Grundschule

Landtag Nordrhein-Westfalen - 55 - APr 15/53

Ausschuss für Schule und Weiterbildung (5.) 03.11.

Ausschuss für Kommunalpolitik (5.) ste

Wenn der Anspruch gilt, dass gleiche Chancen für alle Bildungsangebote, Es wäre hilfreich bestehen, wäre es hilfreich, das zumindest für die Grundschulen mit einer Auflage zu tun, da diese Diskussion so erst einmal nicht stattfinden müsste. Dass das damit behoben ist, ist sehr zu bezweifeln. Das Problem gibt es trotzdem. Das Problem gab es auch schon vor der Freigabe der Schulbezirke.

Allerdings hat seit zehn Jahren keine Veränderung stattgefunden, was die Abhängigkeit der Bildungsergebnisse vom sozialen, familiären und kulturellen Hintergrund angeht. Es gibt hier trotz vieler Maßnahmen als Antwort auf die erste PISA-Studie keine Bewegung. Ich möchte wirklich deutlich in den Raum stellen, dass noch weitere Instrumente nötig sind. Dazu, welche Maßnahmen geeignet sind, könnte man einiges sagen, was aber heute nicht im Detail Thema ist.

Aber etwas kann man vielleicht schon sagen: Es ist nicht in erster Linie die Inspektion. Das Ziel müsste sein, in der Fläche gleich und ähnlich gute Schulen zu haben.

Es geht nicht darum, die Kinder auf schlechte Schulen zu zwingen. Wer kann das wollen? Das kann es nicht sein.

Die Schulleitungsvereinigung hält es für außerordentlich wichtig, dass wir in Sachen selbstständiger Schule weiterkommen, weil dies ein Sachverhalt ist, der sehr viel über all diese Fragen mitentscheidet, über die wir jetzt diskutieren, und auch andere Antworten als bisher auf die Frage des demografischen Wandels ermöglicht: zum Beispiel Schulkooperationen, und zwar nicht nur derselben Schulart, sondern eben auch unterschiedlicher Schularten in größer gefassten Bezirken.

Die zweite Frage, zu der ich mich angesprochen gefühlt habe, betrifft die Kopfnoten.

Dazu habe ich mich nicht geäußert. Ich möchte aber ganz deutlich sagen, dass die Schulleitungsvereinigung die Abschaffung der jetzigen Form für richtig hält, aber nicht den Verzicht auf Aussagen zum Arbeits- und Sozialverhalten. Wir halten es wegen des deutlich formulierten Erziehungs- und Bildungsauftrags der Schule für notwendig, dass sie kriteriengeleitete Rückmeldungen darstellt. Es gibt sicher keine Schule im Land, die in der Zwischenzeit nicht handhabbare Kriterien formuliert hätte.

Alle haben das getan.

Aber das sind Gültigkeiten innerhalb der Schule. Wir halten es deshalb für ganz wichtig, was als Anregung schon im Raum stand und mehrfach positiv angemerkt worden ist, dass es auch einen Kompetenzbezug hat, wie er von der Wirtschaft angeregt worden ist, und einheitlich für die Schulen formuliert wird.

Der dritte Bereich betrifft die Drittelparität. Dazu möchte ich noch einmal deutlich sagen: Unser Problem ist nicht, dass Minderjährige in der Schulkonferenz sitzen können. Wir finden eine bestimmte Fragestellung ganz besonders kritisch ­ das betrifft die Beteiligung aller und nicht speziell der Schülerinnen und Schüler ­, nämlich die Schulleitungswahl. Darauf gehe ich gleich noch einmal ein.

Ich möchte allerdings sagen, dass mir heute in der Diskussion sehr deutlich geworden ist, dass wir beim Stichwort Feedbackkultur immer nur von einer Richtung sprechen: Schüler und Eltern erhalten Feedback. Feedback ist ein Begriff, der gegenseiLandtag Nordrhein-Westfalen - 56 - APr 15/53

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Ausschuss für Kommunalpolitik (5.) ste tig zu verstehen ist. Es gäbe noch viel zu entwickeln. Das liegt aber alles unterhalb des Punktes, den wir formulieren.

Unser Problem ist: Die Verfassung der Schule ist Bestandteil einer nicht demokratischen Struktur. Es gibt Friktionen, die noch nicht geklärt sind und der Definition bedürfen wie zum Beispiel die Rolle des Schulleiters oder der Schulleiterin: nach außen nicht nur Berichterstattungspflicht, sondern auch Rechenschaftslegungspflicht und nach innen, wie das mit Gremien, die mit Mehrheiten wichtige Dinge entscheiden, umgesetzt wird.

Zum zweiten Aspekt möchte ich noch sagen, dass die Wahl der Schulleitung, der Leitungsperson, ein besonderes Problem darstellt. Wir finden es falsch, wenn die Schulkonferenz das in der jetzigen Form tut. Sie könnte anders aussehen. Dass die Bestellung des Schulleiters oder der Schulleiterin, die rechtlich gesehen Behördenleiter sind, durch einen Wahlakt der Bediensteten sowie der Nutzer der Institution bestimmt werden, ist verfassungsrechtlich und praktisch bedenklich. Das passt auch nicht zum Beamtenrecht. Das ist ein Kollisionspunkt. Das sind einfach zwei nicht nur philosophisch, sondern auch rechtlich ganz unterschiedliche Systeme, die innerhalb der Schule aufeinandertreffen.

