Vogelschutz- und FFH-Gebiete im Kreis Kleve: Kartierungen

In den Vogelschutz- und Flora, Fauna, Habitat (FFH)- Gebieten am Unteren Niederrhein werden seit vielen Jahren Kartierungen über Vorkommnis und Veränderung von Vogelpopulationen und natürlichen Lebensräumen vorgenommen. Die Kartierungen sind wissenschaftliche Ergebnisse, von denen konkrete Politikmaßnahmen im Bereich des Umwelt- und Naturschutzes abgeleitet werden. Als solche müssen die Ergebnisse wiederholbar und objektiv sein. Der wissenschaftliche Anspruch der Kartierungen von Flora und Fauna muss gewährleistet sein.

1. Sind die Untersuchungsergebnisse der Kartierungen von Vogelpopulationen und natürlichen Lebensräumen nach Auffassung der Landesregierung objektiv überprüfbar?

Sowohl die Untersuchungsergebnisse der Kartierungen von Vogelpopulationen als auch von natürlichen Lebensräumen sind grundsätzlich objektiv überprüfbar. Allerdings ist zu beachten, dass bei Freilandkartierungen zum jeweiligen Untersuchungszeitpunkt spezifische äußere Umweltbedingungen vorherrschen, die im Verlauf einer Vegetationsperiode deutlichen Veränderungen unterworfen sind (Witterung, Jahreszeit, Vegetationsaufwuchs etc.). In Verbindung mit natürlichen jährlichen Populationsschwankungen kann dieser Effekt zu variablen Untersuchungsergebnissen führen. Hierin besteht ein methodischer Unterschied zu physikalischen Experimenten, die bei kontrollierbaren Bedingungen stattfinden und stets zu reproduzierbaren Ergebnissen führen.

Vor diesem Hintergrund werden im Falle der Kartierungen von Vogelpopulationen mehrere Kartierdurchgänge innerhalb einer Saison durchgeführt. Wichtig ist dabei, dass die Kartierungen von erfahrenen Kartierern bearbeitet werden, die die standardisierten Kartiermethoden sehr gut beherrschen. Die Überprüfbarkeit der Untersuchungsergebnisse ergibt sich schließlich auch auf der Grundlage der in der Regel auf Mehrjährigkeit angelegten Wiederholungsuntersuchungen.

2. Werden die Untersuchungsergebnisse der Kartierungen zeitnah offengelegt, wobei zeitnah bedeutet, dass zum Zeitpunkt der Offenlegung gleiche Vegetationsbedingungen vorliegen wie zum Zeitpunkt der Kartierung?

Die Ergebnisse einer Kartierung werden nach Abschluss der jeweiligen Kartiersaison ausgewertet und aufbereitet. Bei Kartierungen der Biologischen Stationen werden die Ergebnisse anschließend in den entsprechenden Jahresberichten der Station veröffentlicht. Kartierungen, die als Werkvertrag im Auftrag des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) durchgeführt wurden, werden dem LANUV zum Abschluss des Werkvertrages in schriftlicher Form als Bericht vorgelegt. Je nach Dauer der jeweiligen Untersuchung können zum Zeitpunkt der Fertigstellung des entsprechenden Untersuchungsberichtes andere Bedingungen als zum Zeitpunkt der Kartierung vorliegen (vgl. Antwort zu Frage 1).

3. Können auf Verlangen des Grundeigentümers bzw. des Bewirtschafters Dritte die Untersuchungen wiederholen, wenn gleiche Bedingungen der Vegetation vorliegen, so dass Objektivität und Wiederholbarkeit gewährleistet sind?

Vor dem Hintergrund der in den Antworten zu Frage 2 und 3 dargestellten Rahmenbedingungen bei Freilanduntersuchungen im Zusammenhang mit den variablen Umweltbedingungen, bleibt es einem Grundeigentümer bzw. einem Bewirtschafter überlassen, auf eigene Kosten Untersuchungen durchführen zu lassen.

4. Die Kartierungen können ausschließlich von qualifiziertem Personal im Auftrag des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) des Landes Nordrhein-Westfalen durchgeführt werden.

Durch was wird der Nachweis der Qualifikation erbracht, so dass diese Qualifikation auch gegenüber den Grundstückseigentümern bzw. den Bewirtschaftenden auf Nachfrage erbracht werden kann?

Im Rahmen der Vergabe von Kartierarbeiten prüft das LANUV, ob die Kartierungen von Personen durchgeführt werden, die über fundierte Fachkenntnisse zu den jeweiligen Artengruppen verfügen. Außerdem sollten die Kartierer möglichst langjährige Erfahrungen im Untersuchungsgebiet aufweisen.

5. Wodurch gewährleistet das LANUV als Auftraggeber der Kartierungen, dass sich die mit der Kartierung beauftragten Personen nach § 10 Landschaftsgesetz bei den

Grundeigentümern und/oder Bewirtschaftern vor Beginn der Kartierung anmelden und ausweisen?

Das LANUV kündigt seine Kartierungsabsichten in der Regel gemeinsam mit der unteren Landschaftsbehörde in einschlägigen Zeitungen (Tageszeitungen, Landwirtschaftliche Wochenblätter, etc.) durch Bekanntmachungen oder als Pressemitteilung an. Vor Beginn der Kartierungsarbeiten nimmt das Kartierpersonal mit den Ortslandwirten bzw. den Forstämtern und großen Forstbetrieben direkten Kontakt auf. Das Kartierpersonal erhält eine persönliche Bescheinigung des LANUV (mit Dienstsiegel) und kann sich damit gegenüber Dritten ausweisen. Die in der Schutzgebietsbetreuung vor Ort tätigen Biologischen Stationen und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind den Grundeigentümern/Bewirtschaftern in der Regel persönlich bekannt. Ihr Kartierprogramme werden in jährlichen durch die Bezirksregierung durchgeführten Planungsgesprächen in Abstimmung mit dem LANUV und der ULB festgelegt.