Gesundheitliche Probleme von Migrantinnen und Migranten sind in vielen Untersuchungen dokumentiert

Kooperation mit der Universität Bochum Clusteranalysen zur Klassifizierung von soziodemographisch unterschiedlichen Gebietstypen durchgeführt, um den Zusammenhang zwischen sozialer Lage und Gesundheit zu untersuchen. Mit diesem Verfahren können für NRW hochsignifikante Zusammenhänge zwischen soziodemographischen Gebietstypen und den regionalen Ausprägungen verschiedener Gesundheitsindikatoren nachgewiesen werden. Anhand der Faktoren Urbanität und soziale Problemlagen, Alterung und Schrumpfung sowie Wohlstand lassen sich die 54 Kreise in NRW sechs Clustern zuordnen, wobei sich das Cluster Arme Städte und Kreise im strukturellen Wandel (Ruhrgebiet und Ruhrgebietsrandzone) mit einer Häufung gesundheitlicher Beeinträchtigungen hervorhebt. Dem stehen die Cluster Wachsende Familienzone und Wachsende prosperierende Kreise gegenüber, die sich aus 20 ländlich strukturierten Kreisen zusammensetzen und die bei den untersuchten Gesundheitsindikatoren durchgängig bessere Werte als der NRW-Durchschnitt aufweisen. Bei den so genannten Vermeidbaren Sterbefällen wie z. B. Sterbefälle wegen ischämischer Herzkrankheit oder Lebererkrankungen im Alter unter 65 Jahren weisen einzelne Ruhrgebietsstädte Mortalitätsraten auf, die um 50 bis 70% über dem Landesdurchschnitt liegen. Der Anteil Lebendgeborener mit geringem Geburtsgewicht.

Gesundheitliche Probleme von Migrantinnen und Migranten sind in vielen Untersuchungen dokumentiert worden, die hier nicht im Einzelnen aufgeführt werden können. Wichtig hierbei ist die Aufenthaltsdauer der Migrantinnen und Migranten im Land. So konnte für NRW mehrfach nachgewiesen werden, dass die Säuglingssterblichkeit bei Familien mit Migrationsgeschichte, die sich erst kurze Zeit in NRW aufhalten, bedeutend höher liegt als der Landesdurchschnitt. Bei Familien mit Migrationsgeschichte, die bereits seit mehreren Jahren in NRW wohnen, nähert sich die Rate der Säuglingssterbefälle mehr und mehr der deutschen Bevölkerung an. Ein weiterer Punkt sind Sprachprobleme, die den Zugang zum Medizinsystem erschweren und ebenfalls mit zunehmender Aufenthaltsdauer zurückgehen.

4. In welchem Ausmaß spielen die Sterblichkeit als auch die Krankheitshäufigkeit in einzelnen Regionen in Nordrhein-Westfalen bei der Versorgungsplanung eine Rolle?

Derzeit gibt es keine Versorgungs-, sondern eine Bedarfsplanung im ambulanten Bereich.

Diese orientiert sich an Raumordnungsregionen und veralteten Verhältniszahlen (Anzahl von Ärztinnen/Ärzten im Verhältnis zur Anzahl der Einwohnerinnen und Einwohner). Sterblichkeit und Krankheitshäufigkeit/Morbidität bleiben bislang unberücksichtigt. Die Länder halten diesen Zustand für reformbedürftig und haben insofern in der 83. Gesundheitsministerkonferenz am 1. Juli 2010 die Berücksichtigung von Demographie und Morbidität bei der Bedarfsplanung gefordert. Die Länder drängen darauf, dies in dem vom Bund beabsichtigten Versorgungsgesetz gesetzlich zu normieren. Der Bund aber hat grundsätzliche Bedenken gegenüber der Erhebung von Morbidität. Die Demographie findet seit letztem Jahr Berücksichtigung in der Bedarfsplanung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA).

5. Welche Probleme gibt es bei der Erhebung, Auswertung und korrekten Einschätzung dieser Daten als Grundlage für eine passende Planung der Gesundheitsversorgung für die Bürger in Nordrhein-Westfalen?

Aufgrund fehlender Morbiditätsberücksichtigung ist eine passgenaue Planung derzeit nicht möglich. Eine Voraussetzung, um notwendige Daten zu erhalten, ist die Umsetzung der Kodierrichtlinien, die ab 1. Januar 2012 erfolgen soll.

Davon unabhängig hat das Gesundheitsministerium bereits im September 2010 eine Gruppe von Expertinnen und Experten beauftragt, die Herausforderungen an das Gesundheitssystem fundiert zu ermitteln. Dabei erfolgt in einem sogenannten Priorisierungsprojekt zunächst eine Bestandsaufnahme der gesundheitlichen Lage der Bevölkerung und der Versorgungsstrukturen. Ein zweites Modul umfasst Modellrechnungen unter Berücksichtigung des demografischen Wandels. Hiervon werden Empfehlungen für Vorgaben der Gesundheitspolitik, für die Forschung, für neue Programme und medizinische Versorgungslandschaft entwickelt. Abschließend sollen auf dieser Basis die wichtigsten Handlungsfelder benannt werden.