Absolventen

Zu diesen Aspekten haben wir in den letzten Jahren regelmäßig geforscht.

Die zunehmenden Herausforderungen, die sich mit der Inklusion stellen werden, werden von uns seit Ende der 1990er Jahre in den Blick genommen, sowohl im Hinblick auf die Individualisierung von Lernen als auch in der Weiterentwicklung des Unterrichts in allen Fachbereichen.

Auch die Erforschung dazu notwendiger Personalentwicklung (z.B. verschiedene Formen von Fortbildung in und außerhalb der Laborschule) und Organisationsentwicklung (z.B. Lernen in jahrgangsgemischten Gruppen) standen und stehen auf der Forschungsagenda der vergangenen Jahre.

· Ein erweitertes Verständnis von Lernen

- Dazu haben wir ­ unserem Gründungsprinzip Lernen aus Erfahrung entsprechend ­ vielfältige Formen des selbsttätigen, forschenden, fachlichen wie überfachlichen Lernens erprobt und dokumentiert.

Ein damit verbundenes erweitertes Leistungsverständnis, das eine ermutigende Bewertung des Einzelnen (durch regelmäßige, schriftliche Berichte statt Noten), eine Leistungspräsentation (z.B. in Form von Portfolio) und Selbstreflexionen sowie gegenseitiges Feedback einschließt, ergänzt das individuelle Lernen.

Der Bedeutung der Partizipation der Schülerinnen und Schüler an ihrem Lernen (z.B. in Form einer frühen Profilbildung) aber auch am Schulleben im Sinne einer Motivationssteigerung haben wir uns in weiteren Forschungsprojekten gewidmet.

· Genaues Verständnis vom Lernen der Einzelnen: als Individuum und in der Gruppe

- Dazu haben wir Forschung und Entwicklung vor allen Dingen zu den Aufgaben von Diagnose, ihrer pragmatischen Handhabung und dem sich daraus abgeleitetem individuellen Lernen gemacht.

Aber auch der wichtige Aspekt des Lernens in Gemeinschaft, des gemeinsamen Bildungserlebnisses, des Herausbildung von Sozialkompetenz ist von uns quantitativ wie qualitative untersucht worden.

Anknüpfend an unsere Tradition der Geschlechterforschung haben wir uns in den vergangenen Jahren ­ im Rahmen einer Langzeitstudie -insbesondere dem Lernen der Jungen gewidmet.

Unsere nunmehr 25-Jährige Absolventenstudie erfasst inzwischen nicht nur quantitativ den Selbstreport unserer Schülerinnen und Schüler beim Verlassen der Laborschule und drei Jahre später, sondern wird ergänzt durch Interviewaussagen Einzelner.

· Schule als lernende Institution

- Wie pädagogisches Personal fortgebildet wird, wie eine ganze Institution lernt, stand neben der o.g. Entwicklung von Unterricht, dem Blick auf die Lernenden stets in den Forschungsplänen. Fragen der Implementation und Nachhaltigkeit von Schulentwicklungsprozessen spielten dabei ebenso eine Rolle wie die Förderung innovativen Potentials bei den Lehrenden und der Bedeutung von Reflexions- und Kooperationsfähigkeit für professionelles Handeln.

2. Welche Regelungen hat die Schule bisher gefunden, um mit an der Arbeit der Schule Interessierten, mit wissenschaftlich Arbeitenden und Studierenden, Praktikumswünschen und Forschungsvorhaben von außen umzugehen?

Die Schule bietet mehrmals jährlich Besuchernachmittage in der Schule an, zu denen sich alle Interessierten anmelden können. Die Schule wird vorgestellt, von unseren Schülerinnen und Schülern gezeigt ­ für Fragen wird so viel Zeit eingeplant, bis ausnahmslos alle beantwortet sind. Die Termine stehen im Internet. Wir bitten um Anmeldung größerer Gruppen für unsere Planungen, beschränken aber bisher nicht. Darüber hinaus bieten wir zusätzliche Termine nach Absprache auch außerhalb dieses Plans an, wenn eine ausreichend große Gruppe dies wünscht, lassen uns in Vorlesungen und Seminare einladen, um dort die Schule und ihre Arbeit vorzustellen.

