Absolventen

Der Beirat empfiehlt daher nachdrücklich die weitere Beobachtung der ausgewählten (bis in die Stufe II hinein) und schlägt vor, dabei auch andere Merkmale als die der Nutzung von Lernzeit zu berücksichtigen. Darüber hinaus regt er an, die Auswertung weiter zu differenzieren und etwa Zusammenhänge zwischen produktiv genutzter Lernzeit und spezifischen Unterrichtsinhalten, -fächern und methodischen Arrangements zu klären.

Zum Problem der Chancengleichheit von Kindern und Jugendlichen unterschiedlicher sozial-kultureller Herkunft an der Laborschule (3.2)

Die anfängliche Vermutung, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund in der Laborschule Bildungsbenachteiligungen erfahren, hat sich nicht bestätigt. Die erzielten Ergebnisse wurden vom Beirat zustimmend zu Kenntnis genommen. Die gewählte Methodologie wird als angemessen beurteilt. Der Beirat regt an, die Bedeutung dieser ­ zum Teil überraschenden ­ Ergebnisse im Vergleich zum Regelsystem deutlicher herauszustellen.

Verwundert waren einige Beiratsmitglieder über die Schwierigkeit, valide Sozialdaten zu erhalten. Die empirischen Kategorien zum Migrationshintergrund (z.B. Teil/Vollmigration) sollten kritisch hinterfragt und ggf. durch geeignetere Begriffe ersetzt werden. Wenn ein neuer FEP mit diesem Schwerpunkt entwickelt wird, ist darauf zu achten, dass die Begrifflichkeiten und die Kategorienbildungen an die Theorie und Empirie neuerer Forschungen anschließen.

Die von der FEP-Gruppe vorgeschlagenen Perspektiven für die weitere Arbeit werden vom Beirat befürwortet. Er regt an, von individuellen auszugehen und die Interaktion zwischen und Unterricht/Beratung/Betreuung durch die zu analysieren (situationsbezogene Interaktionsforschung). Dabei könnten thematische Fokussierungen notwendig sein, möglicherweise in Richtung Alltags-/Fach-/ Bildungssprache.

Das Laborschulkonzept Geschlechterbewusste Pädagogik ­ Bilanzierung, Konzeptrevision und Veröffentlichungen (3.3)

Der Beirat befürwortet das Vorhaben, die Erkenntnisse, Ansätze und Empfehlungen aus der kontinuierlichen Forschungs- und Entwicklungsarbeit der Laborschule zum Thema Geschlechterbewusste Pädagogik in einem Sammelband zu veröffentlichen. Die voneinander unabhängigen Einzelteile des geplanten Bandes liegen dem Beirat ausdifferenziert vor. Es handelt sich um eine für die Laborschule programmatische Orientierung einer geschlechterbewussten Pädagogik. Der Beirat begrüßt dies ausdrücklich. Aus seiner Sicht ist es sinnvoll, den einzelnen Teilen des Sammelbandes gemeinsame Leitideen voranzustellen. Diese könnten auch in einem einleitenden Kapitel entwickelt werden. Desgleichen sollten für den Aufbau und die Struktur des Bandes theoretische Perspektiven (wie sozialisationstheoretische, bildungstheoretisch-didaktische und Schulentwicklungsansätze) bedacht und die präsentierten Beispiele darin eingeordnet werden. Wünschenswert wäre auch die Benennung von Desiderata (z.B. die Berücksichtigung ethnischer und soziokultureller Faktoren, ebenso die Bearbeitung curricularer Fragen in Naturwissenschaft, Technik etc.). Eine bilanzierende Reflexion von Lehrkräften über den Erfahrungs- und Erkenntnisgewinn aus den skizzierten Aktivitäten könnte für die Gestaltung von Unterricht und Schulleben eine sinnvolle Ergänzung sein.

Empfehlungen des Beirats zu den einzelnen FEP-Anträgen 2007-2009

Nach intensiver inhaltlicher Diskussion formuliert der Beirat die folgenden Empfehlungen:

Wahldifferenzierung und Jahresarbeiten

Der Beirat äußert Interesse an der Frage, ob und wie die individuelle Profilbildung und Persönlichkeitsentwicklung durch Wahldifferenzierung und Jahresarbeiten dazu beitragen kann, die Leistungsentwicklung auch in anderen Bereichen zu fördern. Gleichzeitig empfiehlt er, die Komplexität des FEP zu reduzieren: Der direkte Bezug zur Standardorientierung durch zentrale Prüfungen am Ende der Klasse 10 sollte nicht mit einbezogen werden. Das Ziel, individuelle Wege und Prozesse der Beratung und Reflexion zu untersuchen, hat einen zentralen Stellenwert. Die empirische Basis, auf die sich die Untersuchungen stützen, sollte verbreitert werden.

Ebenso sollten die Erfolgskriterien expliziert werden.

Englisch von Anfang an

Der Beirat hält den FEP 1.2. für ausgereift und in vollem Umfang für unterstützenswert. Er weist auf drei klärungsbedürftige Fragen hin:

1.) Wie sollen die Gruppendiskussionen ausgewertet werden? Von der Auswertungsstrategie hängt ab, wie viele Gruppendiskussionen kapazitär möglich sind. Eine Reduzierung der Anzahl scheint empfehlenswert.

2.) Der Fortbildungsprozess der weitgehend fachfremd in den Curriculumsprozess eingebundenen bedarf besonderer Aufmerksamkeit. Zusätzlich ist die Rolle des Gastes zu reflektieren.

