Jugendwaldheim

Das Jugendwaldheim in Urft existiert seit 1972 und erfreut sich großer Beliebtheit bei den Schulen aus den Ballungsräumen. In jeweils einwöchigen waldkundlichen Lehrgängen erhalten die Schülerinnen und Schüler Waldkunde-Unterricht und es finden forstlich orientierte Exkursionen sowie Waldarbeit statt. Seit 1995 können im Jugendwaldheim zwei Klassen gleichzeitig beherbergt werden, was zu einer Gästezahl von 1500 Schülern pro Jahr führt.

Eine im Jugendwaldheim geführte Statistik zeigt, dass das Jugendwaldheim seit der Eröffnung im Jahr 1972 fast immer ausgebucht ist, Tendenz steigend. Bereits heute liegen Anfragen für das Jahr 2014 vor.

Im vergangenen Jahr besuchte der damalige Umweltminister Eckhard Uhlenberg gemeinsam mit Frank-Dietmar Richter, dem Leiter des Landesbetriebs Wald und Holz NRW, das Jugendwaldheim, um sich über aktuelle Themen und Aktionen zu informieren. Bei diesem Besuch wurde versichert, dass das Jugendwaldheim, das derzeit organisatorisch zum Nationalpark-Forstamt gehört, im Eigentum des Landesbetriebes Wald und Holz als Schwerpunktaufgabe des Regionalforstamtes Hocheifel-Zülpicher Börde weiterbetrieben werden solle.

Darüber hinaus werde eine Beteiligung lokaler Partner angestrebt, die eine Kooperation mit der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald und den Nachbargemeinden umfasse.

Bereits seit einigen Jahren wird diskutiert, ob das Jugendwaldheim Urft an den Standort der Burg Vogelsang verlegt werden soll, was heftigen Widerstand in den umliegenden Gemeinden auslöst.

Anlässlich des Ministerbesuches stellte der Leiter des Landesbetriebes Wald und Holz klar, dass es zwar eine weitere Umweltbildungseinrichtung in Vogelsang geben werde, das Jugendwaldheim Urft aber in jedem Falle erhalten bleibe, ein entsprechender Kabinettsbeschluss habe das besiegelt.

Mittlerweile wurde ein Bebauungsplan Vogelsang - Redoute aufgestellt, der auch die Errichtung eines internationalen Jugendgästehauses und eines Jugendwaldheimes vorsieht.

Es bestehen Pläne, die Einrichtung in Urft nach Vogelsang zu verlegen.

Der Standort Vogelsang ist jedoch für die in Urft bisher vermittelten Inhalte ungeeignet. Die neue Einrichtung in Vogelsang entsteht in Zusammenarbeit mit dem Jugendherbergswerk und behandelt als Schwerpunkt das Thema Naturschutz. Das Heim in Urft hatte im vergangenen Jahr eine Konzeptumstellung auf die Nationalpark-Themen mit dem Titel: Natur erleben mit allen Sinnen. Waldarbeiten sind in Vogelsang nicht möglich. Zu einem gehört ein rasch erreichbarer Wald, der in Vogelsang nur mittels Autotransport erreichbar ist und zudem nicht betreten werden darf.

In Urft hingegen ist zwischen dem Land Nordrhein-Westfalen und der Eifelwald & Co eine langfristige Vereinbarung getroffen worden, in der dem Jugendwaldheim die Nutzung der angrenzenden Waldflächen zugesichert wurde. Ein entsprechendes Nutzungsrecht wurde im Grundbuch eingetragen.

Für den Standort Urft spricht nicht zuletzt die gute Erreichbarkeit durch einen eigenen Bahnanschluss sowie einen Anschluss an die Autobahn.

Vor diesem Hintergrund ist nicht nachvollziehbar, dass ein funktionierendes Haus in Urft einfach abgeschafft werden soll.

1. Steht die Landesregierung zu der Zusage, dass das Jugendwaldheim in Urft auch parallel zu der Entwicklung in Vogelsang erhalten bleibt?

