Berufsbildungsgesetz

Landtag Nordrhein-Westfalen - 22 - APr 15/53

Ausschuss für Schule und Weiterbildung (5.) 03.11.

Ausschuss für Kommunalpolitik (5.) kle und den Lehrern in der Einzelschule relevant und nicht das, was möglicherweise Dritte daraus lesen können.

Zur Zusammensetzung der Schulkonferenz: Aus Sicht der Schulleitungsvereinigung der Gesamtschulen sind die Schulkonferenzen die Parlamente der Schulen. Genauso wie in diesem Hause hier geht man davon aus, dass dann, wenn man Demokratie betreibt, auch in einem solchen Gremium Laien die Entscheidungskompetenz in Fragen haben, für die sie nicht Fachleute sind. Ich halte es für kein Problem, dass darin Leute sitzen, die nicht vorher lange fachliche oder pädagogische Studien gemacht haben. Sie haben ein Anliegen, und dieses Anliegen wird verhandelt. Die Drittelparität ist insbesondere für die Schulen der Sekundarstufen I und II, für die wir als Gesamtschulen sprechen, ein sehr interessantes Instrument, weil damit nicht von vornherein Mehrheiten in Fragen festgelegt sind, sondern die Entscheidungen tatsächlich auch argumentativ begründet und miteinander besprochen werden müssen und es unter Umständen auch zu Kompromissen kommt.

Gerne würde ich noch einen Nebensatz zu dem sagen, was Frau Rössler angesprochen hat, nämlich zu der Frage, ob die Schulkonferenzen in einer solchen Zusammensetzung eine kluge Entscheidung darüber treffen können, wie die Schulleitung im Besetzungsfall neu zu regeln ist. Ich glaube aber, dass das im Zusammenhang mit der Diskussion, die wir heute führen, weniger relevant ist.

In der Summe heißt das: Wir finden den Gesetzentwurf Drucksache 15/24 gut und wünschen ihm eine Mehrheit. ­ Danke schön.

Benedikt Haumer (LandesschülerInnenvertretung Nordrhein-Westfalen): Sehr geehrte Mitmenschen! Ich möchte jetzt auf drei Punkte eingehen, nämlich Kopfnoten, Mitbestimmung und Schulgutachten. Zuerst will ich mich allerdings dafür bedanken, dass mal wieder Schüler hierhin eingeladen wurden, um stellvertretend für alle Schülerinnen und Schüler NRWs direkt an einer Anhörung teilzunehmen.

Zu den Kopfnoten: Auf Fehlverhalten wird nicht direkt eingegangen, wenn Ziffernnoten vergeben werden. Die Schüler wissen am Ende des Schuljahrs gar nicht, warum sie für irgendetwas eine schlechte Kopfnote bekommen haben, sei es im Arbeitsoder im Sozialverhalten, weil nach einem Schuljahr nicht mehr klar ist, worum es eigentlich ging. Ein direktes Ansprechen löst Probleme. Ziffernnoten sorgen nur dafür, dass Unverständnis und Leistungsverweigerung geschürt werden und Unzufriedenheit und Schulfrust verursacht werden. Schülerinnen und Schüler werden zu Schleimern. Man kann es wirklich beobachten, wenn man in Schule kommt. Ich lade Sie alle einmal herzlich dazu ein. Das außerunterrichtliche Verhalten spielt nämlich überhaupt keine Rolle mehr. Es spielt nur noch eine Rolle, was im Unterricht passiert. Alles darüber hinaus ist absolut egal. Das kann nicht richtig sein. Abschließend möchte ich zu den Kopfnoten noch Folgendes sagen ­ neben unserer Stellungnahme, dass soziales Verhalten nicht durch Noten erzwungen werden kann ­: Das ist überhaupt die falsche Richtung. Es führt auch nicht dazu, dass Menschen sozialer werden oder besser arbeiten.

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Ausschuss für Schule und Weiterbildung (5.) 03.11.

