Die Anzahl der Lehrer die das nutzten sei leider verschwindend gering weil das im System nicht wertgeschätzt werde

Außerdem erscheine es erforderlich, wie bei den Sprachtherapeuten schon lange Standard, Fortbildung verbindlich zu machen. Es könne nicht verstanden werden, warum nicht Lehrer dazu angehalten würden, sich lebenslang in ihrem Berufsfeld fortzubilden. Der dgs-Rheinland biete 30 Fortbildungsveranstaltungen im Jahr an.

Die Anzahl der Lehrer, die das nutzten, sei leider verschwindend gering, weil das im System nicht wertgeschätzt werde. Es müsse insoweit auch etwas Druck auf die Lehrer ausgeübt werden, damit sie sich fortbildeten.

Für sie sei im Alltag die Zusammenarbeit der Sonderpädagogen ganz wichtig, die zu einer hohen Fachlichkeit in einer inklusiven Schule führen könne. Ihre Schreckensvorstellung wäre, dass sie als Sonderpädagogin ganz allein an einer Grundschule tätig sei und alles abdecken müsse. Sie brauche für ihre Fachlichkeit Kollegen, mit denen sie sich beraten und austauschen könne. Deswegen gehe für sie im Moment der Schritt an Schwerpunktschulen nicht vorbei, ansonsten dürften Sonderpädagogen einzeln an Schulen arbeiten. Das trage nicht dazu bei, dass die sich supervidierten, kollegiale Fallberatungen durchführten und sich gegenseitig im System stärkten.

Die Beratung zwischen Sonderpädagogen und Regelpädagogen müsse viel deutlicher geregelt werden. Es müsse dafür Raum und Zeit geben. Im Moment geschehe das alles zwischen Tür und Angel, und es beruhe immer auf dem persönlichen Engagement, ob Regelpädagoge und Sonderpädagoge zusammenarbeiteten. Diese Zusammenarbeit sei nicht institutionalisiert. Es müsse dafür gesorgt werden, dass im Berufsprofil solche Zeiten verankert würden.

Zurückkommen wolle sie noch auf den für die Landesarbeitsgemeinschaft unglaublich wichtigen Punkt der frühen Förderung. Gerade bei den sprachbehinderten Kindern hapere es daran noch ganz enorm. Die Kinder, die an die Förderschule Sprache gelangten, hätten fast alle schon vorschulisch eine Sprachtherapie erhalten. Die Sonderpädagogen hätten aber keinerlei Möglichkeiten, auf den Elementarbereich zuzugreifen. Das werde den Sonderpädagogen verboten. Es gehe darum, einen besseren Übergang zu schaffen. Damit sei man sofort bei Delfin 4. Sie verstehe nicht, warum Sprachheilpädagogen in diesen Prozess nicht aufgenommen worden seien. In diesem Land gebe es zwar extra für Sprachdiagnostik ausgebildete Lehrer, aber man überlasse diese Aufgabe dann Grundschulpädagoginnen, die damit vielfach völlig überfordert seien. Dieser Übergang vom Elementarbereich in den Primarbereich bilde bei den sprachbehinderten Kindern den wesentlichen Knackpunkt. Im Moment habe man eine Eingangsklasse für diese Kinder. Das heiße, man habe für diese Kinder fünf Jahre Grundschule. Sie würde immer dafür kämpfen, dass diesen Kindern dieses zusätzliche Jahr erhalten bleibe, das diese für den Erwerb der Schriftsprache und um Lesen und Schreiben zu lernen bräuchten. An ihrer Schule habe man nach einem Jahr Eingangsklasse fast ein Viertel der Kinder wieder „zurückgeschult" und ganz normal ohne jeglichen Förderbedarf in die erste Klasse eingeschult. Wenn man früh ansetze, könne man diese Kinder dann ohne Förderbedarf wieder in das System zurückführen. Oft werde aus dem Blick verloren, dass man mit solchen Kindern so erfolgreich arbeiten könne, dass diese keinen Förderbedarf ­ zumindest in unserem Bereich ­ mehr hätten. Erwin Dennninghaus (VBS Bund) fügt hinzu, es sollte noch ein weiterer Punkt unbedingt beachtet werden. In NRW könne man nicht Förderpädagogik im Zusammenhang mit Sek. II studieren. An den allgemeinen Berufskollegs gebe es also mit Sicherheit keine Kollegen, die in irgendeiner Form förderpädagogisch ausgebildet seien. An den wenigen Förderberufskollegs ­ in Soest Fachrichtung Sehen, in Essen Fachrichtung Hören ­ bedeute es jedes Mal einen Kraftakt für die Kollegen, sich entsprechende Qualifikationen anzueignen. In der Praxis sehe es leider so aus, dass dort einerseits Sonderpädagogen arbeiteten und andererseits Sek.-II-Lehrer, was mitunter gewisse Lagerbildungen zur Folge habe. Es wäre ein großer Fortschritt, würde es ermöglicht, das Studium für Sek. II mit Förderpädagogik kombinieren zu können.