Im Dezember 2007 hat die alte Landesregierung im Rahmen der zweiten Leitentscheidung zur Zukunft der Burg Vogelsang im Nationalpark Eifel die Errichtung eines Europäischen Zentrums für Jugend und Zukunft beschlossen. Dazu gehört auch eine kombinierte Lösung Jugendherberge/Jugendwaldheim. In Kenntnis dieser Leitentscheidung hat das MUNLV bereits in 2008 eine konzeptionelle Neuausrichtung der Jugendwaldheimarbeit finanziert und diese für den Standort Vogelsang unter dem Namen NEST-Natur-Erlebnis-Treff bekannte Konzeption bereits im Jugendwaldheim Urft eingeführt.

Neben der zweiten Leitentscheidung hatte die alte Landesregierung keine Standortentscheidung zur Beibehaltung des Jugendwaldheims Urft getroffen. Vielmehr war aus haushalterischen Gründen einerseits sowie aus inhaltlichen Überlegungen heraus absehbar, dass drei Jugendwaldheime des Landesbetriebs Wald und Holz in enger räumlicher Nähe in der Eifel nicht zielführend sein können.

Eine Zusage der Landesregierung, parallel drei Jugendwaldheime in der Eifel zu betreiben, gab es also nicht.

Die Einlassungen des ehemaligen Leiters des Landesbetriebs Wald und Holz NRW anlässlich eines gemeinsamen Besuchs mit Herrn Minister a. D. Uhlenberg in Urft 2010 haben sich darauf bezogen, zu prüfen, in wie weit die Baulichkeiten des Jugendwaldheim Urft auch zukünftig unter gemeinsamer Trägerschaft unterschiedlicher Partner als ein Zentrum für waldbezogene Umweltbildung dienen können. Diese Prüfung ist noch nicht abgeschlossen.

2. Wie beurteilt die Landesregierung die bisher geleistete Arbeit des Jugendwaldheims in Urft?

Die Landesregierung beurteilt die bisherige Arbeit des Jugendwaldheims Urft, ebenso wie die waldbezogene Umweltbildungsarbeit der weiteren 4 Jugendwaldheime des Landesbetriebes Wald und Holz NRW als ausgesprochen positiv und erfolgreich.

In 2010 konnten ca. 6800 Kinder die Jugendwaldheime besuchen, der Anteil von Grundschulen beträgt dabei 55%. Weitere 3500 Kinder und Jugendliche wurden im Rahmen von themenbezogenen Sonderveranstaltungen in den Jugendwaldheimen beherbergt.

3. Wie sehen die konkreten Planungen der Landesregierung für das Jugendwaldheim in Urft aus?

Aufgrund der Finanzausstattung des Landesbetriebs Wald und Holz NRW ist zurzeit kein Spielraum für eine Finanzierung eines weiteren Jugendwaldheimes möglich.

Die Zielrichtung der Landesregierung, die 2. Leitentscheidung zur Burg Vogelsang diesbezüglich umzusetzen ist aktuell, so dass derzeit realistischerweise nur eine Verlagerung der Aktivitäten nach Vogelsang in Planung ist.

4. Wie viele Jugendwaldheime gibt es noch in Nordrhein-Westfalen?

Zusätzlich zu dem Jugendwaldheim in Kall-Urft betreibt der Landesbetrieb Wald und Holz NRW vier weitere Jugendwaldheime in Raffelsbrand (Eifel), Arnsberg-Obereimer, Gillerberg (Hilchenbach) und Büren-Ringelstein.

5. Welche Absichten verfolgt die Landesregierung im Hinblick auf die Sicherung anderer Jugendwaldheim-Standorte in Nordrhein-Westfalen?

Die Jugendwaldheime in NRW haben im Umweltbildungskonzept des Landesbetriebs Wald und Holz NRW einen hohen Stellenwert. Die Leitlinien für die Jugendwaldheime stellen sicher, dass diese Einrichtungen insbesondere Schulklassen aus den Ballungsräumen des Landes NRW zur Verfügung stehen. Dabei ist es das erklärte Ziel, insbesondere denjenigen Schulen einen Aufenthalt in einem Jugendwaldheim zu ermöglichen, die aus sozialen Gründen anderweitig kaum Gelegenheit haben, kostengünstig ein gemeinsames Klassengefühl in und mit der Natur zu erleben.