Studierende der Universität Bielefeld und anderer Universitäten bewerben sich an der Laborschule für eines ihrer Praktika. Ein Kollege ist für die Koordinierung und Betreuung der Praktikantinnen und Praktikanten zuständig. Die Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Lehrerbildung ist seit Jahren gut.

Im Jahre 2010 haben wir insgesamt 31 Studierende betreut, davon 15 aus Bielefeld. Bis zum Ende dieses Schuljahres haben wir bereits 19 Anmeldungen, davon werden 10 Studenten Fallstudien durchführen.

Wir erhalten beinahe täglich Anfragen von Studierenden, die bei uns und über uns Fallstudien, Hausarbeiten oder andere wissenschaftliche Arbeiten anfertigen wollen. Oft entstehen diese Anfragen alleine aus dem Wunsch heraus, ein ortsnahes Forschungsfeld zu haben.

Würden wir diese Anfragen nicht regeln, wäre der Unterrichtsalltag mehr noch gestört als ohnehin schon, wären unsere Schülerinnen und Schüler in kürzester Zeit vollkommen überforscht und würden sich den eigenen Vorhaben im Rahmen des Forschungs- und Entwicklungsplans nicht mehr öffnen. Daher haben wir folgende Regelung gefunden, nach der wir seit Jahren verfahren: Forschungsvorhaben sowohl von Studierenden als auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern werden bei der Gemeinsamen Leitung eingereicht, gesichtet, vorgestellt, genehmigt oder abgelehnt.

3. Inwieweit öffnet sich die Schule für Lehrerinnen- und Lehrerbildung in Universitäten und Studienseminaren?

Eine Übersicht darüber, von wem unsere Besuchernachmittage angenommen werden, zeigt deutlich, dass sich zunehmend Gruppen der Universität Bielefeld, mehr noch anderer Universitäten anmelden, Studienseminare dies zum festen Programm ihrer Ausbildung machen. Die Studienseminare Bielefeld und Paderborn laden uns zusätzlich zu den Besuchen ein, in den Haupt- oder Fachseminaren Vorträge über die Schule zu halten ­ turnus- und pflichtgemäß allerdings nur im Bereich der Primarstufen-, Sekundarstufen-I- und Sonderpädagogenausbildung.

Zusammengefasst hatten wir bei den Besuchertagen der letzten beiden Jahre insgesamt etwa 2000 angemeldete Besucherinnen und Besucher zu Gast, darunter 7 Studienseminargruppen, 4 Gruppen aus der Universität Bielefeld, 40 Gruppen aus anderen Universitäten, 38 Gruppen aus Schulkollegien, 4 aus dem Ausland, 3 Kitagruppen und 13 andere Gruppen.

Mehrmals im Monat empfängt die Schule darüber hinaus Gruppen, die am Unterricht teilnehmen, also einen Hospitationsplatz angeboten bekommen ­ in den letzten beiden Jahren insgesamt etwa 600 Personen.

Zurzeit beträgt die Wartezeit für einen Hospitationsplatz mehr als ein Jahr. In den vergangenen zwei Jahren haben (auszugsweise) folgende Statusgruppen in der Schule hospitiert (zusätzlich zu den Praktikantinnen und Praktikanten): Studierende, Studierendengruppen aus dem Ausland, Studienseminare, Lehrerkollegien und Schulleitungen, bildungspolitische Gruppen (vgl. Anhang dazu).

4. Was tut die Schule, um ihre Verfasstheit, ihre Schulentwicklung, die Ergebnisse ihrer Arbeit und neue Vorhaben anderen Schulen verfügbar zu machen?

