Wissensvorsprung von Landkindern gegenüber Stadtkindern

Das Bild, das Kinder und Jugendliche von Landwirtschaft und landwirtschaftlichen Produktionsmethoden haben, entspricht nicht der Realität, sondern eher der landwirtschaftlichen Situation in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Jugendreport Natur 2010 bestätigt diesen Befund. Für viele Kinder haben Kühe elf Zitzen und legen Hühner drei Eier am Tag.

Das Naturwissen von Neuntklässlern unterscheidet sich kaum von dem von Sechstklässlern.

Der Wissensvorsprung von Landkindern gegenüber Stadtkindern fällt nur gering aus. Kinder und Jugendliche erfahren das Leben und Arbeiten auf dem Bauernhof zunehmend nur noch aus zweiter Hand. Die Wahrnehmung landwirtschaftlicher Themen wird maßgeblich durch einseitig verniedlichende oder skandalisierende Darstellungen geprägt.

Vorbemerkung der Landesregierung Vier Zitzen hat das Euter einer Kuh!

Darüber hinaus ist darauf hinzuweisen, dass sich im Zuge der seit 2004 stattfindenden Umstellung stofforientierter Lehrpläne auf neue kompetenzorientierte Kernlehrpläne bezüglich der Vermittlung von Stoff bzw. Unterrichtsinhalten ein Wandel vollzieht. Dieser zeigt sich u.a. darin, dass über die landesweiten Unterrichtsvorgaben gestufte Erwartungen an die von Schülerinnen und Schülern zu erreichenden Kompetenzen formuliert werden, die sich von der alten Perspektive durchgenommenen Stoffes u.a. durch ihre Könnens- und Ergebnisorientierung sowie ihren Abstraktionsgrad unterscheiden. Vor diesem Hintergrund ist es unter Berücksichtigung von § 29 Abs. 2-3 sowie § 70 Abs. 3-4 Aufgabe der einzelnen Fachkonferenzen bzw. der Lehrkraft, die landesweiten Vorgaben der Kernlehrpläne mit Blick auf die schulischen Vor-Ort-Bedingungen bzw. die Voraussetzungen der Lerngruppe zu konkretisieren. Hierzu gehören insbesondere auch die Ableitung konkreter Unterrichtsvorhaben aus den abstrakteren Vorgaben der Kernlehrpläne sowie die Zuordnung dieser Unterrichtsvorhaben zu einzelnen Jahrgangsstufen.

1. In welcher Form ist das Thema Landwirtschaft in den Lehrplänen unserer Schulen verankert (getrennt nach Schulformen)?

In kompetenzorientierten Kernlehrplänen existiert die Kategorie Thema nicht. Ungeachtet dessen finden sich in den Kernlehrplänen aller Schulformen - vor allem in den Fächern der Lernbereiche Naturwissenschaften und Gesellschaftslehre - Inhaltsfelder, inhaltliche Schwerpunkte bzw. Kompetenzerwartungen mit Bezügen zur Landwirtschaft.

2. Wie beurteilt die nordrhein-westfälische Landesregierung Vorhaben, die das Thema Landwirtschaft in die schulischen Lehrpläne gerade auch in den Mittelund Oberstufen einbinden wollen?

Die Thematisierung der Inhaltsfelder, inhaltlichen Schwerpunkte und Kompetenzerwartungen der Kernlehrpläne im Rahmen konkreter Unterrichtsvorhaben liegt in der Verantwortung der Fachkonferenzen in den Schulen (siehe Vorbemerkung der Landesregierung). Vor diesem Hintergrund gibt es verschiedene Thematisierungsmöglichkeiten mit Bezügen zur Landwirtschaft, die von der Landesregierung jedoch nicht im Einzelnen bewertet werden.

3. Was unternimmt die Landesregierung, um Kinder und Jugendliche über moderne Landwirtschaft realistisch und sachlich zu informieren?

Unabhängig davon, dass die neuen Kernlehrpläne keine Unterrichtsthemen vorgeben, ergeben sich zahlreiche Berührungspunkte zu landwirtschaftlich relevanten Aspekten. Besonders deutlich wird dies in den naturwissenschaftlichen Fächern, in denen sich Schülerinnen und Schüler u.a. mit natürlichen Phänomenen und den von Menschen verursachten Veränderungen in der Natur beschäftigen. Dabei werden etwa unter biologischen Fragestellungen Artenkenntnis, Pflanzenkeimung und Pflanzenwachstum sowie die Züchtung von Nutztieren und Nutzpflanzen behandelt. Im Bereich Körperfunktionen und gesunde Ernährung werden in der Regel Aspekte der Nahrungsmittelproduktion angesprochen. Zu weiteren landwirtschaftlich relevanten Inhalten zählen etwa Sonnenenergie und Jahreszeiten, ökologische Zusammenhänge, die Nutzung von Wasser sowie die Herstellung und Verwendung spezieller Salze zur Düngung. In den Fächern der Gesellschaftslehre werden den Schülerinnen und Schülern landwirtschaftliche Aspekte explizit vor allem über die eigenständigen Inhaltsfelder Arbeit und Versorgung in Agrarräumen sowie. Die Ressource Wasser und ihre Nutzung in städtisch, landwirtschaftlich und touristisch geprägten Räumen sowie implizit in zahlreichen weiteren Inhaltlichen Schwerpunkten vermittelt.

4. Wie unterstützt die Landesregierung die Landwirtinnen und Landwirte bei ihren Bemühungen, die Kenntnisse der Kinder über die Landwirtschaft in ihrer Region zu verbessern?

Die Landesregierung unterstützt den Verein Stadt und Land mit einer institutionellen Förderung. Der Verein koordiniert Anfragen von Schulen und vermittelt dazu den passenden Bauernhof. Er bietet Fachforen für Landwirtinnen und Landwirte an, in denen ein pädagogisches Konzept für die einzelnen Hofformen formuliert wird. In seiner Homepage www.stadtundlandnrw.de bietet Stadt und Land aktuell die Broschüre Praxistipps für Landfrauen und Landwirte ­ machen Sie aus Ihrem Bauernhof einen Lernort an. Damit die Kenntnisse der Kinder über die Landwirtschaft in der Region verbessert wird, ist es wichtig, auch die Lehrerinnen und Lehrer mit einzubeziehen. Stadt und Land koordinierte 2010 15 Lehrerfortbildungen mit 365 Lehrkräften, die sich über landwirtschaftliche Themen informierten.