Wenn fast jeder die gleiche Note hat kann damit niemand mehr etwas

Landtag Nordrhein-Westfalen - 64 - APr 15/53

Ausschuss für Schule und Weiterbildung (5.) 03.11.

Ausschuss für Kommunalpolitik (5.) ste sage ich Ihnen: Zwei Schüler bei uns in der Klasse hatten keine Zwei als Kopfnote.

Wenn fast jeder die gleiche Note hat, kann damit niemand mehr etwas anfangen.

Dann kann man es auch gleich lassen, weil sowieso jeder dieselbe Note hat. ­ Das zu den Kopfnoten ­ also: sofort weg damit.

Jetzt zu den Schuleinzugsbezirken: Die Abgeordnete, die dazu eben eine Frage gestellt hat, ist jetzt nicht mehr da ­ schade.

Die Schuleinzugsbezirke haben einen einfachen Sinn. Ich schaue in meine kleine Gemeinde Nottuln, in der ich lebe und auf ein kleines Gymnasium gehe. Wir haben keine Planungssicherheit bei den Schülerzahlen. Wir haben mal einen Jahrgang, der 60 Schüler hat, und mal haben wir einen Jahrgang, der 100 Schüler hat. Mal heißt es, unsere Schule sei ein so schweres Gymnasium, dass alle auf ein Gymnasium nach Münster wechseln. Und mal haben wir einen Jahrgang, in dem es für die Eltern besser klingt, wenn es ein Elite-Gymnasium ist. Dann gehen die Leute zum Gymnasium. Ein Einzugsbezirk würde halbwegs konstante und planbare Schülerzahlen und dementsprechend planbare Klassengrößen und planbare Lehrerzahlen mit sich bringen.

Natürlich bringt das nicht überall etwas, also ich sag mal. Bei den Handelsschulen zum Beispiel kann ich durchaus verstehen, dass verschiedene Profile sinnvoll sind.

In der Oberstufe lässt sich meiner Meinung nach auch sehr darüber streiten. Denn jemand, der einen sprachlichen Schwerpunkt haben will und unbedingt Chinesisch am Gymnasium lernen möchte, wird dazu in Nottuln nicht die Chance haben. Aber natürlich muss man ihm diese geben.

Jetzt zur Drittelparität: Für mich ist ganz klar, dass die Schulkonferenz das Parlament der Schule ist. Da werden alle möglichen wichtigen Dinge entschieden. Darüber braucht man nicht zu streiten. Im Schulgesetz steht ganz klar, dass das ein Schulmitwirkungsgremium ist. Deswegen braucht man da nicht weiter groß herumdefinieren.

Die Drittelparität hat lange halbwegs gut funktioniert. Ich verstehe nicht, warum man sie abschaffen musste. Aber dass Lehrer jetzt grundsätzlich eine fast sichere Mehrheit haben, ist nicht Sinn der Sache. Denn in einem demokratischen Mitwirkungsgremium muss man mit Argumenten arbeiten. Wenn Lehrer derzeit irgendwas durchsetzen möchten, werden sie es fast immer schaffen, denn irgendein Elternteil überzeugen sie immer.

Wir haben gerade Vergleiche nach dem Motto gehört, man könne die Schulkonferenz mit einem Betriebsrat im Krankenhaus vergleichen. Das, fand ich, war ein ziemlich komischer Vergleich. Denn es auch nicht so, dass man Abitur haben muss, um in den Landtag gewählt zu werden und entscheiden zu können. Also ist der Vergleich totaler Schwachsinn. Ich kann mitbestimmen, wie mein Schultag und mein Schulalltag aussehen sollen. Ich habe als Schüler Interessen, die ich sehr gut vertreten kann.

Ich habe zu vielen Dingen eine Meinung. Wenn das nicht der Fall ist, sind die Lehrer eigentlich immer in der Lage zu sagen, warum sie eine andere Meinung haben. Dann Landtag Nordrhein-Westfalen - 65 - APr 15/53

Ausschuss für Schule und Weiterbildung (5.) 03.11.

