Grundschule

Landtag Nordrhein-Westfalen - 31 - APr 15/53

Ausschuss für Schule und Weiterbildung (5.) 03.11.

Ausschuss für Kommunalpolitik (5.) kle Landesverfassung, im Schulgesetz und in allen Richtlinien zu den Lehrplänen verankert. Wir fordern aber vor allem, dass mit der Beurteilung des Arbeits- und Sozialverhaltens auf den Zeugnissen detaillierte Förderempfehlungen einhergehen. Die Beurteilung soll keinen Schüler abstrafen, sondern ihm dokumentieren, wie sich sein Verhalten in der Schule zurückspiegelt. Als unbedingt notwendig hierfür sehen wir landesweit verbindliche Kriterien und Regelungen an, die diese Beurteilung auch vergleichbar machen. Insgesamt halten wir die Dokumentation des Arbeits- und Sozialverhaltens in Form von Kopfnoten auf Zeugnissen für entbehrlich, wenn die Schule im Konsens andere Formen der Dokumentation findet. Die Dokumentation der Beurteilung auf Abgangs- wie Abschlusszeugnissen, gleich in welcher Form, halten wir für nicht angebracht.

Zu § 66 Schulgesetz: Die Wiedereinführung der Drittelparität in der Schulkonferenz wird von der Landeselternschaft der Gymnasien positiv gesehen und befürwortet.

Zu § 84 Schulgesetz: Die Landeselternschaft der Gymnasien lehnt die Möglichkeit für den Schulträger entschieden ab, durch Rechtsverordnung Schuleinzugsbereiche für jede öffentliche Schule festzulegen. Für die Eltern von Gymnasien gilt seit jeher die freie Schulwahl. Das muss auch so bleiben. Wir wehren uns gegen die fundamentale Beschneidung dieses Elternrechtes und gegen die damit verbundene Einschränkung der Fördermöglichkeiten der Schüler. Gestärkt werden wir durch die große Vielzahl von Profilierungen und pädagogischen Konzepten der Gymnasien in Nordrhein-Westfalen, die diese mit großem Engagement in den letzten Jahren mit Eltern, Schülern und Lehrern entwickelt haben. Eltern können für ihre Kinder im Moment zum Beispiel Gymnasien mit naturwissenschaftlichen, musischen, sprachlichen oder methodisch anderen Schwerpunkten wählen; sie können sich für Schulen in freier Trägerschaft entscheiden; es gibt Schulen mit bilingualen Unterrichten; ich könnte noch eine Vielzahl anderer Konzepte nennen. Schulbezirke würden all diese Bemühungen der Einzelschule um Profilierung zunichtemachen. Die pädagogische Vielfalt und die Förderung der Einzelschule müssen hier ganz deutlich vor kommunalen Instrumenten der Schülerlenkung stehen. ­ Vielen Dank.

Kadir Daglar (Föderation Türkischer Elternvereine in Nordrhein-Westfalen e. V.): Sehr verehrter Herr Vorsitzender! Meine Damen und Herren! Ich werde Ihnen jetzt einmal unser Schulleben bzw. unser Bildungssystem aus der Sicht der Föderation Türkischer Elternvereine darstellen und schildern, wie wir dieses System erleben. Lassen Sie mich vorab darauf hinweisen, dass wir unsere Stellungnahme mit einigen anderen Migrantenorganisationen ausgetauscht haben. Insofern kann ich auch im Namen der Migrantenselbstorganisationen aus der Sicht der Elternschaft einige Punkte zum Ausdruck bringen.

Erster Punkt: zur Wiedereinführung der Grundschuleinzugsbezirke. Für uns beginnt die Bildung in dem Gebiet, in dem wir wohnen und leben. Daher sind wir dafür, dass die Grundschuleinzugsbezirke wiedereingeführt werden. In einem Stadtviertel, in dem gleichzeitig auch bildungsbewusste Eltern leben, melden diese ihre Kinder im Laufe der Zeit nämlich woanders an, sodass in dem Wohnviertel leider nur die Kinder Landtag Nordrhein-Westfalen - 32 - APr 15/53

Ausschuss für Schule und Weiterbildung (5.) 03.11.

