Biologische Vielfalt: Bestände gefährdeter Nutztierrassen in NRW

Biologische Vielfalt ist von immenser Bedeutung für uns und unsere Umwelt.

Zum einen sichert biologische Vielfalt den Bestand einzelner Tierarten, denn die Gefahr einer starken Dezimierung bis hin zur Ausrottung durch spezielle Krankheitserreger wird durch einen breiten Genpool der Arten verringert.

Zum anderen ist biologische Vielfalt aber auch gerade im Hinblick auf unsere Nutztiere Kulturgut. Alte Nutzierrassen bringen uns die landwirtschaftliche Kultur unserer Vorfahren näher und vermitteln uns Wissen über deren Lebensweisen.

Eine einseitige Ausrichtung auf wenige Rassen besonders in der Leistungszucht birgt eine große Gefahr. Die zur einseitigen Nutzung gezüchteten Rassen sind meist weniger widerstandsfähig gegenüber äußeren Einflüssen als viele alte Rassen. Schon eine geringe Zahl differenter Erreger kann daher eine ernste Gefahr für unsere Nutztierhaltung darstellen.

Biologische Vielfalt bei Nutztieren ermöglicht langfristig auch eine Stärkung und Sicherung unserer Nutztierbestände, weil alte Rassen auch eine wichtige genetische Reserve für die Züchtung darstellen.

Doch trotz der Vorteile der biologischen Vielfalt und deren Bedeutung auch als Kulturgut ist die Zahl der alten Nutztierrassen stetig sinkend, im gesamten Bundesgebiet galten 2010 schon 54 von 65 einheimischen Großtierrassen als gefährdet. Besonders die einseitig auf hohe Erträge ausgerichtete Erzeugung von Fleisch und Milch hat zu dieser extremen Reduzierung der Vielfalt an Nutztierrassen geführt.

Diese Tendenz hin zu wenigen, speziell für eine einseitige Nutzung gezüchtete Rassen gilt es zu stoppen, um die genetischen Reserven alter Haustierrassen zu erhalten und um das landwirtschaftliche Kulturgut auch nachfolgenden Generationen zu hinterlassen.

1. Welche Bedeutung misst die Landesregierung dem Erhalt alter Rassen zu?

Alten Haustierrassen, die an die natürlichen Umweltbedingungen angepasst sind, misst die Landesregierung besondere Bedeutung - vor allem im Zuge von Maßnahmen zur Erhaltung und Pflege der Kulturlandschaft und als Genreserve ­ zu. Die Landesregierung fördert alte Nutztierrassen im Rahmen des NRW-Programms Ländlicher Raum über die Richtlinien zur Förderung der Zucht vom Aussterben bedrohter lokaler Haustierrassen. Mit der Förderung der Zucht und Haltung vom Aussterben bedrohter Haustierrassen, die von der EU zu 50% kofinanziert wird, soll ein Beitrag geleistet werden, die genetische Vielfalt mit Hilfe von lebenden Populationen für die Zukunft zu erhalten. Dabei wird besonders auf Merkmale wie zum Beispiel Krankheitsresistenzen, Genügsamkeit und Robustheit Wert gelegt, die ansonsten vielleicht für immer verloren gehen. Alte Haustierrassen sind darüber hinaus auch unser Kulturgut, das es ebenso wie alte Baudenkmäler oder Kunstobjekte zu bewahren gilt.

Insgesamt leistet das Land Nordrhein-Westfalen hiermit einen wichtigen Beitrag zu den nationalen und internationalen Aktivitäten zur Erhaltung tiergenetischer Ressourcen als Teil der sogenannten Agrobiodiversität.

Das Bundesministerium (BMELV) hat in Zusammenarbeit mit den zuständigen Fachreferenten der Bundesländer, der Deutschen Gesellschaft für Züchtungskunde sowie einigen Zuchtorganisationen und wissenschaftlichen Instituten ein Nationales Fachprogramm für Tiergenetische Ressourcen entwickelt und 2004 in einer umfangreichen Publikation veröffentlicht. In dieser ist u.a. angegeben, wie die Rassen in verschiedene Gefährdungsstufen kategorisiert werden können und welche Maßnahmen ergriffen werden sollen, um diese langfristig zu erhalten.