Ausschuss für Kommunalpolitik (5.) ste lässt man sich als Schüler eigentlich davon überzeugen, weil man eine gute Schule haben möchte. Dafür setzen sich alle ein.

Man ist nicht in der Schulkonferenz, um sich zu streiten, um sich auf den Kopf zu hauen oder um hart um die Mehrheiten zu ringen, sondern man will gleichberechtigt auf einer Ebene reden und irgendetwas vor allem für die Schüler. Denn darum geht es letztlich. Es stört mich auch, dass viel zu oft gesagt wird, die Abschaffung Kopfnoten sei ein Vorteil für die Lehrer, denn eigentlich stehen die Schüler im Mittelpunkt.

Über sie muss man mehr reden.

Jetzt noch ein kleiner Appell an die Linksfraktion, wenn darüber abgestimmt wird: Ihr Antrag geht nach wie vor ein bisschen weiter. Ich unterstütze ihn, denn ich sehe die Schüler als größte Gruppe; da haben Sie recht. Allerdings wäre mit der Drittelparität den Schülern schon sehr weit geholfen. Deswegen fände ich es sehr großartig, wenn jemand von Ihrer Fraktion dafür stimmen könnte, damit wir die Drittelparität zurückbekommen. Das wäre sehr wichtig.

(Bärbel Beuermann [LINKE]: Wir haben Ihren Appell vernommen!) Sabine Mayer (Landesvereinigung der Unternehmensverbände Nordrhein Westfalen e. V./Die Industrie- und Handelskammern in Nordrhein-Westfalen):

Ich würde gerne noch einmal den Kontext herstellen, weswegen wir an der Diskussion um Kopfnoten so ein großes Interesse haben.

Das hat schlicht etwas damit zu tun ­ ich denke, das ist völlig unstreitig in diesem Raum und draußen ­, dass Lehrkräfte einen sehr schweren, aber auch einen sehr guten Job machen, wenn man das salopp formuliert. Aber als Wirtschaft sind wir davon immer betroffen, wir unmittelbar dran- und drinhängen. Das heißt, an der Schnittstelle Schule/Wirtschaft sind wir darauf angewiesen, dass das abgebende System, in dem Fall die Schule, tatsächlich die Verantwortung für junge Menschen, die in die Berufsausbildung wechseln, übernimmt, während die Wirtschaft immer wieder darauf angesprochen wird, ihre Verantwortung rund um Ausbildung und Arbeitsplätze wahrzunehmen.

Die Öffnung in den Jahren der vergangenen Legislaturperiode hat einen ganz entscheidenden Schritt zurückgelegt, was diese Schnittstelle Schule/Wirtschaft angeht.

Sie trägt auch einen großen Teil für die Anschlussfähigkeit und für den Übergang in das nächste System, nämlich Berufsleben. Auch daher begrüßen wir, dass das, was beispielsweise mit der Berufungsorientierung auf den Weg gebracht worden ist, völlig in die richtige Richtung geht, nämlich frühzeitig anfangen. Wir haben uns jetzt ein bisschen an die Kopfnoten am Ende des Prozesses festgehakt.

Wir begrüßen die Berufsorientierung, die von der Vorgängerregierung auf den Weg gebracht worden ist. Unsere große Sorge ist, dass die Defizite, wenn wir keine passenden Bewertungssysteme oder Beurteilungsinstrumente finden, erst im Übergang zum Berufsleben bzw. zur Berufsausbildung offenkundig werden. Da haben wir sehr schnell das Thema der Ausbildungsreife, das im Grunde genommen beliebig diskutiert werden kann. Das heißt aber für uns in der Konsequenz: Es muss ein Instrument Landtag Nordrhein-Westfalen - 66 - APr 15/53

Ausschuss für Schule und Weiterbildung (5.) 03.11.

