Forschung in einer forschenden Schule stellt eine spezifische Praxis der Wissensproduktion dar

Evaluation der WE Laborschule deshalb neben der lokalen Aufgabe auch systematische Bedeutung in der Forschungsdiskussion innerhalb der Erziehungswissenschaft. Nicht nur das besondere Forschungsprofil der Disziplin kann hier komplettierend expliziert werden, angesichts der besonderen Situation der WE wird auch die Qualität praxisbezogener Forschung exemplarisch diskutierbar.

(3) Forschung in einer forschenden Schule stellt eine spezifische Praxis der Wissensproduktion dar. Zwar tritt sie auch mit dem Anspruch von Wissenschaft auf, verpflichtet sich aber gleichzeitig, durch ihre wissenschaftliche Arbeit eine bestimmte Praxis, hier: die Arbeit der Laborschule, in ihrer pädagogischen Entwicklung zu unterstützen und dadurch gleichzeitig die Qualität der Schule im Arbeitsprozess und in den Leistungen zu sichern und zu befördern. Die Etappen des Forschungsprozesses - von der Themenfindung über die theoretische Dimensionierung des Forschungsproblems bis hin zu den Methoden der Datenerhebung und ­auswertung und zur Verwendung der Ergebnisse - werden von dieser zweifachen Referenz bestimmt, das Produkt bleibt aber wissenschaftliches Wissen, einmal in der Perspektive der Beobachter, dann orientiert an der Verbesserung einer Praxis.

Es handelt sich nicht um vollständig sich ausschließende Klassen von Wissen; insofern kann man das Problem auch nicht anhand der binären Schematisierung wissenschaftlich vs. nichtwissenschaftlich codieren. Es geht um differente Teilmengen der erziehungswissenschaftlichen Wissensproduktion insgesamt.

Forschungsmodelle dieser Art sind zuerst im Umfeld der Aktionsforschung entwickelt und begründet worden, jedoch nicht immer in einer Weise, dass sie auch außerhalb des Milieus der schon immer Überzeugten Zustimmung gefunden hätten. In einer reflektierten Umsetzung solcher Erfahrungen sind die aktuellen Modelle praxisbegleitender und praxisentwickelnder Forschung, wie sie jetzt auch international erarbeitet und genutzt werden, in den Ambitionen begrenzter, in den Methoden besser begründet und im wissenschaftlichen Anspruch auch außerhalb des eigenen Reviers anerkannt. Aktuell sind diese Forschungsarbeiten am ehesten als Praxisforschung angemessen bezeichnet; in ihren auf Schule, Unterricht und den Lehrerberuf bezogenen Varianten ist hierfür international die Bezeichnung teacher research üblich. Sie machen sichtbar, wie sich notwendige und hinreichende Kriterien wissenschaftlicher Arbeit disziplinär bestimmen und in die Praxis einer universell prüfbaren Arbeit umsetzen lassen. Die Kommission hat sich in ihrer Arbeit von solchen Vorbildern in der Evaluation der spezifischen Lehrerforschung an der WE Laborschule leiten lassen.

Evaluationskriterien

Vor dem hier systematisch angedeuteten Hintergrund hat die Kommission, gestützt auf den Selbstbericht der WE Laborschule, in Einzelheiten weiter geprüft in der Begehung vor Ort und in den Gesprächen mit den beteiligten Akteuren sowie, exemplarisch, orientiert an den Produkten der Forschungspraxis, wie sie veröffentlicht vorliegen, die Forschungsleistungen und die Forschungsqualität der WE Laborschule evaluiert. Dabei waren die Kriterien der Evaluation an den im Folgenden knapp erläuterten vier Dimensionen orientiert, die geeignet sind, nicht allein die Arbeit der WE Laborschule an distinkten Indikatoren zu beschreiben, sondern zugleich auch ihren Ort innerhalb der Universität Bielefeld und im disziplinären Diskurs der Erziehungswissenschaft zu bestimmen:

(1) Institutionelle Dimension

Für die WE Laborschule sind neben der eigenen Binnenstruktur, wie sie zwischen Vorstand, Mitgliedern und Beirat entwickelt wurde, zwei weitere institutionelle Referenzen primär von Bedeutung: die Laborschule und ihre pädagogische Praxis sowie die Universität Bielefeld und die kooperierenden Disziplinen und Einrichtungen. In der Evaluation haben wir entsprechend geprüft, in welchem Umfang und in welcher Qualität die Forschung der WE Laborschule

- innerhalb der genanten Institutionen eingerichtet ist,

- welchen Status und welche Anerkennung sie dort findet,

- wie die personellen, finanziellen und organisatorischen Ressourcen aussehen,

- ob die Möglichkeiten drittmittelfinanzierter Forschung genutzt wurden bzw. ob der Wettbewerb um solche Mittel ausdrücklich prämiert wird,

- ob Strukturen für die Qualitätssicherung existieren und wie sie arbeiten.

(2) Forschungsmodell und Organisation der Forschungspraxis

Die Kommission hat bei ihrer Evaluation des Forschungsmodells der WE Laborschule zunächst die programmatische Struktur, dann das Modell der Umsetzung der Organisation von Forschungsprozessen untersucht. Im Einzelnen hat sie danach gefragt,

- ob ein explizites Forschungsmodell existiert ­ und wenn ja: welches,

- wie es die Akteure in der mehrfachen Referenz auf Laborschule, WE Laborschule und Universität sowie die Disziplin Erziehungswissenschaft berücksichtigt,

- welchen Status und welche Reichweite die eigene Arbeit mit diesem Forschungsmodell gewinnen kann,

- wie dieses Modell die Frage der Gütekriterien der eigenen wissenschaftlichen Arbeit diskutiert, und

- wie dieses Modell diese Referenzen für die konkrete Verwertung der Ergebnisse zur Veränderung der pädagogischen Praxis der Laborschule organisiert.

(3) Produkte und Wirkungen der Forschungspraxis

Im Zentrum einer Diskussion der Forschungsleistung und der Forschungsqualität stehen selbstverständlich die Produkte und die praktischen Wirkungen der Forschungspraxis der WE Laborschule. Angesichts der eigenen Ansprüche und des spezifischen Forschungstypus reichen in dieser Dimension allein bibliometrische Indikatoren für die Bewertung der Produktivität und innerwissenschaftliche Rezeption von Forschung, wie sie ansonsten in der Wissenschaftsforschung dominieren, nicht aus. Die Produkte sind nicht allein im Wissen zu suchen und publizistisch, sie müssen sich auch - wie vermittelt immer - auf der Ebene der pädagogischen Praxis identifizieren lassen. Die Kommission hat - auf der Basis des Selbstberichts - deshalb zwar bibliometrische Daten und Analysen nicht ignoriert, aber gleichzeitig zu erheben versucht, ob und in welchem Ausmaß die Forschungsarbeiten für die Praxis von Schule, in Bielefeld und generell, wirksam geworden sind. Im Einzelnen haben wir danach gefragt,

- welche Produkte der Arbeit der WE Laborschule zurechenbar sind und von ihr als Leistung gegenüber der Öffentlichkeit benannt werden,