2. Welche gefährdeten Nutztierrassen in NRW sind dem Ministerium bekannt?

Hier ist eine Unterscheidung zwischen bekannten und geförderten Rassen (s.o.) sinnvoll.

Auf der Internetseite der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) sind unter dem Link www.genres.de/haus-und-nutztiere umfassende Informationen zu der Agrobiodiversität eingestellt. Hier wurde auch eine Einteilung in die verschiedenen Gefährdungsstufen vorgenommen. Außerdem gibt es eine Datenbank, auf der die Fördermaßnahmen der einzelnen Bundesländer in diesem Bereich veröffentlicht sind. Unter dem Link tgrdeu.genres.de sind unter dem Stichwort Förderung die Fördermaßnahmen nach Bundesland aufgelistet. Hier kann beispielsweise auch die Bestandsentwicklung bei den geförderten Tierrassen aber auch bei von allen anderen in der Bundesrepublik gehaltenen Rassen eingesehen werden.

Die dort aufgeführten Rassen werden von einem wissenschaftlichen Beirat, der das Bundesministerium berät, festgelegt. Diese Auflistung geht dann als Empfehlung an die EU, die diese in eine Liste über aussterbende Haustierrassen aufnimmt.

Rassen dieser Liste dürfen, müssen aber nicht gefördert werden. Die Länder haben sich darauf verständigt (u.a. wegen knapper Haushaltsmittel), dass das jeweilige Land grundsätzlich nur die jeweils heimischen Rassen fördert.

3. Welche Bestände an Tieren und weiteren genetischen Ressourcen (Sperma, Embryonen) sind von diesen Rassen noch vorhanden (bitte einzeln auflisten)?

Der Landesregierung liegen nur die Anzahl der geförderten Tiere der verschiedenen Rassen vor. Da nicht alle Halter eine Förderung beantragen bzw. nicht förderberechtigt sind, ist dieses Datenmaterial nicht vollständig. Wegen des Umfanges der Daten verweise ich ebenfalls auf den unter Antwort 2 genannten Link tgrdeu.genres.de. Die dort veröffentlichen Daten über den Tier- und Samenbestand wurden anhand von freiwilliger Meldungen durch die Zuchtorganisationen und Besamungsstationen bzw. Samendepots zusammengestellt.

4. Welche Bestände sind von den Rinderrassen Rotbuntes Niederungsrind, DN und Deutsches Schwarzbuntes Niederungsrind alter Zuchtrichtungen in NRW derzeit vorhanden (bitte einzeln mit Ortsangabe auflisten)?

Der Landesregierung steht selbst kein Datenmaterial zur Verfügung und verweist daher auf die oben genannte Internetverbindung.

Ein Auszug aus diesen Listen, die auf freiwilligen Meldungen beruhen, ist nachfolgend aufgeführt.

5. Welche Möglichkeiten sieht die Landesregierung, um die Zucht gefährdeter Nutztierrassen in NRW über Regionale Absatzförderung und Vermarktungsförderung zu unterstützen?

Die Förderung der Vermarktung gefährdeter Nutztierrassen in NRW ist im Rahmen der beiden Förderprogramme Absatzförderung und Marktstrukturverbesserung möglich. Zu den Maßnahmen der Marktstrukturverbesserung zählt beispielsweise die Bezuschussung von Vermarktungskonzeptionen, wie Marktanalysen, auf die Vermarktung bezogene Beratungsund Planungsmaßnahmen sowie Machbarkeitsstudien. Im Rahmen der Absatzförderungsrichtlinie des Landes NRW wird beispielsweise die Vorbereitung der Beantragung und Anerkennung von regionalen Spezialitäten auf EU-Ebene unterstützt. So bereitet derzeit die Schutzgemeinschaft für Bunte Bentheimer die EU-Anerkennung als geschützte traditionelle Spezialität (g.t.S.) mit Unterstützung des Landes vor. Darüber hinaus kommen Absatzförderungsmaßnahmen wie die Durchführung und Teilnahme von/an Messen und Ausstellungen bzw. Aus- und Fortbildungsveranstaltungen sowie Verbraucherinformationen dafür in Frage.