Stadtteilmütter in NRW ­ ein Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt?

In einem gemeinsamen Projekt der Bundesagentur für Arbeit und des Arbeitsministeriums werden ab dem 1. Februar 2011 25 in Essen und ab März in Bochum und Dortmund 50 erwerbslose Migrantinnen als soziale Ansprechpartnerinnen für Migrantenfamilien in ihrem Stadtteil qualifiziert. Während der 18-monatigen Projektphase erhalten die Frauen Leistungen zur Grundsicherung für Arbeitssuchende vom zuständigen Jobcenter. Durchgeführt wird das Projekt von der Diakonie Rheinland ­ Westfalen ­ Lippe, den Jobcentern und den Standorten der Diakonie vor Ort. Dem Projekt stehen insgesamt 1,522 Millionen Euro zur Verfügung. Davon entfallen 1,1 Millionen auf die Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit, 360.000 Euro stellt das Arbeitsministerium aus EU Mitteln. Die Diakonie beteiligt sich mit 62.000 Euro.

Guntram Schneider, Arbeitsminister in NRW, beschreibt den Hintergrund des Projektes wie folgt: Menschen mit Zuwanderungshintergrund wissen oft nicht, an wen sie sich mit ihren Fragen und Problemen wenden können. Weil die Stadtteilmütter selbst Kinder haben, die Sprache ihrer Klienten sprechen und deren Probleme kennen, werden sie akzeptiert und sind ideale Multiplikatorinnen. Dass wir mit diesem Projekt gleichzeitig die persönlichen und beruflichen Potentiale noch arbeitsloser Migrantinnen erschließen, freut mich als Arbeits- und Integrationsminister besonders.

1. Erhalten die Frauen die Leistungen zur Grundsicherung von Arbeitssuchenden unabhängig vom Einkommen ihres Partners/ ihrer Partnerin oder anderer im Haushalt lebenden Angehörigen?

Nein, die Frauen erhalten während der vorgeschalteten sechsmonatigen Qualifizierungsphase Leistungen zur Grundsicherung für Arbeitsuchende in Abhängigkeit vom Einkommen der Bedarfsgemeinschaft (§ 9 Abs. 2) oder der Haushaltsgemeinschaft (§ 9 Abs. 5 SGB II).

2. Erhalten die Frauen zusätzlich zur Grundsicherung die Mehraufwandsentschädigung nach § 16d des SGB II? Nein, es handelt sich nicht um eine Arbeitsgelegenheit in der Mehraufwandsvariante. Geplant ist im Anschluss an die Qualifizierungsphase eine einjährige Tätigkeit im Rahmen einer Arbeitsgelegenheit in der Entgeltvariante (AGH-E) nach § 16 d Satz 1 SGB II. Hierfür wird ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis im Sinne des Arbeitsrechts begründet, die Arbeitnehmerin erhält ein Arbeitsentgelt.

3. Welche Qualifikation haben die Frauen nach Abschluss des Projektes?

Die Frauen werden nach Abschluss des Projektes individuell unterschiedliche Qualifikationen haben.

Für die schrittweise Heranführung der Stadtteilmütter an den Arbeitsmarkt setzt das Qualifizierungsangebot niedrigschwellig an einer Einstiegsqualifizierung an, in der fachsprachliche Kompetenzen vermittelt werden, Schlüsselqualifikationen für zukünftige Berufsfelder aufgebaut (Konfliktmanagement, soziale Kompetenz, Kommunikationsfähigkeiten) und Inhalte der zukünftigen Tätigkeit der Stadtteilmütter im Rahmen von Beratungsmodulen (Familie und Erziehung, Gesundheit und Prävention, Ausbildung und Arbeit) geschult werden.

Im nächsten Schritt wird in Form einer Arbeitsgelegenheit in der Entgeltvariante die Heranführung an den Arbeitsmarkt vorgenommen. Auch hier wird die Qualifizierung fortgeführt.

Dabei sollen nicht nur die Beratungsmodule auf den aktuellsten Stand gebracht werden, es sollen auch Qualifizierungsanteile für zukünftige potenzielle Arbeitsfelder vermittelt werden.

In einem dritten Schritt soll es zu einer Integration der Stadtteilmütter in den ersten Arbeitsmarkt kommen. Hierbei besteht je nach vorhandenen individuellen Kompetenzen und Bedarf auch die Möglichkeit einer Förderung der beruflichen Weiterbildung

4. Wie viele Stunden der Wochenarbeitszeit entfallen auf Weiterbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen?

Die Einstiegsqualifizierung umfasst 480 Unterrichtseinheiten, verteilt auf 24 Wochen mit jeweils 20 Unterrichtseinheiten.

Während des Einsatzes können die Stadtteilmütter im Rahmen der AGH-E maximal 8 Wochen oder ca. 320 Stunden verteilt über ein Jahr qualifiziert werden.

5. Falls es nach Abschluss des Projektes nicht zur Einrichtung von sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen in den Stadtteilen kommt ­ welche weiterführenden Arbeitsangebote können von den Frauen mit der dann erreichten Qualifikation wahrgenommen werden?

Sollte nach dem Durchlaufen des Projektes trotz der begleitenden Unterstützung durch das Jobcenter und durch einen Jobcoach die Integration in den 1. Arbeitsmarkt nicht gelingen, besteht die Möglichkeit, an einer weiteren beruflichen Qualifizierungsmaßnahme entsprechend den örtlichen Arbeitsmarktbedürfnissen teilzunehmen. Weiterhin stehen grundsätzlich auch alle anderen Eingliederungsinstrumente zur Verfügung. Dadurch kann die Teilnehmerin ihre beruflichen Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten erweitern und ggf. eine Berufsausbildung beginnen. Sollte auch dieser Übergang nicht gelingen, so kann in Einzelfällen, wenn ein besonderes arbeitsmarktpolitisches Interesse besteht, die Beschäftigung in der AGH-Eum bis zu weitere 12 Monate verlängert werden.