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Zur Mitbestimmung: Zusätzlich zu unserer Stellungnahme möchte ich darauf hinweisen, dass wir generell das Problem feststellen, dass Klassensprecher nicht richtig gewählt werden. Für viele Lehrerinnen und Lehrer ist das ein kleiner Akt, der am Anfang stattfindet. Es ist eine Beliebtheitsmessung für die Klasse. Allerdings fängt schon an dieser Stelle die Mitbestimmung nicht richtig an.

Darüber hinaus ist es schade, dass Schülerinnen und Schüler in Fachkonferenzen nicht entsprechend wahrgenommen werden, da sie kein Stimmrecht haben und ihre Meinung ständig übergangen wird. Das kann nicht richtig sein. Es ist auch wichtig, dass Schüler gehört werden. Wenn Schüler dadurch, dass sie keine Stimme in der Schulkonferenz haben, das Gefühl bekommen, dass es absolut unwichtig ist, was sie sagen, ist es für sie auch irrelevant, was sie in der Schule machen, da sie den Eindruck haben, dass sie für die Gestaltung der Schule in dem Bereich dessen, was die Schulkonferenz beschließen kann, ohnehin unwichtig sind.

Zu den Gutachten: Die Gesetzesänderung geht in die richtige Richtung. Allerdings fordern wir als LandesschülerInnenvertretung ein gänzlich anderes Schulsystem, als es überhaupt besprochen wird, abseits von Gesamtschulen oder dem gegliederten Schulsystem, in dem dann auch Schulgutachten absolut nutzlos werden. ­ Danke.

Sabine Mayer (Landesvereinigung der Unternehmensverbände Nordrhein Westfalen e. V./Die Industrie- und Handelskammern in Nordrhein-Westfalen): Sehr geehrter Herr Vorsitzender! Meine Damen und Herren! Als Vertreter der Wirtschaft wollen wir uns auf einen Punkt konzentrieren, nämlich die Bewertung des Arbeits- und Sozialverhaltens.

Dazu möchte ich einen Klassiker der Wirtschaft zitieren. Was erwartet die Wirtschaft von den Schulabgängern? Das sind drei Dinge: fachliche Kompetenz, soziale Kompetenz und persönliche Kompetenz. Es geht also um eine ganzheitliche Betrachtung desjenigen, der in die Berufsausbildung eintritt. Es ist Allgemeingut, dass Lernbereitschaft, Zuverlässigkeit und Teamfähigkeit für Betriebe und Unternehmen wichtig sind, da nur diese Kompetenzen es möglich machen, junge Menschen in Ausbildung und Betrieb zu integrieren.

Ich möchte diesen Klassiker abwandeln. Was erwartet die Wirtschaft von der Schule? Ausbildungsbetriebe haben nach dem § 14 des Berufsbildungsgesetzes neben ihrem Ausbildungsauftrag einen ganz klaren Erziehungsauftrag. Da die Schnittstelle zwischen Schule und Beruf sehr wichtig ist, erwarten wir von der Schule, dass sie nicht nur den Bildungs-, sondern auch den Erziehungsauftrag wahrnimmt. Dazu gehört aus unserer Sicht die Bewertung und Dokumentation von Kompetenzen bei jungen Menschen, die die Schule verlassen. Weil in den Betrieben zunehmend eine sogenannte Feedback-Kultur Eingang hält, erwarten wir, dass das auch in der Schule weiterhin passiert, dass nämlich Rückmeldungen auf das Verhalten junger Menschen stattfinden, und zwar rechtzeitig und regelmäßig, aber natürlich besonders in den Abgangsklassen genau an der schwierigen Schnittstelle oder umkämpften Schnittstelle zwischen Schule und Betrieb. Vorhin wurde in dieser Anhörung kurz darauf hingewiesen, welchen Aufwand das auf Schulseite erfordert. Auf der anderen Seite Landtag Nordrhein-Westfalen - 24 - APr 15/53

Ausschuss für Schule und Weiterbildung (5.) 03.11.

