Sonderpädagogische Förderung im Elementarbereich

Auf einer fachlich differenzierten Förderdiagnostik beruhend, ist die Frühförderung der nächste wesentliche Schritt, um die Grundlagen für eine erfolgreiche inklusive Beschulung zu schaffen. Frühförderung wirkt präventiv, indem sie vor der Einschu lung alle Möglichkeiten einer optimalen fachspezifischen Förderung sicherstellt. Auf diese Weise wird eine umfassende, interdisziplinäre und fachspezifische Förderung erreicht, die unter Beteiligung aller am Entwicklungsprozess des Kindes beteiligten Personen der Entstehung einer lang anhaltenden Behinderung von vornherein begegnel.

AuS den genannten Gründen halten es die Fachverbände für unabdingbar, dass die Frühförderung von Kindern mit Sinnesbehinderung auch weiterhin originäres Aufga bengebiet der Sonderpädagogik bleibt. Wir fordern daher den Erhalt einer fachlich spezifischen Frühförderung nach den gegebenen gesetzlichen Voraussetzungen unter Bereitstellung der notwendigen personellen, sächlichen und finanziellen Ressourcen.

Im Gegensatz zur schulrechtlich verankerten Frühförderung bei hör- und sehgeschädigten Kindern wurde dem Förderschwerpunkt Sprache in NRW bislang weder die Verantwortung für Diagnostik noch für Beratung, Sprachförderung oder Sprachthera pie im Elementarbereich übertragen. Dabei ist bei SprachfeststeHungsverfahren (z.B. Delfin 4) die Mitwirkung von Lehrkräften mit dem Förderschwerpunkt Sprache sinn voll. Das Kinderbildungsgesetz (KiBiz) regelt zwar, dass "die besonderen Bedürfnisse von Kindern mit Behinderungen und von Kindern, die von einer Behinderung bedroht sind", bei der pädagogischen Arbeit zu berücksichtigen sind.

In § 14 wird aber lediglich die Zusammenarbeit zwischen Kindertageseinrichtungen und der Grundschule angesprochen.

Die Fachverbände fordern, dass hinsichtlich frühzeitiger sprachlicher Förderung - wie in anderen Bundesländern (SH, BE, BW, RP) - auch in NRW eine enge Vernetzung zwischen dem Elementarbereich und dem Primarbereich erfolgt. Es solUe ein System der vorschulischen Sprachdiagnostik, Beratung, Sprachförderung sowie pädagogi scher Sprachtherapie geschaffen werden, das beide Bereiche institutionell vernetzt.

Der Kooperationsvertrag des Schulministeriums und des Ministeriums für Familie, Kinder und Jugend vom 11. November 2010, der als Themenfeld für die Zusammen arbeit bezüglich der Altersgruppe 0 bis 10 "Evaluation, Weiterentwicklung und Erpro bung von Konzepten zur durchgängigen Sprachbildung im Hinblick auf Sprachslandsfeststellung, Diagnostik und Sprachförderung" benennt, bietet dafür eine gute Vorausselzung.

Eine inklusive Schule ist mehr als "Gemeinsamer Unterricht Oie BRK hat zur Zielsetzung, behinderten Menschen die gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen und Chancengleichheit zu eröffnen. Damit wird der individuelle Bildungsbedart in den Mittelpunkt schulischer Bildung gestellt.

In der Schule bedeutellnklusion nicht nur gemeinsames schulisches Lernen, sondern auch soziale Teilhabe. Der behinderte oder von Behinderung bedrohte junge Mensch braucht für eine gesunde psychische Entwicklung und Persönlichkeitsentfaltung Unterstützung bei der sozialen Teilhabe in der Klassen und Schulgemeinschaft. Weiterhin benötigt er den zeitweisen Austausch gemeinsamer Erfahrungen in der npeer-group" von Kindern und Jugendlichen mit vergleichbaren Behinderungen. Oie LAG sieht hierin eine pädagogische Notwendigkeit in einem inklusiven Schulsystem, die über den Unterricht hinausgeht.

Oie LAG schlägt vor, auf dem Weg zu einer für alle Beteiligten zufriedenstelIenden Inklusion zunächst Schwerpunktschulen für einzelne Förderschwerpunkte einzurichten, die das Prinzip der Wohnortnähe berücksichtigen.

Bei der Entwicklung inklusiver Schulstrukturen muss erprobt werden, wie und unter welchen Rahmenbedingungen bisherige Standards fachspezifischer sonderpädagogischer Förderung im allgemeinen Schulwesen realisiert werden können. Die LAG fordert dazu eine wissenschaftliche Begleitung, die einen evidenzbasierten Vergleich der Wirksamkeit sonderpädagogischer Maßnahmen an den verschiedenen Förderorten vornimmt.

Auf dem Weg zur Inklusion muss.im Rahmen eines sorgfältigen Übergangs Managements sichergestellt werden, dass existierende Angebote zumindest solange bestehen bleiben, bis es gelungen ist, qualitativ hochwertige und bisherigen Standards7 entsprechende inklusive Strukturen an den allgemeinen Schulen zu etablieren. Dies schließt ein, dass vorübergehend eine Doppelstruktur ermöglicht wird und Fahrt- bzw. Internatskosten weiterhin übernommen werden.