Europäische Gedanke

Der Europäische Gedanke und europäische Institutionen sind heute aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Europa ist im Jahr 2011 Allgemeingut. Das ist eine erfreuliche Entwicklung der letzten Jahrzehnte, die so zwar erhofft, aber von vielen nicht für möglich gehalten wurde. Rund drei Viertel der nationalen Gesetzgebung wird heute durch politische Entscheidungen in Brüssel bestimmt.

Das europäische Haus, von dem Charles de Gaulle und Konrad Adenauer noch träumten ist heute, nicht zuletzt Dank des großen Europäers Helmut Kohl, begreifbare Realität geworden.

Allerdings ist Europa kein Selbstläufer. Der europäische Gedanke muss ständig wach gehalten und der Mehrwert der europäischen Zusammenarbeit immer neu erfahrbar werden.

Schulische, berufliche und akademische Bildung sowie Weiterbildung tragen wesentlich zur Verankerung des europäischen Gedankens bei. Die Einbindung europäischer Inhalte in Lehrpläne und Bildungsziele stärkt die Identifikation mit Europa und ermöglicht das europäische Verständnis. Ein Ziel der Bildungspolitik ist daher der kulturelle Austausch und die Stärkung des Wissenstransfers innerhalb Europas. Gegenseitiges Verständnis, Fremdsprachenkenntnisse und Mobilität sind Voraussetzungen für die Zukunft.

Daher ist es umso wichtiger, gerade der jungen Generation, unseren Schülerinnen und Schülern, den europäischen Gedanken nachhaltig näher zu bringen. Ein entscheidender Ort, um dies zu tun, ist die Schule.

Vorbemerkung der Landesregierung:

Im Zuge der seit 2004 stattfindenden Umstellung stofforientierter Lehrpläne auf neue kompetenzorientierte Kernlehrpläne vollzieht sich bezüglich der Vermittlung von Stoff bzw. Unterrichtsinhalten ein Wandel. Dieser zeigt sich u.a. darin, dass über die landesweiten Unterrichtsvorgaben für zentrale Zeitpunkte im Bildungsgang Erwartungen an die von Schülerinnen und Schülern zu erreichenden Kompetenzen (aktive Kombination von Können und Wissen) formuliert werden, die sich von der alten Perspektive durchgenommen Stoffes (passives, deklaratives Wissen) u.a. durch ihre Ergebnisorientierung sowie ihren Abstraktionsgrad unterscheiden. Vor diesem Hintergrund ist es unter Berücksichtigung von § 29 Abs. 2-3 sowie § 70 Abs. 3-4 Aufgabe der einzelnen Fachkonferenzen bzw. der Lehrkraft, die landesweiten Vorgaben der Kernlehrpläne mit Blick auf die schulischen bzw. die Voraussetzungen der Lerngruppe zu konkretisieren. Hierzu gehören insbesondere auch die Ableitung konkreter Unterrichtsvorhaben aus den abstrakteren Vorgaben der Kernlehrpläne sowie die Zuordnung dieser Unterrichtsvorhaben zu einzelnen Jahrgangsstufen.

1. Welche Unterrichtsinhalte über Europa werden an den unterschiedlichen Schulformen vermittelt?

In den kompetenzorientierten Kernlehrplänen aller Schulformen sind Inhaltsfelder, inhaltliche Schwerpunkte bzw. Kompetenzerwartungen mit europäischen Bezügen in nahezu allen Fächern vorzufinden. Die in der Vorbemerkung zur Kleinen Anfrage aufgeführten Aspekte finden sich in vielfältiger Form vor allem in den gesellschaftswissenschaftlichen Fächern (insbesondere Erdkunde, Geschichte, Politik) sowie den Fremdsprachen. Dies gilt bezogen auf die vorgenannten Fächer vor allem für die Schulformen der Sekundarstufen I und II, in altersangemessener Form aber auch für den Englisch- und den Sachunterricht der Grundschule. Hinsichtlich weiterer Details wird auf die Lektüre der einschlägigen Kernlehrpläne verwiesen.

