Weiterbildung

Landtag Nordrhein-Westfalen - 73 - APr 15/53

Ausschuss für Schule und Weiterbildung (5.) 03.11.

Ausschuss für Kommunalpolitik (5.) ste und Helmke, bezogen auf die SCHOLASTIK-Studie von 1997. Es gibt eine Vielzahl von Untersuchungen von Prof. Heller von der LMU München, die eindeutig zeigen, dass diese etwa 40 % angezweifelt werden können. Ich weiß die genaue Zahl nicht, aber ich vermute, dass die Einschätzung von Herrn Silbernagel, dass es deutlich weniger seien, genauso stichhaltig wie das andere auch formuliert werden kann. In dem Fall ­ da hatte Frau Böth nachgefragt ­ möchte ich Sie bitten, das entsprechend in ihre Beratungen aufzunehmen. ­ Vielen Dank.

Kadir Daglar (Föderation Türkischer Elternvereine in Nordrhein-Westfalen e. V.):

Meine Damen und Herren, die Zeit ist sehr fortgeschritten; ich schaue auf die Uhr. Viele sehen den Vorteil bei den Menschen, die zuletzt zu Wort kommen. Ich möchte ganz kurz, ganz deutlich, ohne Wenn und Aber ein paar Punkte sagen.

Erstens. Zur Frage der Drittelparität sage ich ja. Wenn wir die Eltern in voller Verantwortung miteinbeziehen, können sie sich mehr mit der Schule identifizieren. Ich bin jahrelang als Lehrer in solchen Schulkonferenzen gewesen. Wenn Sie ihnen aber sagen „Wir brauchen das nicht. Diese Materie kennen sie nicht", brauchen wir sie gar nicht einzuladen. Wie man so schön sagt: Eine halbe Schwangerschaft gibt es nicht.

Wenn ich die Eltern oder die Schülerschaft einlade, können sie mitwirken. Ich bin der Meinung, es ist für die Schule sehr wichtig, dass man die Meinung der Eltern und der Schülerschaft immer auf gleicher Augenhöhe betrachtet und entsprechend handelt.

Zweitens. Kopfnoten. Wir haben gesagt: Ja, aber. ­ Was heißt das? In den Schulen wird generell so verfahren ­ ich habe viele Kollegen kennengelernt, die in der Schule arbeiten ­, dass jedem Schüler die Note Gut gegeben wird. Aber ich frage mich: Haben Sie mit der Note Gut irgendetwas definiert bzw. etwas mit Blick gerade auf das Sozial- und Arbeitsverhalten getan? Im Grunde genommen ist das nicht der Fall. Deswegen sind wir der Meinung: Da soll ein Text hinkommen, dass sich die Kinder oder Jugendlichen im Schul- oder späteren Berufsleben verbessern sollen.

Es wurde auch gefragt, was der Unterschied zwischen den Noten Befriedigend und Gut sei. Beide sind gleich. Im Grunde genommen wird von den Eltern eigentlich nicht so richtig verstanden, welche Begründung diese Noten haben, die auf dem Zeugnis stehen. Zum anderen haben wir damals den Antrag gestellt, die Anzahl der Kopfnoten auf zwei zu reduzieren. Alles andere wird davon beinhaltet.

Was die Kopfnoten angeht, sollten wir uns generell Folgendes überlegen: Diese Kopfnote ist nicht unbedingt für den Beruf und Lebensweg dieser Jugendlichen negativ gemeint, sondern dient der besseren Entwicklung und einer guten, vertraulichen oder sinnvollen Zusammenarbeit mit der Elternschaft, was wir unbedingt wollen.

Zur verbindlichen Schulempfehlung sagen wir nein. Ich habe mit vielen Kollegen gesprochen, die gesagt haben, sie könnten in der Nacht nicht schlafen, wenn sie die Entscheidung treffen; eigentlich sollten die Eltern diese Verantwortung übernehmen. Ich kenne auch solche Kollegen.

Wenn die Kollegen versuchen, mit den Eltern einen Weg zu finden, passiert es in der Regel, dass gerade in Deutschland die Migrantenkinder, die im Grunde genommen zur Landtag Nordrhein-Westfalen - 74 - APr 15/53

Ausschuss für Schule und Weiterbildung (5.) 03.11.

