Forschung

Stundedeputats um zwei Stunden. Die Unterrichtsverpflichtung der Lehrkräfte an der Laborschule ist im Übrigen vergleichbar mit der in Regelschulen. Während nach dem früheren Konzept alle an der Schule tätigen Lehrer/innen gleichzeitig Forscher/innen sein sollten und pauschal eine Stundenreduktion für Forschungsarbeit zugestanden bekamen, steht ­ wie erwähnt - nunmehr ein Pool von fünf Lehrerstellen bereit, aus dem heraus die Entlastung für Forschung an diejenigen Lehrer/innen der Laborschule gehen, die in den genehmigten Forschungsprojekten arbeiten.

Es gibt seit 1990 eine weitere Veränderung gegenüber dem ursprünglichen Konzept: Die jetzt initiierten Forschungsvorhaben werden von den hauptamtlichen wissenschaftlichen Mitarbeiter/innen der WE betreut, die nicht (mehr) Lehrer/innen der Schule sind. Auf diese Weise erfuhr das Forschungskonzept wesentliche Verbesserungen:

· Die Forschungsvorhaben werden partiell professionalisiert, d.h. einzelne, an den Forschungsprojekten beteiligte Personen können sich nicht nur hauptamtlich mit den Forschungsfragen befassen; sie sind meist auch hinsichtlich der Methodenkompetenz besser qualifiziert. Es können (empirische) Verfahren eingesetzt werden, die Lehrer-Forschern aufgrund ihrer hauptamtlichen Unterrichtstätigkeit nicht zugänglich oder möglich sind (z.B. umfangreichere quantitative Erhebungen, ethnographische Studien).

· Durch die eigenständige Rolle der WE Laborschule wird eine größere Distanz zwischen den Forschern und dem Forschungsgegenstand hergestellt. Die wissenschaftlichen Mitarbeiter/innen sind nicht unmittelbar vom Forschungsgegenstand und vom Forschungsergebnis betroffen. Dadurch kann eine größere Objektivität bei der Bearbeitung der Fragestellung und nicht zuletzt bei der Auswertung und Interpretation der erhobenen Daten ermöglicht werden. Auch innerhalb einer praxisorientierten und praxisentwickelnden Forschung ist Distanz ein wichtiges Element.

Diese Veränderungen führten dazu, dass die Forschungsvorhaben der WE, die als Laborschulforschung in und mit der Laborschule durchgeführt werden, zwar nach wie vor aufgrund ihres spezifischen Forschungsgegenstandes und der spezifischen

Forschungsmethodologie singulär sind im Vergleich zu denen in anderen universitären wissenschaftlichen Einrichtungen. Gleichwohl muss die Arbeit der WE Laborschule hinsichtlich der Qualität der Forschung und der methodischen Standards auch an den Gütekriterien gemessen werden, die an Universitäten üblich sind. Das betrifft auch eine zunehmende Orientierung an internationalen Forschungskonzepten und Forschungsergebnissen. Die Forschungen in der Laborschule und über die Laborschule sind in methodologischer Hinsicht weniger auf die (zufällig) vorhandenen forschungsmethodischen Kompetenzen der Lehrer/innen angewiesen. Daneben kann durch die professionellen Forscher/innen der WE auch eine forschungsmethodische Qualifizierung der Lehrer/innen erfolgen.

Dies gilt umso mehr, als immer wieder auch ehemalige Lehrer/innen der Laborschule für eine festgelegte Zeit an die WE wechseln und sich hier wissenschaftlich qualifizieren ­ in der Regel durch eine Promotion.

Fazit: Der Übergang von dem ursprünglichen integralen Modell der Lehrerforschung zu einem nunmehr ausdifferenzierten Modell der Wissenschaftlichen Einrichtung, in der spezielle wissenschaftliche und methodische Kompetenzen zusammengezogen sind, hat sich nicht nur aus der Sicht der Evaluationsgruppe, sondern auch in der Wahrnehmung der beteiligten Akteure sehr bewährt und sollte beibehalten werden.