2. In welchen Jahrgangsstufen findet die entsprechende Vermittlung des Stoffs statt (bitte aufschlüsseln)?

Da die Zuordnung von Unterrichtsvorhaben zu einzelnen Jahrgangsstufen in der Entscheidung der Fachkonferenzen liegt, können hierzu keine Aussagen gemacht werden (siehe Vorbemerkung der Landesregierung). Von Europabezügen im Unterricht ist in unterschiedlicher Tiefe und unterschiedlichem Umfang jedoch prinzipiell von Klasse 1 bis 13 auszugehen.

3. Wie wird nicht nur in spezifischen Fächern, sondern generell im Unterricht eine allgemeine Sensibilität für Europa, politische Probleme, für europäische Gemeinsamkeiten in Kultur, Wirtschaft, Politik und historischer Entwicklung vermittelt?

Die Kultusministerkonferenz hat mit ihrer Empfehlung Europabildung in der Schule i. d. F. vom 05.05.2008 die Standards für alle Fächer und alle Schulformen gesetzt.

Zur Erschließung der europäischen Dimension in Unterricht und Erziehung sollen grundsätzlich alle Fächer und Lernbereiche der Schule einen Beitrag leisten. Anknüpfungspunkte hierfür liefern u.a. die Kernlehrpläne (vgl. Antwort 1 und 2).

Über den Fachunterricht hinaus sollen weitere Möglichkeiten für die Erschließung der europäischen Dimension genutzt werden. Dazu bieten sich im schulischen Kontext vielfältige Möglichkeiten wie Projekte (EU-Projekttag), EU-Bildungsprogramme (z. B. COMENIUS), Internationaler Austausch (z.B. im Rahmen von Schulpartnerschaften), Wettbewerbe (z. B. der Europäische Wettbewerb) oder Besuche vor Ort (z.B. des Europäischen Parlaments und des Europarates) an.

4. Welche Maßnahmen werden zur Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte hinsichtlich des Unterrichtsinhaltes Europa von der Landesregierung ergriffen bzw. angeboten?

Die curriculare Steuerung der universitären Lehrerausbildung erfolgt nach § 2 und § 11.3

Lehrerausbildungsgesetz vom 12. Mai 2009 (LABG) auf der Grundlage der fachwissenschaftlichen und fachdidaktischen Standards der KMK (Beschluss der KMK vom 16.10. i.d.F. vom 16.09.2010).

Unter Bezugnahme auf diese Fachstandards gibt es affine Bezüge zum Themenkomplex Europa im Schulunterricht in den Fächerkomplexen Arbeit, Wirtschaft, Technik, Textil, in den Studienbereichen Wirtschaft, Biologie, Geographie, Geschichte, Neue Fremdsprachen und Sozialkunde/Politik/Wirtschaft.

Die Lehrerfortbildung thematisiert und vermittelt für alle Schulformen Kompetenzen, die in den Kernlehrplänen festgelegt sind.

5. Mit welchen Angeboten (auch Informationen und Hilfestellungen), um Europa zu erleben, geht die Landesregierung auf die Schulen zu bzw. lässt sie den Verantwortlichen zukommen?

In Schulpartnerschaften mit 707 Schulen des europäischen Auslands erfahren zahlreiche Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, einen unmittelbaren Kontakt zum europäischen Ausland aufzubauen.

Darüber hinaus unterstützt die Landesregierung die Schulen in vielfältiger Weise dabei, den europäischen Gedanken mit Leben zu füllen. Sie weist ­ insbesondere durch das Amtsblatt Schule NRW und die Homepage des Ministeriums für Schule und Weiterbildung ­ u.a. auf europabezogene Materialien für den Unterricht von der Grundschule bis zur Sekundarstufe II hin. Sie fordert auf, sich am Europa-Projekttag zu beteiligen und informiert über die Programme Lebenslanges Lernen und Jugend in Aktion der Europäischen Kommission.

Die Landesregierung führt jährlich den Schülerwettbewerb Begegnung mit Osteuropa durch. Die Juniorteams NRW der Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein Westfalen sind im Einsatz, um Jugendlichen nahezubringen, welche Chancen und Perspektiven ein zusammenwachsendes Europa bietet. Das Ministerium für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien führt den Schülerfotowettbewerb eurovision durch.