Ausschuss für Kommunalpolitik (5.) ste Gesellschaft gehören, aber sich in den Köpfen mancher Pädagogen und mancher Leute immer noch ganz hinten anstellen müssen... Gerade bei den Empfehlungen für die weiterführenden Schulen zeigen die Zahlen, dass bei 70 % der Migrantenkinder die Empfehlung Haupt- oder Gesamtschule angekreuzt wird. Das können wir nicht einfach so akzeptieren. Dafür gab es natürlich auch die PISA-Studie 2006. Herr Muñoz war hier und hat von der Chancengleichheit geredet. Dabei sollte das, was ich beschrieben habe, nicht der Fall sein.

Zum Schluss meine ich, dass die Schulbezirke wieder eingeführt werden sollten, damit die Schulen ­ das haben viele gesagt ­ besser planen können, was auf sie in den nächsten Jahren zukommt und welche Klientel sie haben. Wir sollten nicht die Schüler zu Schulen transportieren, sondern eine bessere Schule in dem Ort anstreben, wo die Menschen leben. ­ Danke schön.

Martin Schulte (Bildungspolitischer Landesverband der DGhK-Regionalvereine in NRW e. V.): Ich bin sehr von den interessanten Argumenten, gerade in der letzten Runde, angetan. Als engagierter Vater dreier nordrhein-westfälischer Schüler hätte ich dazu auch eine Menge Fragen, Anregungen und Anmerkungen. Im Rahmen meines Mandats glaube ich, dass ich nichts mehr dazu beitragen sollte.

Sigrid Beer (GRÜNE): Keine Sorge, ich eröffne keine neue Fragerunde. Denn das, was ich eigentlich fragen wollte, hat sich aus einzelnen Beiträgen ergeben. Ich möchte Ihnen danken, dass Sie zu dieser Zeit noch anwesend sind, und für die vielen interessanten, differenzierten Beiträge, die von uns sehr wohl gehört und aufgenommen werden. Ich will das sehr deutlich sagen.

Ich bin etwas enttäuscht, dass bereits vor einer Stunde von der CDU-Fraktion eine Pressemitteilung mit der Bewertung Ihrer Statements veröffentlicht worden ist. Ich will mich an mathematischen Auszählungen nicht beteiligen, wenn es heißt: „Mehrheit gegen grün-rote Schulreförmchen" ­ Das werden wir diskutieren.

Es stellt sich jedoch die Frage, inwieweit die Experten durch so etwas respektiert und ihre Expertise ernst genommen wird. Ich will noch einmal sehr deutlich sagen: Ich finde, so kann man in Anhörungen nicht mit den Menschen umgehen, die hier ihre Meinung sehr begründet äußern.

Astrid Birkhahn (CDU): Ich möchte auch den verbliebenen Experten für die Ausführungen herzlich danken. Sie waren uns sehr wertvoll, weil wir die Beratungen heute nicht abschließen, sondern wir werden weiter im Ausschuss beraten. Wir haben so viel Stoff bekommen, dass wir noch lange über dieses Thema sprechen werden. Hier wurde überhaupt nichts abgeschlossen und auch noch keine Endbewertung vorgenommen. ­ Herzlichen Dank für Ihre Beiträge.

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Ausschuss für Schule und Weiterbildung (5.) 03.11.

Ausschuss für Kommunalpolitik (5.) ste Vorsitzender Wolfgang Große Brömer: Ich sehe keine weiteren Wortmeldungen, frage aber sicherheitshalber, ob noch jemand das Wort wünscht. ­ Das ist nicht der Fall.

Dann darf ich im Namen des gesamten Ausschusses und aller Fraktionen den Experten und Expertinnen herzlichen Dank aussprechen.

Ich glaube es war einerseits wichtig für die Experten, sich mit den Fragen der Politik auseinanderzusetzen. Aber andererseits ­ das war in erster Linie Sinn dieser Anhörung ­ sollten umgekehrt die Sachverständigen den Politikern ihre Einschätzungen und ihre Urteile für den weiteren Beratungsprozess auf den Weg geben. Dieser wird in der Novembersitzung des Ausschusses für Schule und Weiterbildung am 24. November fortgesetzt, wenn die Auswertung dieser Anhörung stattfindet. Die endgültige Entscheidung über die eingebrachten Gesetzentwürfe wird sehr wahrscheinlich in einer Dezembersitzung des Plenums in diesem Raum getroffen werden.

Ich bedanke mich bei allen Beteiligten. Ich wünsche Ihnen allen einen hoffentlich stressfreien Heimweg und noch einen schönen Abend.

Die Sitzung ist geschlossen.