Leistungen der Landwirtschaft für den Umweltschutz

Mit der Vorlage der aktuellen Roten Liste und der begleitenden Medienarbeit versucht der amtierende Umweltminister einmal mehr, sein Profil auf Kosten der Landwirtschaft zu stärken. Während dem Minister die ehrenamtlichen Helfer zur Erstellung der Liste eine Erwähnung in einer Pressemeldung wert waren, kommt die Landwirtschaft nur als Täter vor.

Die Landwirte werden als Hauptverursacher des Artensterbens angeklagt. Das zeigt einmal mehr, dass der amtierende Minister es in den letzten Monaten im Amt noch nicht verstanden hat, die Landwirte als Partner zu sehen.

1. Welche freiwilligen Leistungen übernehmen die Landwirte (inklusive Jäger, Angler und Forstwirte) in Nordrhein-Westfalen zum Schutz der Naturlandschaft (Bitte nach Leistung und entsprechendem Wert aufschlüsseln)?

Ein Beispiel für freiwillige Leistungen der Landwirtschaft ist die Beteiligung von mehr als 12.500 Betrieben an Agrarumweltmaßnahmen auf ca. 260.000 Hektar. Auf rund 10% dieser Fläche werden einzelflächenbezogene Vertragsnaturschutzmaßnahmen umgesetzt. Für Anträge im Jahr 2010 wurden für die Agrarumweltmaßnahmen bisher rund 43 Mio. Euro an die Landwirte ausgezahlt, davon für den Vertragsnaturschutz rund 8,7 Mio. Euro.

In Waldgebieten mit Schutzgebietsausweisungen (LSG, NSG, FFH-Gebiete) wurden in 2010

Maßnahmen einer naturnahen Waldbewirtschaftung mit 405.000 gefördert. Die Erhaltung von Alt- und Totholz, die Anlage und Entwicklung von Sonderbiotopen (z. B. Still- und Fliessgewässer) und spezifische Artenschutzmaßnahmen sind Handlungsschwerpunkte im Wald, die teilweise vertraglich mit den Waldbesitzern vereinbart und in 2010 mit zusätzlichen 381.000 bezuschusst wurden.

Zu den weiteren Maßnahmen der Landwirtschaft im Sinne des Naturschutzes und der Landschaftspflege gehören z. B. die Pflege der Kulturlandschaft (u.a. Offenhaltung von Tälern, Erhalt von Landschaftselementen, Heckenpflege), die Beteiligung an Projekten, die von den Kulturlandschaftsstiftungen im Rheinland und Westfalen umgesetzt werden (z.B. Rauchschwalbenprojekt, Anlage von Blühstreifen) sowie die in Kooperation mit dem Naturschutz angelegten Lerchenfenster. Zu den seitens der Jäger durchgeführten Maßnahmen gehören z. B. die Anlage und Pflege von Biotopen (u.a. Hecken, Schutz- und Feldgehölze, Feuchtgebiete), das Anbringen von Nisthilfen sowie Arten- und Bestandserfassungen. Angler beteiligen sich z. B. an der Pflege von Uferrandstreifen, verbessern Gewässer als Lebensraum, führen Wiedereinbürgerungsmaßnahmen verschiedener Fischarten durch (z.B. Lachs, Schnäpel, Maifisch) und melden nicht zuletzt Gewässerverunreinigungen. Im Rahmen der Waldbewirtschaftung tragen das Belassen von liegendem Totholz, der Erhalt von Kleinstrukturen und Horstbäumen, der weitestgehende Verzicht auf Biozide sowie eine naturnahe Entwicklung von Waldaußen- und -innenrändern zum Naturschutz bei. Über den Umfang und finanziellen Wert dieser Aktivitäten liegen der Landesregierung keine Informationen vor.

2. Welche Vorfälle sind der Landesregierung bekannt, in denen Landwirte wissentlich für das Aussterben bestimmter Tier- und Pflanzenarten verantwortlich sind?

Eine konkrete Zuordnung von Bestandsrückgängen und Aussterbe-Ereignissen zu einzelnen Bewirtschaftern, die hierzu wissentlich beigetragen haben, ist nicht möglich.

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW führt im Auftrag des Umweltministeriums langjährige, wissenschaftliche Untersuchungen zum Zustand der Natur in Nordrhein-Westfalen durch. Im Rahmen des Biodiversitätsmonitorings liefert unter anderem die Ökologische Flächenstichprobe landesweit repräsentative Daten über die Entwicklungen von wildlebenden Pflanzen- und Tierbeständen in den verschiedenen Lebensräumen. Für Nordrhein-Westfalen sind im Zusammenhang mit der Landwirtschaft im Zeitraum 2002 bis 2008 Bestandsrückgänge von ehemals charakteristischen und häufigen Arten der Agrarlandschaft durch den Umweltindikator Repräsentative Arten belegt, wie zum Beispiel Feldlerche, Wiesenpieper, Goldammer, Kiebitz und Rebhuhn (vgl. Umweltbericht NRW 2009). Ausgestorben sind mittlerweile zum Beispiel die Arten Ortolan, Senf-Weißling, und Kornrade. Der langfristig negative Bestandstrend von Arten in der Agrarlandschaft wird auch durch bundesweite und europaweite Untersuchungen bestätigt. So haben elf repräsentative Vogelarten der Agrarlandschaft seit 1975 einen bundesweiten Bestandsrückgang von 50 % erfahren (vgl. Indikatorenbericht zur biologischen Vielfalt, BMU 2010). Europaweit ist bei den Vögeln der Agrarlandschaft seit 1980 insgesamt ein Rückgang um durchschnittlich 48 % zu verzeichnen (vgl. Sudfeldt et al. (2009): Vögel in Deutschland. DDA, LAG VSW).

3. Welche Verursacher für das Artensterben kann die Landesregierung wissenschaftlich fundiert benennen?

Zu den wichtigsten Gefährdungsursachen in NRW gehören der anhaltende Flächenverbrauch (z.B. für Wohnbau, Verkehr, Industrie und Gewerbe, Rohstoffabbau), Veränderungen des Wasserhaushalts, diffuse Nährstoffeinträge aus der Luft und die intensive Land- und Forstwirtschaft. Nicht zuletzt kann sich auch das Freizeitverhalten negativ auf bestimmte Arten auswirken (vgl. Umweltbericht NRW 2009). Weitere wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse zum Artenrückgang in Nordrhein-Westfalen liefert insbesondere das Biodiversitätsmonitoring mit der Ökologischen Flächenstichprobe (siehe Frage 2). Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen zu den Ursachen des Artenrückgangs in Deutschland und Europa liefern beispielsweise das Bundesumweltministerium (BMU) und das Bundesamt für Naturschutz. Der durch die Emissionen von Treibhausgasen bedingte Klimawandel wird dabei zunehmend als eine weitere Ursache des Artenrückgangs genannt.

4. Viele Landwirte in Nordrhein-Westfalen haben in den letzten Jahren sogenannte Lerchenfenster in ihren Felder eingerichtet. Wie viele Lerchenfenster sind nach Erkenntnissen der Landesregierung bis Mitte 2010 eingerichtet worden?

Im Jahr 2010 sind landesweit etwa 10.000 Lerchenfenster eingerichtet worden.