Zustand der Müngstener Brücke

Das fast 114 Jahre alte denkmalgeschützte Bauwerk Müngstener Brücke, ein Zeugnis der Ingenieurskunst und des bergischen Pioniergeistes, ist in den ersten 63 Jahren seiner Existenz etwa alle 21 Jahre saniert und mit neuem Korrosionsschutz versehen worden. Seit 1961, also seit nunmehr 40 Jahren, sind hingegen keine umfassenden Sanierungs- und Korrosionsschutzmaßnahmen an der Brücke durchgeführt worden.

Aufgrund von Lagerschäden ordnete das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) auf der Müngstener Brücke Anfang April 2010 eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 10 km/h, ein Begegnungsverbot und eine Gewichtsbeschränkung auf leichte Triebwagen an. Bereits einige Wochen zuvor wurde der Güterverkehr auf der Brücke aus selbigem Grund untersagt. Das EBA hatte die Bahn aufgefordert, bis zum 30. September 2010 die Standsicherheit der Brücke nachzuweisen und die Lager auf beiden Seiten der Brücke auszuwechseln. Weiter wurde die Auflage erteilt, bis zum 30. September 2010 eine neue statische Berechnung vorzulegen, die die vorhandenen Mängel und den Substanzverzehr durch Rost berücksichtigt. Andernfalls drohte das EBA an, die Brücke zum 1. Oktober 2010 zu sperren. Die Deutsche Bahn kündigte Mitte Mai 2010 an, bis zum Herbst die Statik der Brücke neu zu berechnen, die defekten Brückenlager und geschwächten Teile über einen Zeitraum von fünf Jahren zu sanieren und die Brücke über die kommenden zehn Jahre abschnittsweise mit neuem Korrosionsschutz zu versehen.

Zwischen dem 27. und 29. September 2010 fanden Messfahrten statt, um die in den Vormonaten neu berechnete Statik zu überprüfen. Am Abend des 19. November 2010 sperrte DB Netz die Brücke. Per Bescheid vom 23. November 2010 ordnete das EBA die vorübergehende Stilllegung der Anlage an.

Am 31.01.2011 fand auf Initiative von Sven Wolf, (SPD), ein Informationsgespräch mit dem Konzernbevollmächtigten der DB-AG, Reiner Latsch, in Solingen mit allen Bundes-, Landes- und Kommunalvertreter/innen der Region statt. Für die Sanierung soll laut Herrn Latsch ein Zeitraum von etwa fünf Jahren veranschlagt werden. Das Land NRW werde sich laut Herrn Wolf und Herrn Latsch mit einem zweistelligen Millionenbetrag an den Kosten beteiligen. Anschließend soll die Brücke für weitere 25 Jahre ausschließlich dem Personenverkehr zur Verfügung stehen. Herr Latsch hat darauf hingewiesen, dass die Planungen zur Sanierung der Müngstener Brücke nicht darauf abzielen, dass der Güterverkehr die Brücke wieder nutzen kann. Nach Auskunft der Deutschen Bahn AG können beim Brückenfest noch nicht einmal mehr historische Dampfloks über die Brücke fahren.

1. Welche Planungen bestehen seitens der Landesregierung, für das Bergische Land den Personenverkehr auf ÖPNV und den Güterverkehr auf die Schiene zu verlagern?

Die Planung des ÖPNV ist eine Aufgabe der Kreise und kreisfreien Städte. Die Landesregierung begrüßt alle Bemühungen der Eisenbahnverkehrsunternehmen, den Güterverkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern.

2. Welche Rolle spielt in diesem Szenario die Müngstener Brücke in den Planungen der Landesregierung im Schienen-Personen-Nahverkehrs-Netz und für den Güterverkehr auf der Schiene?

Da die Müngstener Brücke planmäßig von Regionalbahnen im Zwanzig-Minuten-Takt befahren wird, geht die Landesregierung davon aus, dass der Schienenpersonennahverkehr nach Durchführung der Instandsetzungsarbeiten wieder uneingeschränkt aufgenommen wird. Der Güterverkehr von und zum Bergischen Land kann problemlos über Wuppertal geführt werden, da nach Angaben der Deutschen Bahn AG nur etwa ein Zugpaar pro Woche anfällt.

3. Wie hoch ist der Betrag, mit dem sich das Land NRW an der Sanierung der Müngstener Brücke beteiligen wird?

Da die Sanierung der Müngstener Brücke allein eine Angelegenheit der Eisenbahnen des Bundes ist, wird sich die Landesregierung nicht daran beteiligen.

4. Gibt es weitere zukünftige Planungen oder Gespräche mit der Deutschen Bahn AG und dem VRR, die darauf abzielen, die Verbindungen für Pendler/innen (Studierende, Schüler/innen, Azubis, Arbeitnehmer/innen) aus dem Raum Remscheid/Solingen nach Düsseldorf und Köln, etwa durch Direktverbindungen, zu verbessern, wie es sie bis in die 70er Jahre gegeben hat?

Nach derzeitigem Stand wird auch künftig einmal täglich eine Direktverbindung Remscheid ­ Düsseldorf angeboten werden. Die Verbindungen von und nach Köln bleiben durch die Umstiege in Solingen Hbf von und zu den Linien RE 7 und RB 48 erhalten, Direktfahrten sind nicht beabsichtigt.

5. Welche Zusagen für die zukünftige Nutzbarkeit der Müngstener Brücke hat die Landesregierung von der Deutschen Bahn AG erhalten?

Nach Abschluss der Sanierung, für die die Deutsche Bahn AG 30 Mio. Euro investiert und die aus heutiger Sicht einen Zeitraum von fünf Jahren beanspruchen wird, soll das denkmalgeschützte Bauwerk für weitere 25 bis 30 Jahre dem Personenverkehr zur Verfügung stehen. In den Jahren 2012 und 2013 erfordert die Sanierung des Bauwerkes nach derzeitigem Stand eine Vollsperrung während der jeweiligen Sommer- und Herbstferien.

Nach momentaner Einschätzung kann nicht damit gerechnet werden, dass schwere Güterzüge bzw. Dampflokomotiven regelmäßig wieder über die Brücke fahren können. Der Güterverkehr von und nach Remscheid wird seit 2010 über Wuppertal geleitet.