Förderung behinderter und von Behinderung bedrohter Kinder

Zur Gewährung optimaler Förderung behinderter und von Behinderung bedrohter Kinder ist sowohl eine spezifische sonderpädagogische Diagnostik als auch eine anschließende, auf Diagnostik aufbauende, Beratung und Förderplanung notwendig.

In der Vergangenheit wurde die Diagnostik vorwiegend als Instrument genutzt, sonderpädagogischen Förderbedarf festzustellen, um entsprechende Ressourcen freizusetzen. (Vgl. § 12 AO-SF)

Auch wenn in Zukunft immer mehr SChülerinnen und Schüler in der allgemeinen Schule gefördert werden, darf nicht auf Diagnostik verzichtet werden. Es ist vielmehr wichtiger denn je, Förderbedarfe zu ermitteln um optimale Förderung unabhängig vom Förderort gewährleisten zu können. Die dafür notwendigen Stellenanteile und Mittel gilt es bereit zu stellen.

Die prozessorientierte Diagnostik gibt dabei auch Hinweise auf die Unterrichtsgestaltung sowie zusätzliche notwendige Ressourcen und Rahmenbedingungen. Besonders in der Beratung allgemeiner Systeme sind dies Voraussetzungen für eine gelingende Förderung der entsprechenden Schülergruppe.

Sonderpädagogen und -pädagoginnen müssen daher auch in Zukunft in der ersten und zweiten Phase der Lehrerausbildung grundlegend befähigt werden, eine spezifische, qualifizierte Diagnostik in ihren entsprechenden Förderschwerpunkten erstellen zu können.

Position 3:

Inklusion braucht Professionalität Qualifizierung von Fachpersonal für die Förderung von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf sicherstellen.

Eine behinderungsangemessene, fach- und sachgerechte Förderung ist an allen Förderorten zu gewährleisten. Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf müssen auch in einem zunehmend inklusiven Bildungssystem weiterhin an den allgemeinen Schulen durch qualifizierte Sonderpädagoginnen und pädagogen der jeweiligen Fachrichtungen gefördert werden.

Es ist sicherzustellen, dass eine professionelle Unterstützung auch im Rahmen von Prävention im Vorfeld von sonderpädagogischem Förderbedarf fachrichtungsspezifisch gewährleistet ist.

Die LAG Sonderpädagogische Förderung und Inklusion NRW siehl einen erhöhlen Bedarl an Sonderpädagoginnen und -pädagogen. Es ist dringend erforderlich, die Kapaziläten der Ausbildungsstätten zu erhöhen. Sicherstellung der Qualifizierung durch einen Staatsvertrag

Die sonderpadagogischen Fachverbände bieten zahlreiche Fort~ und Weiterbildungsmöglichkeiten zur fachlichen Qualifikation von Sonderpädagoginnen und -pädagogen an. Alle diese Aktivitäten können jedoch nicht die universitäre Aus und Weiterbildung ersetzen.

Ein länderübergreifender Staatsvertrag muss die universitären Standorte durch feste Planungsvorgaben sichern und stärken. Es liegt im Interesse aUer Länder, dass einzelne Länder in spezifischen Fachrichtungen über ihre eigenen Bedarfe hinaus ausbilden. Damit einhergehend muss die gegenseitige uneingeschränkte Anerkennung der Abschlüsse gewährleistet sein.

Weiterhin sollte dieser Staatsvertrag die Einrichtung von Aufbaustudiengängen in allen Fachrichtungen regeln. Die Landesregierung sollte in den Zielvereinbarungsgesprächen mit den Hochschulen darauf hinwirken, dass die Zugangsbeschränkungen (z. B. durch hohen Numerus clausus) für das Studium der Sonderpädagogik dem tatsächlichen Bedarl angepasst werden.

Fachrichtungskombinationen müssen erweitert werden

In Nordrhein-Westfalen kann Sonderpädagogik nur mit der Pflichtfachrichtung Förderschwerpunkt Lernen studiert werden. Diese Festlegung verhindert Kombinationen von sonderpädagogischen Fachrichtungen, die besonders für schwerstbehinderte Schülerinnen und Schüler erforderlich sind. So haben Z. B. ca, zwei Drittel aller blinden und sehbehinderten Schülerinnen und Schüler zusätzliche Förderbedarfe, wie Geistige Entwicklung und/oder Körperliche und motorische Entwicklung, was jedoch nicht als Fachrichlungskombination in Nordrhein-Westfalen studiert werden kann.

Zur Sicherstellung einer behinderungsangemessenen Förderung müssen an den Universitäten mehr Kombinationen von sonderpädagogischen Fachrichlungen zugelassen werden, um genügend qualifizierte Lehrerinnen und Lehrer für die große Anzahl schwerstbehinderter Schülerinrien und Schüler ausbilden zu können.

Blinden und Sehbohindertenpädagogik im Lehram~ kann in Deutschland an vier Stando.1en sludiert werden.

Vernetzung von Sonderpädagoginnen und -pädagogen sicherstellen

In einem zunehmend inklusiven Bildungssystem besteht, insbesondere bei quantitativ kleineren Fachrichtungen (z.B. Sehen, Hören und Kommunikation), die Gefahr der Vereinzelung der Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen an allgemeinen Schulen, wodurch eine fachliche Weiterentwicklung erheblich erschwert wird.

Die Vernetzung von Sonderpädagoginnen und -pädagogen ist unter dem Gesichtspunkt der Aufrechterhaltung und Weiterentwicklung qualitativer Standards erforderlich. Es muss daher gewährleistet werden, dass ein regelmäßiger und verpflichtender fachlicher Austausch von Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen fachrichtungsbezogen stattfindet.

Position 4:

Eine Bute Schule kann nur eine Schule sein, die aktiv die Voraussetzungen tür Inklusion schafft

Die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen an Bildung wird von Sonderpädagoginnen und -pädagogen und innerhalb der Fachverbände intensiv diskutiert. Eine erfolgreiche Umsetzung von Artikel 24 der Behindertenrechtskonvention erfordert eine Weiterentwicklung des Selbstverständnisses der allgemeinen Schule. An sie richtet sich die Forderung, Teilhabe von Schülerinnen und Schülern mit Behinderungen zu ermöglichen. Hierfür müssen ausreichende, fachliche Unterstützung und adäquate Ressourcen bereit gestellt werden.

Die Qualitätsrahmen der 16 Bundesländer und des Bundes für die externe Schulevalualion/Schulinspeklion weisen bis heute keine konkreten Indikatoren auf, deren Erfüllung auf das Gelingen einer erfolgreichen Beschulung von Schülerinnen und Schülern mit Behinderungen venweisen würde (vgl. Degenhardt, S. 65).

Die Landesarbeitsgemeinschaft Sonderpadagogische Förderung und Inklusion NRW fordert die Landesregierung daher auf, den Qualitätsrahmen für das Land NRW sowie die Qualitätsanalyse (QA) im Sinne des Artikel 24 der UN-Behindertenrechts konvention weiler zu entwickeln. Nur über eine präzi$e Beschreibung der Kriterien und Anforderungen können Kollegien in Schulen, Schulverwaltungen und Schulträger Entwicklungsprozesse initiieren und durchlaufen, deren Ziel die Teilhabe möglichst vieler Kinder mit Behinderungen an Bildung und Erziehung an allgemeinen Schulen ist.