Die Beziehung WE ­ Universität

Die WE ist seit 1990 nicht nur mit der Laborschule, sondern auch mit der Universität Bielefeld eng vernetzt: Die WE ist ein Institut der Fakultät für Pädagogik der Universität Bielefeld. Der Vorstand der WE setzt sich aus Mitgliedern der Fakultät für Pädagogik zusammen; der wissenschaftliche Leiter der WE ist Mitglied der Fakultät und nimmt dort Lehr- und Forschungsaufgaben wahr und erhält als wissenschaftlicher Leiter eine Reduzierung seiner Lehrverpflichtungen an der Universität. Auch ein Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats ist Angehöriger der Universität Bielefeld, zu Recht aber nicht aus der Fakultät für Pädagogik. Die wissenschaftlichen Mitarbeiter/innen der WE sind Mitglieder der Universität. Der Etat, der der WE zur Verfügung steht, ist Teil des universitären Budgets. Die Be26 schreibung der Aufgaben der WE, nicht zuletzt aber auch die Qualität der wissenschaftlichen Tätigkeit und die Ergebnisse ihrer Forschungen, liegen deshalb im genuinen Interesse der Leitung der Universität Bielefeld.

Die eigenständige Verortung der WE an der Universität führte u.a. dazu, dass zunehmend auch Forschungsfragen im Kontext der Laborschule untersucht werden, die zunächst nicht primär in aktuellen Aufgaben und Problemen der Schule ihren Ursprung hatten bzw. haben. Ein Beispiel dafür ist die Beteiligung der Schule an der internationalen Leistungsvergleichsstudie PISA. Aufgrund des spezifischen reformpädagogisch geprägten Profils der Schule gab es zunächst eine eher abwehrende Haltung gegenüber solchen systemübergreifenden fachbezogenen Schulleistungsvergleichen. Als Ergebnis eines Diskussionsprozesses zwischen Universität, WE und Kollegium der Laborschule ergab sich schließlich doch die Möglichkeit, die 15-Jährigen Schüler der Laborschule mit dem PISA-Instrumentarium zu untersuchen (2002). Dadurch konnte die Untersuchungsfrage geprüft werden, ob und in welchem Ausmaß die Fachleistungen von Schüler/innen einer Versuchsschule mit einem spezifischen Profil, das vor allem erfahrungsbezogenes sowie demokratisches Lernen zu einem Merkmal ihrer Identität gemacht hat und eher an fachübergreifenden Themenstellungen orientiert ist, denen der Schüler/innen in Regelschulen entsprechen. Diese Studie konnte nur durchgeführt werden, nachdem es der WE gelungen war, das Kollegium der Laborschule von der Bedeutung dieser vergleichenden Untersuchung auch für die Laborschule zu überzeugen. Diese gemeinsame Arbeit einer Gruppe des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung Berlin, sieben Lehrkräften der Laborschule und den Mitarbeitern der WE Laborschule ist sicherlich beispielgebend für weitere Untersuchungen zu einzelnen (Reform)Schulen. Aus den Ergebnissen dieser Erhebungen sind nicht nur bedeutsame Befunde über die hohe Leistungsfähigkeit der Laborschule in den meisten Arbeitsfeldern gewonnen worden, sondern auch wichtige Hinweise zu notwendigen weitergehenden pädagogischen und unterrichtlichen Maßnahmen. Gleichzeitig sind aus den offenen Problemen auch neue Forschungsfragestellungen und Entwicklungsaufgaben entstanden, z. B. zum Erfordernis einer intensiveren Jungenförderung sowie einer Verbesserung der Lehrangebote im Fach Mathematik. Denn in diesen beiden Bereichen ­ Jungenförderung und fachliches Lernen im Mathematikunterricht ­ zeigten sich Schwächen in der Arbeit der Laborschule.