müsse.

Frau Gillmann habe auf Grenzen in der Inklusion hingewiesen. Sie bitte, diese aufzuzeigen, und zwar auch aus fachlicher Sicht, weil sie wissen wolle, inwieweit man über die Frage der individuellen Förderung tatsächlich Grenzen beseitigen könnte.

Bärbel Beuermann (LINKE) verweist auf ihre Ausbildung und ihren beruflichen Werdegang und führt an, sie beobachte den gesamten Vorgang von zwei Seiten, einmal von der Seite der betroffenen Kollegen und dann von der Seite der Politik, wobei sie natürlich die Eltern und Kinder nicht vergesse.

Zu den Grenzen der Inklusion wolle sie wissen, wie im Inklusionsprozess die Aufgabe der Landschaftsverbände gesehen werde, ob und wie diese eingebunden werden könnten. Gerade die Landschaftsverbände seien im Bereich der KB- und GBFörderung sehr gut mit additiven Fördermöglichkeiten ausgestattet.

Bei den GB-Schulen gebe es die Werkstufen für die älteren Schülerinnen und Schüler, die auf den Beruf vorbereiteten. Daran schließe sich oft die Werkstatt für Behinderte an. Sie bitte darzulegen, inwieweit diese erhalten bleiben könnten oder ob diese Einrichtungen, wenn in Nordrhein-Westfalen eine tatsächliche Inklusion gewollt werde, nicht überflüssig würden.

Erwin Denninghaus (VBS Bund) antwortet, in Dänemark könne an einigen Punkten gut umrissen werden, was man dort verkehrt gemacht habe. Zum Beispiel seien dort die Ressourcen komplett dezentralisiert worden mit der Folge, dass ein Schulleiter im Einzelfall darüber entscheiden müsse, ob seine Schule ein neues Dach bekomme oder ob er seine Lehrerinnen und Lehrer auf eine Fortbildung schicke, um sich sonderpädagogisches Know-how anzueignen. Das habe nicht gut funktioniert. Sollten Kinder wirklich inklusiv und nicht zulasten der Schulen vor Ort unterrichtet werden, erfordere es einer zentralen Ressourcenverwaltung, auf die die Schulen im Einzelfall zurückgreifen könnten.

Inklusion sei nicht nur gemeinsamer Unterricht. Bei den blinden und sehbehinderten Kindern habe man festgestellt, dass sie über extrem viel weniger soziale Kontakte zu ihren Klassenkameraden verfügten als die nicht behinderten Klassenkameraden untereinander. Inklusive Schule müsse, wenn sich behinderte Kinder normal entwickeln können sollten, dafür Sorgen tragen, dass der soziale Kontext passe. Es müsse etwa sichergestellt werden, dass behinderte Kinder in der Pause mitspielen könnten, dass sie auf dem Schulweg nicht gemobbt würden. Die nicht behinderten Kinder müssten ihre Rolle im Zusammenleben finden und nicht in der Abgrenzung.

Weiter sei festgestellt worden, dass die blinden und sehbehinderten Kinder in Dänemark im Laufe der Jahre immer schlechtere Schulabschlüsse erzielt hätten. Der Anteil derjenigen, die letztlich qualifizierte Abschlüsse erreicht hätten und eine qualifizierte Berufsausbildung hätten absolvieren können, sei immer weiter zurückgegangen. Dabei habe es sich um normal begabte blinde und sehbehinderte Kinder und nicht mehrfach behinderte Kinder gehandelt.

Bei einer Umsetzung des Inklusionsprozesses müsse unbedingt darauf geachtet werden ­ deshalb werde die Begleitforschung gefordert ­, dass die behinderten Kinder, die allgemeine Schulen besuchten, tatsächlich die Förderung bekämen, um im Durchschnitt die gleichen Leistungen erbringen zu können wie die nicht behinderten Kinder. Das stelle ein ganz wichtiges Kriterium für die Qualität des Prozesses dar.

Theo Schaus (dgs-Rheinland) hebt hervor, beim besten Willen für Inklusion gebe es das Dilemma der Wohnortnähe und das der Fachlichkeit. Die Standards müssten nicht geändert werden, sondern es gelte, bewährte Standards zu übernehmen und in dieses neue System zu integrieren, was nicht einfach erscheine.

Zur Fachlichkeit: Auf der Homepage des Ministeriums werde quasi vom Studium und von der Ausbildung mancher Fachrichtungen abgeraten. Noch vor zwei Wochen habe unter „Chancen des Lehrerberufes" gestanden, dass die Chancen in den Förderschwerpunkten Sprache und körperliche und motorische Entwicklung geringer seien.

Selbst eine Dezernentin der Bezirksregierung habe ihm bestätigt, dass die ausgeschriebenen Stellen nicht alle hätten besetzt werden können. Entsprechendes höre er auch aus den Schulen. An der Universität zu Köln sei eine Professorin jetzt emeritiert worden, sodass diese Universität nur noch über einen Lehrstuhlinhaber verfüge.

Zu seiner Zeit habe es in Studienseminaren in Duisburg und Düsseldorf in dem Fachrichtungsseminar Sprache 10 bis 15 Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter gegeben. Heute seien dort ein oder zwei Personen oder es gebe gar keine mehr. In diesem Bereich müsse etwas unternommen und investiert werden, sonst sei Fachlichkeit nicht gewährleistet.

Preuss-Lausitz und Klemm schlügen die Zusammenlegung der Fachrichtungen LES zu einer Fachrichtung vor. Natürlich sprächen Grundannahmen und Grundvoraussetzungen dafür. Wenn allerdings jemand, der „nur" die Fachrichtung Lernen studiert habe, gleichzeitig sprachbehinderte Kinder in der Inklusion fördern solle und dieser Lehrer sich allein in dieser Gruppe befinde, erscheine die Fachlichkeit nicht gewährleistet.