Ausschuss für Kommunalpolitik (5.) kle zur Schule gehen, die nicht so bildungsbewusste Eltern haben. Dadurch entsteht schon ab dem ersten Schuljahr eine Kluft. Weil die bildungsbewussten Eltern meinen, dass die guten Schüler woanders sind, bleiben die Restschüler zurück. Die Grundschule wird auch aus der Sicht der Migranteneltern so gesehen. Insofern wir sind dafür, dass man die Grundschuleinzugsbezirke wiedereinführt. Wenn alle Kinder gemeinsam dort zur Schule gehen, wo sie leben und zusammen spielen, findet auch die Integration in besserer Weise statt. Wenn die Kinder in einem Wohnviertel gemeinsam aufwachsen, und zwar in der Schule und im privaten Leben, können wir die Integration in der Tat besser im Griff haben. Deswegen sind wir dafür.

Wie wir beobachtet haben, melden die deutschen Eltern nämlich in der Regel ihre Kinder woanders an. Wir haben uns gefragt, warum einige Eltern ihre Schüler nicht dort zur Schule anmelden, wo sie wohnen. Es hat sich dann gezeigt, dass es eine andere Schule gibt, an der besserer Unterricht stattfindet. Deswegen meinen wir, dass die Qualität der Schule und damit die Bildungsqualität in solchen Vierteln auch einmal gleichgestellt oder stärker gefördert werden soll. Sonst führen diese Unterschiede zu der Situation, dass die Menschen mit ihren Kindern irgendwohin wandern.

Das kann nicht Sinn der Sache sein.

Zweiter Punkt: zu den Kopfnoten. Wir sehen den ersten und den zweiten Punkt zusammen. Bei beiden Punkten meinen wir, dass die Eltern mit den Lehrern Hand in Hand zusammenarbeiten sollten. Zu den Kopfnoten sagen wir Ja. Warum? Es ist wichtig, dass Kinder und Jugendliche einen Maßstab bekommen, wie ihr Arbeits- und Sozialverhalten auf die anderen einwirkt. Wie wir eben gehört haben, ist das Arbeits- und Sozialverhalten nicht nur im Schulleben, sondern auch später im Berufsleben sehr wichtig. Deswegen meinen wir, dass im Zeugnis etwas dazu stehen sollte ­ wobei die Eltern aber mit im Spiel sein müssen. Das heißt, dass ein regelmäßiger Austausch mit den Eltern erfolgen sollte. Das Ganze sollte dann auch irgendwo notiert werden. Auf diese Weise können Eltern direkt erfahren, wie sich das Kind oder der Jugendliche in der Schule macht.

Aus Sicht der Schule weiß ich auch, dass man die Noten auf zwei Punkte reduzieren kann, nämlich zum einen das Arbeitsverhalten und zum anderen das Sozialverhalten. Zurzeit gibt es meines Wissens vier Noten. Das wird sehr umfangreich und nimmt auch sehr viel Zeit in Anspruch.

Im Übrigen sollten es keine Kopfnoten sein, sondern vielleicht Fußnoten statt Kopfnoten. Das wäre gerechter, und jeder könnte damit zufrieden leben.

Dritter Punkt: Grundschulempfehlungen. Wir haben seit Jahren beobachtet, dass die Grundschulempfehlungen gerade für Migrantenkinder nicht positiv gestaltet werden.

Sie wissen auch, dass die Migrantenkinder an den Gymnasien unterrepräsentiert und an den Hauptschulen überrepräsentiert sind. Daher meinen wir: Die Lehrer sollten in der Schule die besten Möglichkeiten bieten, dass die Kinder ihre Bildung genießen.