Veröffentlichungen ­ Eine Liste liegt dem Beirat jedes Jahr vor. In Redaktionen von Zeitschriften sind zur Zeit fest Mitarbeitende in der Redaktion der PÄDAGOGIK Sabine Geist als Nachfolgerin für Annemarie von der Groeben; in NEUE DEUTSCHE SCHULE und SCHÜLERHEFTE FRIEDRICH VERLAG Christine Biermann. Inwieweit die Schule hier wirksam ist, lässt sich nur schwer evaluieren. Oft ist es anderen Schulen nicht bewusst, dass das, was sie selbst an Veränderungen erwirken, ihren Ursprung in der Laborschule hat (direkt: Projekte im Bereich genderbewusster Umgang in der Schule, beispielsweise Haushaltspass oder Kitapraktikum; Lernen in 60-Rhythmen; indirekt: frühes Fremdsprachenlernen; Praktikumskonzepte; Portfolioarbeit; Jungen in der Schule...). Während jedoch vor PISA (um dies etwas leger und ungenau einzuordnen) Verlage oder Veröffentlichungsorte die Nennung der Laborschule in Titel oder Text eher verkaufhinderlich fanden, kehrt sich dies nach PISA um, was deutlich einen Wandel in der Wahrnehmung der Schule zeigt.

Vorträge, Seminare, Workshops ­ Die Schule wird zunehmend nachgefragt für Vorträge sowohl zum Gesamtkonzept als auch zu Einzelfragen in der Folge, wie beispielsweise Lernen in heterogenen Gruppen, Individualisierung, Inklusion, Jahrgangsmischung, Portfolio... bei gleich bleibendem Interesse an den früheren Themen wie Gender, Sportcurriculum, Leistungsbewertung, ... Das Interesse an unserer Arbeit ist zudem in der deutschsprachigen Schweiz, in Südtirol, in Österreich und in den letzten Jahren auch Schweden groß ­ dorthin werden wir häufig eingeladen zu Kongressen, Vorträgen, Gestaltung von Seminaren, Gastprofessuren (Linz) und mehrtägigen Kompaktseminaren (Luzern). Die Zusammenarbeit mit dem Ausland wird zudem durch die bevorstehende Mitarbeit im Bündnis CARN zu Action Research gefördert. (Etwa 35 Vorträge, 14 ganztägige Fortbildungen... eine unvollständige Zusammenstellung findet sich im Anhang.

Bildungspolitische Arbeit ­ Das Interesse der GEW und der GGG an unserer Arbeit war immer schon groß und ist es geblieben. Um dies lebendig zu erhalten, arbeiten Mitglieder der Schule in der GEW mit, sind im Landesvorstand der GGG vertreten und im Sprecherrat der Gesamtschulleiterinnen und -leiter NRW. Vertreterinnen der Schule sind regelmäßig auf GGG Bundes- und Landeskongressen und bei vielen Veranstaltungen der GEW auf Landesund Bundesebene eingeladen, Vorträge zu halten oder Workshops anzubieten. Die Schulleitungsvereinigung plant alle zwei Jahre Schulbesuche im Ausland ­ an denen in Kanada, Südtirol (federführend in der Planung) und Finnland hat die Laborschule teilgenommen. Neu hinzugekommen ist ein gestiegenes Interesse an unser Arbeit aus der Politik heraus: Kommunen interessieren sich im Rahmen ihrer Gemeinschaftsschulentwicklung für uns (am 4. Februar 2011 waren erstmals mehr als 80 Vertreterinnen und Vertreter von Kommunen bei unserem offenen Besuchernachmittag), die bildungspolitischen Ausschüsse im Landtag fragen nach uns als Experten zu Themen wie längeres gemeinsames Lernen, Inklusion ­ politische Initiativen aus anderen Bundesländern laden uns ein (Berlin, runder Tisch zur Gemeinschaftsschule).