Ausschuss für Kommunalpolitik (5.) ste und Prozesse im System Schule geben, die entsprechend aufzeigen, die entsprechend aber auch Beurteilungen vornehmen. In diesem Sinne, Herr Prof. Sternberg, ist natürlich auch die Abschaffung von Fehlzeiten richtig, denn das ist im Grunde genommen die quantitative Anzeige eines Verhaltens vice versa.

Insoweit nenne noch einmal den ausdrücklichen Appell oder den Wunsch der Wirtschaft. Bei einer aktuellen Umfrage sagen 80 % der Betriebe: Wir brauchen eine Beurteilung vom abgebenden System; das ist uns eher wichtig ­ in der Range: eher wichtig bis wichtig. 80 % der Betriebe begrüßen, dass zwar keine regionale, aber eine verbindliche und verlässliche ­ insoweit schließe ich mich den Vorrednern an ­ Beurteilung tatsächlich stattfindet. Im Übrigen ist es durchaus im Sinne der Jugendlichen, eine Rückmeldung auf die Fragen zu bekommen: Bin ich hier eigentlich richtig unterwegs? Ist mein Verhalten ein bisschen okay oder gar nicht ok? ­ Ich glaube, so ein Beurteilungssystem ist durchaus gerechtfertigt.

Dabei stellen sich die Fragen: Wie wird das im Einzelnen ausgestaltet? Wollen und werden wir an dem „Wie" mitdiskutieren? Hierfür signalisiere ich uneingeschränkte Gesprächsbereitschaft. Selbstverständlich folgen wir gerne einer Einladung, diese Thematik mit Ihnen zu besprechen. Das liegt schon im Interesse derer, die bei uns irgendwann ankommen sollen, die vor allem irgendwann eine echte Chance auf Ausbildung, Berufsleben und Teilhabe haben sollen. Alle diese Aspekte sind mit dabei

Ich weise in diesem Zusammenhang ausdrücklich auf die Zeit der Vorgängerregierung hin. Die Partnerschaft Schule/Wirtschaft ist da ein ganzes Stück vorangekommen. Insoweit lautet die Antwort auf die Frage: uneingeschränkte Gesprächsbereitschaft zum Thema Schule/Wirtschaft.

Andreas Oehme (Westdeutscher Handwerkskammertag): Ich habe zwei Fragen zu beantworten, erstens die Frage von Herrn Sternberg: Was ist die Folge, wenn es nur noch Fehlzeiten gibt? Auch hierbei brauchen wir, wie verschiedene Lehrkräfte gesagt haben, auch aufseiten der Ausbildungsbetriebe eine gewisse Kontinuität.

Nach den Anfangsschwierigkeiten der Einführung hat sich das Ganze jetzt etabliert.

Es gehört der Vergangenheit an, dass eine Schule allen die gleiche Note gibt. Das hat sich langsam eingeschliffen, und es funktioniert. Die Betriebe haben im ersten Jahr nicht gesehen, was da passiert. Sie wussten nicht so recht, was sie damit anfangen sollen. Aber das hat sich jetzt bei den Einstellungsentscheidungen bemerkbar gemacht. Das heißt, hier würde ich genauso sagen: Da geht etwas Großes verloren wenn wir das abschaffen. Dann geht es ähnlich wie bei den Lehrkräften in der schulischen Arbeit, dass vor Ort die Partner der Schulen sagen: Was ist denn jetzt schon wieder anders? Insofern ist Kontinuität dabei sicherlich besser. Nichts spricht dagegen, das zu verbessern, wenn es möglich ist; dazu habe ich vorhin schon etwas gesagt.

Bei der Sache kann man mitwirken. Gerade bei diesen Dingen arbeiten wir als Wirtschaft gerne mit; das kann ich sicherlich auch für unternehmer nrw sagen.