Schutz von Honigbienen in Nordrhein-Westfalen

Nach einem aktuellen Bericht der Wochenzeitung. Die Zeit sind im Winter 2009/2010 in der Region Köln ca. 22,9 Prozent aller Bienenvölker gestorben - im Kölner Raum nehmen die Völker beständig ab. Im Bezirk Düsseldorf lag der Anteil mit 25,2 Prozent sogar noch höher.

Insgesamt ging die Anzahl der Bienenvölker zwischen 1995 und 2010 um 6.300 zurück. Allein im letzten Jahr starben etwa 15 Prozent der hiesigen Bienen. Verantwortlich dafür sei vor allem eine aus Asien eingeschleppte Milbenart, Hauptursache dafür ist vor allem die Varroamilbe.

Aufgrund der Tatsache, dass der Honigbienenpopulation in Deutschland eine gewichtige Rolle bei der Bestäubung von Blüten und der Herstellung von Honig zukommt sind diese Zahlen alarmierend. Statistiker haben ausgerechnet, dass der wirtschaftliche Nutzen von Honigbienen für die Landwirtschaft bei rund ca. 22 Milliarden Euro liegt. Sie ist nach dem Rind und dem Schwein das drittwichtigste Nutztier des Menschen. Ohne diese Tiere wäre die Obsternte akut gefährdet. Der Gesundheitszustand der europäischen Bienen sei besorgniserregend, so der ungarische Agrarminister unlängst im Kreis seiner Ressortkollegen.

1. Wie entwickelt sich die Population der Honigbienen in den Großstädten und im ländlichen Raum?

Jahrzehntelang war in Nordrhein-Westfalen ein Rückgang sowohl bei der Anzahl der Imkerinnen und Imker als auch bei der Anzahl der Bienenvölker zu verzeichnen. In den letzten Jahren konnte diese Entwicklung zumindest bei den Imkerinnen und Imkern gestoppt wer den, bei den Bienenvölkern nicht. Dieser Trend ist deutschlandweit zu verzeichnen. Neumitglieder in Imkervereinen halten nur ca. 1 ­ 3 Bienenvölker, u.a. weil auch nicht mehr die Versorgung mit dem Lebensmittel Honig bzw. der erzielte Gewinn aus dem Honigverkauf der Hauptgrund für das Imkern ist, sondern sie wollen etwas für die Umwelt tun und gesund leben.

War die Imkerei früher häufig in ländlichen Gebieten anzutreffen, gewinnt das Imkern auch in städtischen Gebieten immer mehr an Beliebtheit. Viele Städte werden immer grüner und die Honigbienen finden hier genügend Tracht vor. Die Honigerträge sind gut bis sehr gut.

Mit welchen Maßnahmen will die Landesregierung in Großstädten und Regionen sich besonders für eine vielfältige Natur- und Kulturlandschaft einsetzen, die den Honigbienen ausreichende Vielseitigkeit und damit eine gute Lebensgrundlage bietet?

Ein wichtiges Instrument ist die Förderung von Agrarumweltmaßnahmen im Rahmen des NRW-Programms Ländlicher Raum. Mit diesen Maßnahmen wird in unterschiedlicher Weise die Strukturvielfalt der Landschaft verbessert und das Blütenangebot für Wild- und Honigbienen erhöht. Die landwirtschaftlichen Betriebe verpflichten sich dabei für fünf Jahre, Bewirtschaftungsauflagen einzuhalten bzw. aktiv Maßnahmen umzusetzen. Zurzeit werden in NRW rund 250.000 ha (ca. 17 % der LF) in diesem Sinne besonders umweltschonend und naturfreundlich bewirtschaftet. Im Jahr 2010 wurden insgesamt etwa 43 Millionen Euro (EU-, Bundes- und Landesmittel) ausgezahlt.

Zu den Agrarumweltmaßnahmen, die das Land NRW fördert, gehören der Ökologische Landbau, die Vielfältige Fruchtfolge, die Anlage von Blühstreifen, der Anbau von Zwischenfrüchten in bestimmten Gebieten, die extensive Dauergrünlandnutzung, die Anlage von Uferrandstreifen und der Vertragsnaturschutz. Das Land plant für dieses Jahr, die Förderung von Agrarumweltmaßnahmen weiter zu verbessern.

Wie unterstützt die Landesregierung eine flächendeckende Untersuchung der Bienengesundheit in NRW und die damit verbundene Aufklärung und Vorbeugung gegen Krankheiten von Bienenvölkern?

Zur Früherkennung der Amerikanischen Faulbrut gewähren das Land und die Tierseuchenkasse den Bienenhaltern in NRW eine Beihilfe zur Untersuchung von Futterkranzproben. Bei dieser Tierseuche ist keine Besorgnis erregende Entwicklung zu erkennen. Das Bienengesundheitsmobil ist mit allem ausgestattet, was zu einer sachgerechten Sanierung und Säuberung notwendig ist.