Die Eltern sollten aber auch das Recht haben, ihre Kinder dort anzumelden, wo sie wissen, dass sie dort besser gefördert werden. In diesem Sinne fordern wir auch, dass die Eltern zu Hause die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen, damit die Kinder die Schule nicht abbrechen, sondern in der Schule die Bildung gut genießen Landtag Nordrhein-Westfalen - 33 - APr 15/53

Ausschuss für Schule und Weiterbildung (5.) 03.11.

Ausschuss für Kommunalpolitik (5.) kle können. Ich möchte einmal kurz und bündig sagen: Hier ist eine Zusammenarbeit von Eltern und Lehrern erforderlich.

Vierter Punkt: zur Wiedereinführung der Drittelparität. Wir werden uns als Eltern dafür einsetzen, dass die Eltern die Schule besuchen und ihr Recht wahrnehmen. Wir haben denen gesagt: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. ­ Ich hoffe, dass wir in diesem Sinne weiter zusammenarbeiten. ­ Danke schön.

Martin Schulte (Bildungspolitischer Landesverband der DGhK-Regionalvereine in NRW e. V.): Sehr geehrte Damen und Herren! Im Namen der fünf in NRW aktiven Regionalvereine der Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind danke ich dem Ausschuss für Schule und Weiterbildung, dass er unseren bildungspolitischen Landesverband um Stellungnahme zu den vorgesehenen Änderungen des Schulgesetzes gebeten hat. ­ Für die allermeisten hochbegabten Schüler gilt, dass sie von den Maßnahmen, die allen Schülern zugutekommen, in gleichem Maße profitieren.

Dazu zählen wir insbesondere die in § 1 des Schulgesetzes verankerte individuelle Förderung, kleine Klassenstärken und eine gute Ausstattung mit Lern- und Lehrmitteln. An einigen Stellen gilt es aber, die Besonderheiten dieser Kinder zu berücksichtigen, um ihrer Andersartigkeit im positiven Sinne gerecht zu werden. Ein großer Schritt ist meist schon damit getan, dass sich die Beteiligten dieses Umstands bewusst werden.

Vor diesem Hintergrund haben wir in unserem Verband alle heute zur Debatte stehenden Gesetzentwürfe intensiv und kontrovers diskutiert und sind letztendlich zu dem Schluss gekommen, in unserer Stellungnahme auf einen einzigen Punkt hinzuweisen, bei dem wir eine konkrete Besonderheit hochbegabter Kinder sehen. Die Wiedereinführung der Grundschulbezirke ­ vorgebracht auch von den Fraktionen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen und nicht nur, wie von uns fälschlicherweise in der Überschrift unserer Stellungnahme formuliert, von der Fraktion. Die Linke ­ hat uns zunächst sehr besorgt, da wir aus langer Erfahrung wissen, dass es um das Verständnis für hochbegabte Kinder an unterschiedlichen Grundschulen sehr verschieden bestellt ist und verschiedene Schulträger unterschiedlich entgegenkommend auf Wünsche der Eltern hochbegabter Grundschüler reagiert haben, ihre Schüler aus diesem Grund nicht in die wohnortnächste Schule einzuschulen.

Zu einem Teil beruhigt es uns, dass die vorgelegten Gesetzentwürfe hier eine Verbesserung gegenüber der Fassung des Schulgesetzes von 2005 mit sich bringen, da nunmehr nur noch keine Ablehnung der aufnehmenden Schule statt wie zuvor die Zustimmung des Schulträgers erforderlich ist und wir davon ausgehen, dass Schulen, die sich besonders des Themas „Hochbegabung" angenommen haben, auch hochbegabten Kindern aus größerer Entfernung den Besuch ihrer Schule ermöglichen werden.

Trotzdem möchten wir mit unserer Stellungnahme betonen: Vor dem Hintergrund der aktuellen Ausbildungs- und Verständnissituation für hochbegabte Kinder ist eine wohnortnahe Beschulung hochbegabter Grundschüler nur für einen Bruchteil der Grundschüler möglich.