Vertreter sonderpädagogischer Fachlichkeit zum Wohle von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Behinderungen

Sie verstehen sich als Vertreter sonderpädagogischer Fachlichkeit zum Wohle von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Behinderungen und möchten ihre Erfahrungen und Sachkenntnis aktiv in den Umsetzungsprozess einbringen. Oie LAG will diesen Prozess inhaltlich mitgestalten und dazu beitragen, die hohen Standards. sonderpädagogischer Förderung in allen Schul- und Bildungsformen in NRW zu erhalten und weiterzuentwickeln.

Die gemeinsamen Überlegungen sind in den nachfolgenden Positionen gebündelt:

1. Eine inklusive Schule braucht Standards sonderpädagogischer Förderung.

2. Eine inklusive Schule bedarf einer qualifizierten sonderpädagogischen Diagnostik.

3. Inklusion braucht Professionalität.

4. Eine "gute Schule" kann nur eine Schule sein, die aktiv die Voraussetzungen 1ür Inklusion schafft.

5. Sonderpädagogische Förderung im Elementarbereich bildet die Grundlage für eine erfolgreiche inklusive schulische Bildung.

6. Eine inklusive Schule ist mehr als "Gemeinsamer Unterricht". Deutsche Gesellschaft für Sprachheilpädagogik Westfalen. Sie bezieht sich jedoch überwiegend auf Bildungsstandards, d. h. auf die Festlegung, welche Leistungen und Kompetenzen an bestimmten Übergängen und Abschlüssen der Schulzeit erreicht sein müssen.

Zu den Gelingensbedingungen einer inklusiven Schule gehört jedoch nach Auffassung der LAG darüber hinaus dringend die Vereinbarung von Standards, welche die Prozessqualität des Unterrichts und der sonderpadagogischen Förderung an allen Förderorten beschreiben.

Eine Formulierung von Standards in diesem Sinne müsste für folgende Bereiche ertolgen: Zusammenarbeit in der Schule Aufgaben und Rollenklärung des multiprofessionellen Personals Co-teaching Einrichtu!19 von Fachkonferenzen für sonderpädagogische Förderung Fortbildung Allgemeine und fachdidaktische Standards Klassenführung und Classroom Management Fachwissenschaftliche- Expertise Didaktische Expertise (Erhöhung von offenen Unterrichtsformen, differenziertes Leistungskonzept, Individualisierung und Kompetenzorientierung) Räumliche und sächliche Voraussetzungen Spezifisch sonderpädagogische Standards Diagnostik (auch prozessorientiert) Fachlich adäquate Förderung bezogen auf den Förderschwerpunkt Erslellung von Förderplänen (nach festgelegten Qualitätsmerkmalen) Prävention Beratung Schulleitung und Schulaufsicht kommen bei der Implementierung und Sicherung dieser noch zu konkretisierenden Standards eine Schlüsselfunktlon zu. Die Schulaufsicht für sonderpädagogische Förderung muss hier eine Querschnittaufgabe für alle Schulformen wahrnehmen.

Die Landesarbeitsgemeinschaft Sonderpädagogische Förderung und Inklusion NRW fordert die Landesregierung daher auf, auf der Basis der Richtlinien und Lehrpläne der allgemeinen Schulen Standards sonderpädagogischer Förderung und notwendige Rahmenbedingungen zu schaffen, welche die Grundlagen der Förderung von SChülerinnen und Schülern mit besonderem Förderbedarf in einer inklusiven Schule bilden.

Mit der Leitidee einer inklusiven Schule hat sich international die Idee der Dualen Curricula durchgesetzt, um unabhängig vom Ort der Beschulung die Bedarie an spezifischer Diagnostik und Interventionen zu beschreiben1, Kinder und Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedart benötigen neben dem allgemeinen Curriculum (Regelcurriculum) ein spezifisches Curriculum. In diesem spezifischen Curriculum müssen die Inhalte abgebildet werden, deren Beachtung in Diagnostik, Förderung und Unterrichtung über den Rahmen der allgemeinen pädagogischen Bedarfe hinaus gemäß des vorliegenden Förderschwerpunktes eine eigenständige Qualität und Quantität erwarten lässt,

Da Menschen mit sonderpädagogischem Förderbedarf auf unterschiedliche Barrieren zur Teilhabe an Bildung treffen können, ist ein personenbezogenes Arbeiten mit einem spezifischen Curriculum notwendig.

Voraussetzung für den Einsatz eines spezifischen Curriculums ist die EntwiCklung der allgemeinen Schule hin zur inklusiven Bildung, in der das Lernen tür alle Schülerinnen und Schüler so barrierearm und fachrichtungsspezifisch wie möglich gestaltet wird. Dies bedeutet eine Didaktik der Vielfalt und der Anerkennung von Heterogenität als Chance für die Gestaltung schulischen Lemens.

Für die Umsetzung eines spezifischen Curriculums müssen sowohl unterrichtsimmanente als auch zusätzliche organisatorische Formen in den Schulalltag der Kinder/Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf einfließen. Dabei wird die Umsetzung von Lehrkräften verantwortet, die für den jeweiligen Förderschwerpunkt eine spezifische Lehrbefähigung aufweisen.

Für die Realisierung eines spezifischen Curriculums gelten Zeiträume, in denen ausgewählte Gegenstände schwerpunktmäßig bearbeitet werden bzw. Schnittstellen, zu denen spezifische Kompetenzen angeeignet sein sollten. Die Zeiträume und Schnittstellen orientieren sich an dem individuellen Bedarf des Kindes/Jugendlichen sowie an einer barrierefreien Teilhabe am Regelcurriculum.

In die Prozesse der Erstellung, zeitlichen Strukturierung, Verschriftlichung und Evaluation des spezifischen Curriculums sind die Eltern unter Maßgabe der schulrechtlichen Rahmensetzungen einzubinden.