Früher war es anders. Da war es sehr viel stärker so, dass Schulaufsicht und Schule die Trennlinie bildeten. Die ist jetzt durch die Veränderung, die wir haben, durch die stärkere Bedeutung der Schulkonferenz und einige Veränderungen im Recht der Schulleitung in die Schule hineinverlagert worden. Das ist ein innerschulischer Konflikt, aber nicht in dem Sinne, dass wir uns nicht verstehen und nicht mögen, sondern es ist ein Strukturkonflikt.

Konrad Großmann (Rheinische Direktorenvereinigung): Frau Paul, Sie haben den Wegfall der Kopfnoten angesprochen. Ich bin immer erstaunt darüber, welche Vorstellungen über innerschulische Abläufe bei einigen herrschen.

Bei den Kopfnoten ist es zum Beispiel bei mir und den meisten Gymnasien, die ich kenne, so gewesen, dass wir uns vorher überlegt haben, was denn bei den Kopfnoten beurteilt wird. Wir haben uns sachkundig gemacht. Unter anderem gab es auch Vorlagen dazu, was eigentlich Bestandteile im Arbeits- und Sozialverhalten sind. Wir haben uns überlegt ­ das kenne ich von allen anderen Schulen ­: Welches Sozialverhalten zeigt ein Schüler, über den wir sagen würde: Das ist sehr gut? Es gab gar keinen so großen Dissens darüber. Wir haben eine Vielzahl von Punkten zusammengestellt.

Wir sind auch dazu gekommen: Was ist denn mit einem Schüler, dessen Sozialverhalten wir als nicht befriedigend bezeichnen würden? Auch hier gab es keine großen Abweichungen. Wir haben innerhalb unserer Schule in Absprache mit den Eltern und den Schülern einen solchen Katalog erstellt. Wir haben ihn mit Vorlagen aus dem Ministerium, aus Verbänden usw. verglichen und festgestellt: Weit liegen wie gar nicht auseinander. Somit ist uns die Vorstellung, was wir wie benoten können, überhaupt nicht schwer gefallen ist.

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Ausschuss für Kommunalpolitik (5.) ste Vorhin ist gesagt worden ­ immer wieder diese alte Klamotte; das ist schon Legende ­: Eine Deutscharbeit wird eins, dann wird sie fünf bewertet. Das kann nur dann sein, wenn die Beurteilungskriterien nicht völlig klar auf dem Tisch liegen. Wenn Fachleute genau sagen „Beurteilen Sie bitte die Deutscharbeit unter dem und dem Gesichtspunkt", dann kann es nicht passieren, dass da eins oder fünf herauskommt.

Ich will nicht weiter darauf eingehen, sondern nur sagen: Es ist immer nach einer ausgiebigen Beratung in einer Schule das Ergebnis herausgekommen, was man wie bezeichnet.

Zu Ihrer Frage, Frau Paul, wann wir Kopfnoten machen. Sie haben gesehen, Sie haben gehört: Wir rheinischen Rektoren und die Westfalen halten die Kopfnoten für richtig. Die Gründe haben Sie alle genannt. Wenn die Politik die Auffassung vertritt, sie wolle die Kopfnoten abschaffen, dann schaffen Sie sie bitte ab. Aber Sie die Lehrer nicht noch bis zu den Sommerferien arbeiten; dazu habe ich eine ganz andere Auffassung. Sagen Sie, wenn Sie das hinbekommen: Zum 1. Februar sind die Kopfnoten abgeschafft.

Ich befürchte umgekehrt: Wenn Sie sie im Sommer abschaffen, aber die Lehrerinnen und Lehrer es jetzt noch machen dürfen, haben die Kolleginnen und Kollegen dafür nicht das geringste Verständnis. Also noch einmal: Wenn Sie vonseiten der Politik der Auffassung sind, dass Sie sie abschaffen wollen, dann schaffen Sie sie ab. Davon geht das Abendland nicht unter. Ich bedaure das pädagogisch, weil ich nämlich genauso wie die Vertreter aus wirtschaftlichen Bereichen meine: Das ist auch unser Erziehungsauftrag.

Frau Schäfer Sie haben gesagt, Sie seien froh darüber gewesen, dass Ihre Kopfnoten wegfielen. Ich nicht, denn bei mir waren die in der Regel gut. Ich war stolz darauf.

Daher ist das immer so eine Sache, welches Signal man an Kinder sendet. Ich kann Kindern auch klar und deutlich machen: Hör mal zu, die Schule findet es hervorragend, wie du dich hier verhältst, welches Verhalten du hast. ­ Ich denke, dieses Mittel, auf Schüler einzuwirken und Schüler zu erziehen, sollten wir nicht so schnell aus der Hand geben. Soweit zu den Kopfnoten.

Herr Sternberg hatte noch nach unseren Erfahrungen und Empfehlungen und nach dem Prognoseunterricht gefragt. Ich und auch die Kollegen haben an sehr vielen Aufnahmegesprächen teilgenommen. Wir nehmen uns sehr viel Zeit dafür. Es schaut sich doch kein verantwortungsbewusst denkender Lehrer nur die Noten an, die ein Schüler hat, und sagt dann: Ich nehme ihn auf oder nicht. ­ Wir schauen uns die Noten an. Wir schauen uns das Gutachten an. Wir führen ein ausführliches Gespräch mit dem Kind. Ich möchte immer das Kind sehen. Ich führe ein Gespräch über Hobbys, über Interessen, über das, was er gelesen hat, usw.

Ich möchte sehen, welches Mädchen da sitzt. Welches strahlt etwas aus? Wie nervös ist es? Wie leuchten die Augen usw.? Aus dem gesamten Eindruck treffen wir bei uns in den Schulleitungen eine Entscheidung ­ und nicht danach, ob da steht: „geeignet" oder „nicht geeignet".