Warum erschwert die Landesregierung die Einführung des alevitischen Religionsunterrichtes?

Die »Alevitische Gemeinde Deutschland e.V.« (AABF) ist eine nach Art. 7 des Grundgesetzes anerkannte Religionsgemeinschaft. Eine wesentliche Folge dieser Anerkennung war der Anspruch alevitischer Eltern auf Einführung des bekenntnisorientierten alevitischen Religionsunterrichtes an staatlichen Schulen in mehreren Bundesländern, u. a. in Nordrhein-Westfalen.

In letzter Zeit häufen sich jedoch Meldungen, dass die Einführung des alevitischen Religionsunterrichtes dadurch behindert wird, dass keine Lehrerinnen bzw. Lehrer zur Verfügung gestellt werden.

1. Wie bewertet sie (die Landesregierung) das Angebot für alevitischen Religionsunterricht?

Die Gründe, die die damalige Landesregierung zur Einführung des Schulversuchs alevitischer Religionsunterricht veranlasst haben, werden von der amtierenden Landesregierung geteilt.

2. Warum haben die Bezirksregierungen für mehrere Schulstandorte, an denen alevitische Schülerinnen und Schüler in ausreichender Zahl angemeldet worden sind (Aachen, Bergisch-Gladbach, Duisburg, Hamm, Kamp Lintfort, etc.), die jeweils vorgesehene Lehrkraft immer noch nicht abgeordnet?

Trotz ausreichender Schülerzahl ist eine Abordnung u. a. nicht erfolgt, weil keine Lehrkraft alevitischen Glaubens hierfür zur Verfügung steht. Die Anfrage nach einem weiteren Unterrichtsangebot in Duisburg von Feb. 2011 wird bearbeitet. Ein Beginn des Unterrichts während des laufenden Schuljahres ist nicht möglich. Der Unterricht mit der entsprechenden Abordnung wird zum kommenden Schuljahr starten. Darüber hinaus haben die Bezirksregierungen festgestellt, dass der Bildungsbeauftragte der alevitischen Gemeinde (AABF) zur Beschleunigung des Verfahrens zur Unterrichtsaufnahme unmittelbar Kontakt zu Schulämter und Schulen aufgenommen hat. Die Beteiligten wurden angehalten, zu einem geordneten Verfahren zurückzukehren.

3. Wie ist es möglich, dass Schulleitungen die Bereitschaft zur Erteilung von alevitischen Religionsunterricht verweigern können?

Dem Ministerium für Schule und Weiterbildung ist kein Fall bekannt, dass Schulleitungen von Grundschulen bei vorliegenden Voraussetzungen die Bereitschaft zur Erteilung von alevitischen Religionsunterricht verweigert hätten. Das Problem, dass sich vermehrt Schulleitungen der Sek. I und II weigern, Lehrkräfte für die Erteilung von alevitischen Religionsunterricht an Grundschulen ohne Stellenausgleich abordnen zu lassen, ist, wie in der Antwort zur Frage 4 ausgeführt, gelöst.

4. Wie beurteilt sie (die Landesregierung) die Aussage der Zeitschrift Lehrer NRW (2/2011), wonach die notwendigen Stellenanteile zur Erteilung des entsprechenden Unterrichts aus dem Realschulkapitel ohne Gegenleistung geschnitten werden sollen?

Soweit Lehrkräfte anderer Schulformen für alevitischen Religionsunterricht an Grundschulen bzw. an Fortbildungsmaßnahmen für alevitischen Religionsunterricht in Grundschulen teilnehmen, wird seit dem 01. Februar 2011 im Rahmen der Stellenbewirtschaftung durch die Schulaufsicht ein Ausgleich zwischen den Schulen hergestellt.

5. Kann die Landesregierung verbindlich zusagen, dass ein eigenständiger alevitischer Religionsunterricht auch zukünftig gewährleistet sein wird?

Nein. Die Erteilung des alevitischen Religionsunterrichts hängt entscheidend davon ab, dass die Kinder alevitischen Glaubens von ihren Eltern an der Schule für den Religionsunterricht angemeldet werden und so ausreichend große Lerngruppen (mindestens 12 Schülerinnen und Schüler) zustande kommen. Ein eigenständiges Unterrichtsfach alevitischer Religionsunterricht wird angestrebt. Zur Vorbereitung wurde mit Beginn des Schuljahres 2008/09 ein Schulversuch mit einer Laufzeit von sechs Jahren begonnen. Fragen zur zukünftigen Entwicklung können frühestens nach Auswertung der Evaluation, die am Ende dieses Schuljahres erfolgen wird, getroffen werden.