Im Moment herrsche eine große Verunsicherung im Bereich der Schulaufsicht, weil alle wüssten, dass etwas auf sie zukomme, aber keiner wisse genau, was. Augenblicklich werde eine große Heterogenität bei den Aktivitäten beobachtet. Das reiche von, erst einmal weiterzumachen wie bisher und darauf zu warten, was aus Düsseldorf komme, bis hin zu ­ so im Kreis Mettmann ­, überhaupt keine Diagnostik mehr zu machen und erst einmal alle Kinder an einer allgemeinen Schule einzuschulen und abzuwarten, was passiere. Das könne nicht sein. Bevor nicht den allgemeinen Schulen über den Qualitätsrahmen gesagt werde, sie seien dafür zuständig und nur eine gute Schule zu sein, wenn es gelinge, diese Kinder zu fördern, werde das Verfahren den behinderten Kindern nicht gerecht. Am Anfang jeder geordneten Tätigkeit gehöre eine vernünftige Analyse der Situation. Bezogen auf das heutige Thema bedeute das eine sonderpädagogische Diagnostik bei Kindern, bei denen man wisse, dass sie Lernschwierigkeiten hätten, weil sie in irgendeiner Form im Kindergarten aus der Rolle fielen, weil sie nicht dem Stand entsprächen, den man von einem einzuschulenden Kind erwarte.

Susanne Keppner (BDH NRW) äußert zur Parallelstruktur, noch verfüge man über die gut ausgebauten Förderschulen bzw. Förderzentren. In sehr umfangreichem Maße führe man aber auch gemeinsamen Unterricht durch. Sie stimme aber der Aussage von Frau Beer zu, gemeinsamer Unterricht bedeute noch nicht unbedingt Inklusion. Festgestellt habe man, dass es eine deutliche Zunahme im gemeinsamen Unterricht in der inklusiven Beschulung gebe. Immer mehr Kinder wechselten zu allgemeinen Systemen, und zwar sowohl von Schulbeginn an bzw. während der Grundschulzeit oder auch noch später. Das hänge nicht zuletzt damit zusammen, dass die Eltern Wahlfreiheit hätten und sich bei den Schülern die gemachten guten Erfahrungen herumsprächen und sie es deshalb für sich selber ausprobierten wollten. Diese erfreuliche Entwicklung unterstütze man. Auf der anderen Seite werde aber auch festgestellt, dass es im Rahmen von Inklusion immer wieder Schüler gebe, die in den allgemeinen Schulen aus unterschiedlichen Gründen überhaupt nicht zurechtkämen.

Das könne mit den individuellen Behinderungen oder mit sozialen Gründen zusammenhängen. Nach einem Schulwechsel von der allgemeinen Schule in eine Förderschule stelle man häufig fest, dass sich diese Kinder und Jugendlichen wieder schnell fingen und auch leistungsmäßig erholten.

In Aachen befinde man sich mit der Schule noch in einem Pilotversuch zur Entwicklung von Kompetenzzentren. Dort stelle sich die Frage, wohin der Zug fahre, ob man tatsächlich zunehmend die Stammschule auflösen solle oder müsse man sich darauf einstellen, dass man ein Förderzentrum für die Schülerschaft habe, in dem auf deren Bedürfnisse gezielt eingegangen werden könne. Außerdem müsse gefragt werden, ob die Art der sonderpädagogischen Förderung nicht flexibel zu handhaben sei, also Förderbedarf nicht mehr wie bisher festzuschreiben, sondern erst einmal zu sehen, was die Schüler schafften, ob sie in einer allgemeinen Schule hinreichend gefördert werden könnten und sich dort wohlfühlten oder ob man vielleicht ein Stützsystem an den Förderzentren aufbauen müsse, um die Schüler bei bestimmten Schwierigkeiten dort zumindest für gewisse Zeiträume zu stabilisieren. Auch das wäre eine Form der Flexibilisierung sowohl von Unterricht an Förderorten, aber auch von Stunden, die entsprechend entweder in der Stammschule oder auch im gemeinsamen Unterricht eingesetzt werden könnten.

Was also die Frage nach den Parallelstrukturen und nach einer Parallelbeschulung angehe, so meine sie zusammen mit vielen Fachkollegen, gebraucht würden wohl beide Systeme, um flexibel und bedarfsgerecht reagieren zu können.

Vorsitzender Wolfgang Große Brömer dankt im Namen des Ausschusses für die Einladung zum gleich stattfindenden Get-Together und für die gelieferten Informationen. Dieses Gespräch habe einen wesentlichen Einstieg in die anstehende wohl noch viel gründlichere Diskussion gebildet.