Ausschuss für Kommunalpolitik (5.) kle darf ich darauf aufmerksam machen, dass auch Betriebe in dem Augenblick der Einstellung einen nicht unerheblichen Aufwand betreiben. Insoweit herrscht dort meines Erachtens nachgerade eine Pattsituation.

Für die Wirtschaft möchte ich abschließend wie folgt plädieren: Wir brauchen ein Instrument der Bewertung und Dokumentation von Arbeits- und Sozialverhalten ­ vor allem in den Abgangsklassen, im Übergang von der Schule in den Beruf.

Andreas Oehme (Westdeutscher Handwerkskammertag): Sehr geehrter Herr Vorsitzender! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich darf vorab noch einmal dafür danken, dass die Wirtschaft hier auch gehört wird. Sie ist ja nachträglich eingeladen worden, und zwar wegen des einen Themas, das Frau Mayer gerade schon aufgegriffen hat. Im Übrigen konnten Sie unserer gemeinsamen Stellungnahme entnehmen, dass sich daran auch der Verband Freier Berufe im Lande Nordrhein Westfalen e. V. beteiligt hat, der nicht eingeladen wurde.

Zum Thema „Arbeits- und Sozialverhalten" haben wir uns schon vor der Einführung geäußert, und zwar wie folgt: Noten sind sicherlich ein guter Weg; wünschenswert sind aber auch Erläuterungen dazu, damit das Ganze auch für diejenigen verständlich ist, die sich die Zeugnisse anschauen, wenn es um den Übergang in das Arbeitsleben und damit natürlich auch in die Ausbildung geht. ­ Wir wissen alle, dass das Ganze am Anfang ein bisschen problematisch war. Aufseiten der Wirtschaft wurde auch häufig die Frage diskutiert, warum es hier eine andere Notenskala als die übliche Notenskala gibt. Ich weiß nicht, ob wir das hier vertiefen müssen. Ungewöhnlich fanden unsere Betriebe, ob Klein- oder Großbetriebe, das aber schon.

Ich würde gerne einen Aspekt hervorheben, der bisher in der Diskussion gar nicht genannt wurde, und den Blick auf die Schülerinnen und Schüler richten, nämlich auf die Situation, in der sie stecken, wenn sie solche Noten bekommen. Im Übrigen gefällt uns der Begriff „Kopfnoten" überhaupt nicht. Mit „Kopfnoten" hat das nämlich nichts zu tun. Wir sind längst in der Zeit der Kompetenzorientierung angekommen, und hier geht es um klare Dinge, die einfach beurteilt werden. Den Blick auf die Schülerinnen und Schüler möchte ich insofern richten, als dass wir wissen, dass nicht jeder mit einem guten Zeugnis aus der Schule kommt. Wir wissen auch, dass Noten von der einzelnen Lehrkraft abhängig sind. Je nach Lehrkraft bekommen Sie bei der gleichen Leistung unterschiedliche Zeugnisnoten. Frau Mayer hat deutlich gemacht, dass für unsere Betriebe nicht nur Fachkompetenz und damit Noten in einzelnen Fächern wichtig sind, sondern natürlich auch das Arbeits- und Sozialverhalten. Insofern haben wir jetzt festgestellt, dass viele junge Menschen auch mit schlechteren Noten eingestellt werden, wenn sie ganz „ordentliche" ­ in Anführungszeichen ­ Bewertungen im Arbeits- und Sozialverhalten haben; denn viele Betriebe wissen, dass gerade in dieser Altersphase nicht jeder Lust auf die in der Schule herrschende Lernsituation hat. Wenn sein Arbeits- und Sozialverhalten positiv bewertet wurde, ermutigt das viele Betriebe, den Betreffenden doch einzuladen und ihm eine Chance zu geben. Diese Beurteilung gibt also vielen Jugendlichen eine Chance auf Ausbildung. Das sollten wir gemeinsam nicht vernachlässigen.