Weiterbildung

177 - MSW (Epl. 05) Ministerium für Schule und Weiterbildung (Epl. 05) 17 Weiterbildungskollegs

Bei einer stichtagsbezogenen Erhebung der Studierendenzahlen stellte sich heraus, dass weit weniger Studierende die 55 Weiterbildungskollegs in Nordrhein-Westfalen besuchten, als die Schulen gemeldet hatten. Zusammen mit einer erheblichen Schülerfluktuation ergab sich zum Ende des Schuljahres 2005/06 ein Überhang von rund 200 Vollzeit-Lehrerstellen.

Lehrer an Weiterbildungskollegs haben erheblich weniger Pflichtstunden zu leisten, als Lehrkräfte an Tagesschulen mit vergleichbaren Bildungsgängen. Dies machte nach Berechnungen des Landesrechnungshofs zum Beispiel im Schuljahr 2007/08 ebenfalls rund 200

Vollzeit-Lehrerstellen aus.

Diese und weitere Ergebnisse einer gemeinsamen Prüfung mit den Staatlichen Rechnungsprüfungsämtern hat der Landesrechnungshof dem Ministerium bereits Ende 2008 mitgeteilt. Dessen Stellungnahme stand Ende April 2010 noch aus.

Vorbemerkung:

Die 47 öffentlichen und acht privaten Weiterbildungskollegs (WBK) in NRW haben die Aufgabe, nachträglich schulische Abschlüsse der Sekundarstufen I und II zu vermitteln. Die früher getrennt geführten Bildungsgänge der Abendrealschule, des Abendgymnasiums und des Kollegs (sog. Schulen des Zweiten Bildungsweges) wurden mit dem Inkrafttreten des Gesetzes zur Modernisierung der Weiterbildung im Jahre 2000 durch die eigenständige Bildungseinrichtung WBK ersetzt.

Der Landesrechnungshof (LRH) hatte zuletzt 1997 Prüfungsfeststellungen zum Zweiten Bildungsweg getroffen (vgl. Jahresbericht 1999 des LRH, Beitrag Nr. 20). Er hatte damals insbesondere auf die höchst unterschiedliche Stellensituation an den Schulen hingewiesen. Überdies hatten die Schulen zu hohe Studierendenzahlen, die Grundlage für die Lehrerbedarfsermittlung sind, zu den Amtlichen Schuldaten gemeldet. Dem Schulministerium waren ferner Organisationsüberlegungen mitgeteilt worden, die letztlich initiativ für die gesetzlichen Neuregelungen zur Einführung der WBK waren.

Nach mehrjähriger Geltung der Neuregelungen hat der LRH seine Staatlichen Rechnungsprüfungsämter (RPÄ) beauftragt, flächendeckend bei allen öffentlichen und privaten WBK örtliche Erhebungen durchzuführen; Prüfungszeitraum war das abgeschlossene Schuljahr 2005/2006. Der LRH hat die Ergebnisse zusammengefasst, ergänzend ausgewertet und mit Prüfungsmitteilungen vom 19.12.2008 dem Ministerium für Schule und Weiterbildung (MSW) zugeleitet.

Wesentliche Feststellungen und Bewertungen

Struktur

Im Rahmen seiner früheren Prüfung hatte der LRH die pädagogischen und wirtschaftlichen Vorteile einer Zusammenführung der verschiedenen Bildungsgänge des Zweiten Bildungsweges zu einer Schule aufgezeigt und auf die positiven Beispiele so genannter Verbundschulen in einzelnen Städten hingewiesen. Zugleich hatte er auf zehn Standorte aufmerksam gemacht, an denen gute Voraussetzungen für eine Verbundschule bestanden, weil mehrere Schulen bereits in demselben Gebäudekomplex oder in räumlicher Nähe untergebracht waren.

Nach dem Gesetz zur Modernisierung der Weiterbildung umfasst das WBK mindestens zwei der drei Bildungsgänge Abendrealschule, Abendgymnasium, Kolleg. Die organisatorische und damit auch die personelle Zusammenführung der Bildungsgänge im WBK sollte, so die Begründung des Gesetzentwurfs, es ermöglichen, durch zielgruppenspezifische Angebote den veränderten Bedingungen der Teilnehmer (Flexibilisierung der Arbeitszeit, neue Formen der Erwerbstätigkeit) gerecht zu werden. Gleichzeitig sollten die Einsatzmöglichkeiten der Lehrkräfte verbessert, das Kurs- und Fächerangebot verbreitert, die Inhalte und Übergänge der Bildungsgänge besser aufeinander abgestimmt sowie eine rationelle Nutzung der Raum- und Sachausstattungen ermöglicht werden. Diese Erwägungen galten ausnahmslos für neu zu gründende WBK. Die bestehenden Einrichtungen konnten auch mit nur einem Bildungsgang als WBK weitergeführt werden, sofern sie bestimmte Mindestteilnehmerzahlen aufwiesen oder den Teilnehmern der Weg zu einer vergleichbaren Bildungseinrichtung nicht zugemutet werden konnte.

Nach den getroffenen Feststellungen lief die gesetzliche Neuregelung ins Leere. Neue WBK waren seit dem Jahr 2000 nicht mehr gegründet worden, und bei den bestehenden Einrichtungen hatte kein Schulträger von der Möglichkeit der Zusammenführung Gebrauch gemacht. Von den insgesamt 55 öffentlichen und privaten WBK umfassten daher 37 nach wie vor nur einen Bildungsgang, und zwar auch dort, wo mehrere WBK in einem Gebäude untergebracht waren. Die vom Gesetzgeber intendierten Synergieeffekte waren nicht eingetreten.

Studierendenzahlen

Bei seiner früheren Prüfung hatte der LRH festgestellt, dass die von den Schulen zum Stichtag der Amtlichen Schuldaten (15.10.1995) gemeldeten Studierendenzahlen.