Kritisch ist derzeit das Auftreten der Varroatose zu betrachten. Diese Bienenkrankheit ist weder anzeige- noch meldepflichtig. Dennoch ist seit geraumer Zeit eine Zunahme des Infek

tionsdruckes durch die Varroamilbe erkennbar. Deshalb wurde den Veterinärbehörden im Juli 2010 empfohlen, die bienengesundheitlichen Schutzmaßnahmen zur Bekämpfung der Varroatose aktiv zu unterstützen. Je nach Infektionsdruck können die Veterinärämter vor Ort die Behandlung der Bienenbestände gegen die Varroamilbe anordnen. Damit einher geht eine entsprechende Aufklärung der Bienenhalter durch Veterinärbehörden, den Bienengesundheitsdienst der Landwirtschaftskammer und die Imkerverbände.

Nach Einschätzung der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen sind die nordrheinwestfälischen Bienen bisher gut durch den Winter gekommen. Zwar haben einige Völker, wie in jedem Jahr, den Winter nicht überlebt. Nach einer Umfrage der Landwirtschaftskammer und des Bieneninstitutes in Mayen sind die Verluste jedoch geringer als in den vergangenen Jahren. Genaue Daten werden erst im März vorliegen.

Als Hauptgrund dafür, dass es in diesem Winter kein ausgeprägtes Bienensterben gegeben hat, nennt die Landwirtschaftskammer die konsequente Behandlung der Bienen gegen die Varroamilbe.

Die Landesregierung hat auch ein Förderprogramm ­ kofinanziert durch die EU - aufgelegt, mit dem neben anderen Maßnahmen auch Schulungen für Imkerinnen und Imker zur Vermittlung besserer Techniken auf dem Gebiet der Erzeugung von Honig, der Vermarktung von Bienenzuchterzeugnissen und Kenntnisse über Bienenkrankheiten, deren Entwicklung und Behandlung gefördert werden können. Auch Einführungsfortbildungen für Jung- bzw. Neuimker sind förderfähig. Die Schulungsangebote werden sehr gut angenommen.

4. Wie schätzt die Landesregierung das von der EU-Kommission geplante Referenzlabor und die Nutzung der Ergebnisse dieses Überwachungsprogramms für NRW und hier besonders für die Großstädte ein?

Die Aktivitäten der Europäischen Kommission zur Förderung der Bienengesundheit werden ausdrücklich begrüßt. Insbesondere die verschiedenen Aktivitäten zur Gewährleistung der Rückstandsfreiheit von Honig und zum Erhalt der Bienengesundheit verzahnen sich inhaltlich sehr gut mit den von hier eingeleiteten Aktivitäten in Bezug auf die bienengesundheitlichen Auswirkungen bestimmter Pflanzenschutzmittel sowie mit dem unter Frage 3 beschriebenen Früherkennungssystem für Bienenkrankheiten.

Die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen verfügt mit ihrem Bieneninstitut am Standort Münster über eine leistungsfähige Beratungs- und Untersuchungseinheit.

Die Gesundheit der Bienen hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab, wozu bakterielle, virale, parasitäre oder sonstige Ursachen, die Verfügbarkeit geeigneter Behandlungsmethoden, das Vorhandensein invasiver Arten und Umweltveränderungen gehören. Ferner ist auch die Verwendung von Pestiziden in der Landwirtschaft zu berücksichtigen. Dabei ist zumindest zu klären, ob und in welchem Ausmaß sie eine Rolle für die Bienengesundheit spielen.

Aufgrund unzureichender Daten fehlt es bislang an einer exakten Lagebeurteilung. Diese Lücke soll durch das vorgesehene Überwachungsprogramm geschlossen werden. Inwieweit es hier zu einer unterschiedlichen Betrachtung und Einschätzung des Bienengesundheitsstatus in Großstädten und ländlichen Gebieten kommt, ist noch nicht absehbar.

5. Was unternimmt die Landesregierung zeitnah, um dem Bienensterben in den Großstädten und insbesondere in Köln Einhalt zu gebieten?

Wie bereits in der Antwort zu Frage 3 erwähnt, sind die Honigbienen bisher gut durch den Winter gekommen. Die Verlustraten von Bienen bei der Überwinterung sind von Jahr zu Jahr sehr unterschiedlich. Dies ist u.a. abhängig vom Witterungsverlauf, dem Befall mit der Varroamilbe und natürlich dem allgemeinen Gesundheitszustand der Völker.

Z. Zt. können wir kein erhöhtes Bienensterben feststellen. Die Prognosen, die auf mehrjährige Erfahrungen und auf Umfragen der Landwirtschaftskammer NRW und des Bieneninstituts in Mayen beruhen, deuten darauf hin, dass sich die großen Verluste der Jahre 2009/2010 nicht wiederholen. Für den noch herrschenden Winter 2010/2011 kann auf der Basis der Herbstumfrage 2010 für den Regierungsbezirk Köln von einer Verlustquote von 15 bis 20 % ausgegangen werden ­ vorbehaltlich keiner extremen Witterungsverhältnisse im Frühjahr 2011, also günstiger als ein Jahr zuvor.

Allgemein ist zu sagen, dass das Thema Imkerei in den letzten Jahren sehr an Bedeutung gewonnen hat und stark in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt ist. Auf EU-, Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene wurden und werden vielfältige Maßnahmen ergriffen. In der Fachpresse stößt man vermehrt auf besondere Aktionen und Projekte.

Die oben beschriebenen Maßnahmen der Landesregierung werden weitergeführt.