3.) Ein fachdidaktischer Theorierahmen sollte formuliert werden ­ so, wie dies im Antrag angekündigt wird. Darin sollte auch die Frage der Schriftsprachnutzung thematisiert werden.

Jahrgangsmischung 3/4/5

Zu Beginn verliest Martin Sandmeyer eine Erklärung, mit der er seinen Rückzug aus dem Projekt begründet. Darauf erklären auch die anderen Antragsteller und Antragstellerinnen des Teilbereichs dass sie unter den gegebenen Umständen nicht mehr mitarbeiten können. Für den Teilbereich Mathematik ist damit eine neue Situation entstanden, die zunächst noch einmal überprüft werden muss. Die Antragstellerinnen Nicole Freke und Frauke Viehmeister sind jedoch grundsätzlich an der Projektdurchführung interessiert und stehen evtl. weiter zur Verfügung. Der Beirat hält die Fortführung dieses Antragteils ausdrücklich für begrüßenswert. Die Kooperation mit den Fachdidaktikern der Fakultät für Mathematik ist zu unterstützen; schulintern muss jedoch noch die Frage der Integration der Mathematik in die Jahrgangsmischung insgesamt geklärt werden. Der Beirat sieht hier die Chance, mit Hilfe offener Mathematik-Aufgaben der Lösung des Problems der individuellen Förderung näher zu kommen. Er empfiehlt der Forschungsgruppe darüber hinaus, im kommenden Jahr über einen erneuten Antrag im Teilbereich nachzudenken und diesen ggf. auf der nächsten Beiratssitzung vorzulegen.

Lesen und Schreiben in den Jahrgängen 7/8

Der Beirat begrüßt die Fortführung der Thematik Literalität und Leistung in dem Projekt Lesen und Schreiben in den Jahrgängen 7/8. Er empfiehlt eine Einschränkung der Fragestellung und eine Präzisierung des methodischen Vorgehens. Der Beirat hält z. B. die Erprobung von Diagnoseinstrumenten als Projektergebnis für ein lohnenswertes Forschungsvorhaben.

Musik in der Primarstufe

Der Beirat sieht in diesem FEP eine notwendige Fortführung reformpädagogischer Praxis. Er hält es jedoch für erforderlich, die Angaben zur Datenerhebung und -auswertung schärfer herauszuarbeiten. Den Prozess der gemeinsamen Qualifizierung der beteiligten hält der Beirat für besonders interessant und regt an, nicht nur Einzelinterviews zu führen, sondern sowohl den Prozess der kollegialen Entwicklung und als auch den der Curriculumentwicklung zu dokumentieren.

Implementation und Schulentwicklung

Der Beirat begrüßt das Vorhaben, in dem geplanten FEP eine Sekundäranalyse bereits abgeschlossener Laborschulprojekte in exemplarisch ausgewählten Themenbereichen unter dem Aspekt von Implementation und Schulentwicklung durchzuführen. Das Ziel, gemeinsames professionsbezogenes Wissen zu gewinnen und zur Schulentwicklung zu nutzen, wird als wichtige Grundlage angesehen, laborschulspezifische Leitideen (z.B. individuelle Förderung) zu realisieren und entspricht dem Einrichtungserlass, der den Evaluationsauftrag und den Transferauftrag der Schule ausdrücklich hervorhebt. Um das Projekt noch stärker im Kollegium zu verankern, unterstützt der Beirat die Mitarbeit eines weiteren Kollegen/einer weiteren Kollegin mit Stundenentlastung.

Naturwissenschaft und öffentliches Schulsystem

Der Beirat hält die Fortführung der Projektarbeit für sehr wichtig. Das entwickelte didaktischmethodische Konzept ist für die qualitative Weiterentwicklung des Lernbereichs Naturwissenschaften in der Laborschule bedeutsam. Insofern hat sich die differenzierte Ausarbeitung dieses Ansatzes schul- und unterrichtspraktisch bewährt. Auch wenn sich die schulpolitischen Rahmenbedingungen und mit ihnen die curricularen Vorgaben für die naturwissenschaftlichen Fächer so verändert haben, dass in den Regelschulen nicht mehr ein integrativer, sondern ein fächerbezogener Ansatz vorgeschrieben ist, wird doch erkennbar, dass auch die Schulen des Regelsystems viele der erprobten Ansätze zur Gestaltung schülerorientierter Lernarrangements nutzen können.

Angesichts dieser neuen Bedingungen (Integratives Lernbereichskonzept vs. Einzelfachunterricht) sollte sich der forscherische Fokus bei der Evaluation in den Netzwerkschulen darauf richten herauszufinden, welche der erprobten Ansätze

- auch unter den Bedingungen eines fachbezogenen Unterrichts genutzt werden können,

- erkennbare Gestaltungshilfen für schülerbezogene und aktivierende Lernarrangements bieten,

- deutliche Effekte für Verstehens- und Behaltensprozesse haben.

Absolventenstudie

Der Beirat würdigt, dass das forschungsmethodische Design der Absolventenstudie sowohl in dem quantitativen Längsschnitt als auch in den qualitativen Teilen sinnvoll weiter entwickelt worden ist. Als besonders positiv wird dabei wahrgenommen, dass es zunehmend zu einer Verknüpfung der mit unterschiedlichen methodischen Instrumenten erhobenen Datensätze kommt. Es entsteht ganz offensichtlich ein zusätzlicher Erkenntnisgewinn dadurch, dass

- Befunde der Längsschnittstudie,

- aktuelle Befunde aus einzelnen Jahrgängen sowie

- Erkenntnisse aus den Interviewstudien miteinander verbunden werden.