Ist die Landesregierung auf den Fachkräftebedarf in der Frühförderung vorbereitet?

In den nächsten Jahren werden im Bereich der Frühförderung und der Kindertagesstätten zahlreiche pädagogische Fachkräfte benötigt.

So sollen bis 2013 für 32 Prozent aller Unterdreijährigen in NRW Betreuungsplätze zur Verfügung stehen. Studien belegen jedoch, dass diese gesetzliche Zielmarke unter dem tatsächlichen Bedarf liegen wird. Hinzu kommt, dass der Ausbau der Kindertagespflege stockt.

Die wenigsten Fachleute rechnen noch mit einem Anteil der Kindertagespflege von 30 Prozent an den anvisierten Betreuungsplätzen bis 2013. Dies bedeutet eine zusätzliche Steigerung des Ausbaubedarfs in Kindertageseinrichtungen ­ mit der entsprechenden zusätzlichen Fachkräftenachfrage. Dazu weiten sich die Betreuungs- und Öffnungszeiten der Einrichtungen immer weiter aus. Neue Anforderungen, wie die Zunahme der Übermittag- und Ganztagsbetreuung sowie die Flexibilisierung der Öffnungszeiten, werden die Nachfrage nach entsprechend qualifizierten Arbeitskräften nochmals ausweiten.

Ein weiteres Problem ist die unbefriedigende Berufs- und Arbeitsplatzsituation der Kinderpfleger/innen und Erzieher/innen. Die Beschäftigungsverhältnisse sind ganz wesentlich von einer enormen Arbeitsdichte, unfreiwilliger Teilzeitarbeit und befristeten Arbeitsverträgen geprägt. Ein erheblicher Teil der in der Frühförderung Beschäftigten verlässt dieses Arbeitsfeld wieder. Eine Sonderauswertung des Mikrozensus durch die Arbeitsstelle der Kinder- und Jugendhilfestatistik an der TU Dortmund hat ergeben, dass mehr als 1/3 der Beschäftigten das Arbeitsfeld frühzeitig verlässt. In der wichtigen Gruppe der Berufsanfänger/innen unter 25 Jahre kehren rund 30 Prozent diesem Tätigkeitsfeld den Rücken.

Solche Entwicklungen treffen auf besondere pädagogische Anforderungen in der Frühförderung. Von wesentlicher Bedeutung ist hier das unmittelbare Betreuungsverhältnis von Fachpersonal und der Anzahl der Kinder, die sogenannte unmittelbare Fachkraft-Kind-Relation.

Unstrittig ist, dass diese Relation nicht unter Finanzierungsvorbehalt stehen darf, sondern sich ausschließlich am Wohl des Kindes orientieren muss. Wissenschaftliche Erkenntnisse belegen: Je günstiger die unmittelbare Fachkraft-Kind-Relation ist, desto besser werden die Kinder gefördert. Demgegenüber kann eine nicht ausreichende Fachkraft-Kind-Relation nachteilige Folgen für die Möglichkeiten zur individuellen Förderung von Kindern haben.

1. Welche Fachkraft-Kind-Relation sieht die Landesregierung als Minimum an? (bitte nach Kindesalter darstellen)

Nach dem Kinderbildungsgesetz ergibt sich der Schlüssel je nach Gruppenform und Betreuungszeit aus der Anlage zu § 19 i.V.m. § 6 der Vereinbarung zu den Grundsätzen über die Qualifizierung und den Personalschlüssel nach § 26 Abs. 2 Nr. 3 Das wird derzeit einer Grundrevision unterzogen. In einem ersten Schritt soll der Schlüssel durch die Bereitstellung zusätzlicher Mittel für den Einsatz von Kinderpflegerinnen und Kinderpflegern im Bereich der U3-Betreuung verbessert werden.

2. Mit welchem Fachkräftebedarf in Bezug auf die Antwort zu Frage 1 rechnet die Landesregierung bei einem erfolgreichen Ausbau der Plätze für Unterdreijährige bis 2013 im Bereich der Kindertagesbetreuung?

Auch unter Berücksichtigung der demografischen Entwicklung ist von einem steigenden Fachkräftebedarf auszugehen. Konkrete Berechnungen können erst im Rahmen der weiteren Entwicklung vorgelegt werden.

3. Wie möchte die Landesregierung das Arbeitsfeld der Frühförderung und insbesondere die Berufe der Erzieher/in und Kinderpfleger/in attraktiver gestalten?

Die Attraktivität eines Berufsfeldes hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Hierzu gehören neben der gesellschaftlichen Wertschätzung, auch die Entlohnung der Fachkräfte und die Ausgestaltung der Rahmenbedingungen. Mit der Grundrevision des Kinderbildungsgesetzes werden die Rahmenbedingungen für die Kindertagesbetreuung in Nordrhein-Westfalen verbessert.

Die Landesregierung plant, in den Jahren 2011/12 und 2012/13 einen finanziellen Anreiz für die Beschäftigung von 1.000 zusätzlichen Berufspraktikantinnen und -praktikanten in den Kitas zu schaffen

4. Durch welche Maßnahmen will die Landesregierung die Befristung von Arbeitsverträgen und unfreiwillige Teilzeitbeschäftigung in den Kindertagesstätten zurückdrängen?

Die Landesregierung hat keine Möglichkeit auf die konkrete Ausgestaltung der Arbeitsverhältnisse, die den Vertragsparteien obliegt, einzuwirken.

Durch den Ausbau der U 3- Plätze und den Fachkräftebedarf werden die Beschäftigungsmöglichkeiten zunehmen. Mit der Grundrevision des Kinderbildungsgesetzes soll die Planungssicherheit der Träger verbessert werden.

5. Wie will die Landesregierung den schleppenden Ausbau in der Kindertagespflege kompensieren?

Nach Auffassung der Landesregierung ist entscheidend, dass das Ausbauziel mit einer Versorgungsquote von 32 % der Unterdreijährigen erreicht wird. Die Landesregierung unterstützt die Kommunen beim U3-Ausbau sowohl in den Kindertageseinrichtungen als auch in der Kindertagespflege insbesondere bei der Schaffung weiterer Betreuungsplätze. So hat die Landesregierung mit dem Nachtragshaushalt 2010 150 Mio. zusätzlich für investive Maßnahmen zur Verfügung gestellt.