Nachhaltigkeit

4. Die Leistungen und Wirkungen der WE Laborschule nach innen und außen

Wirkung der WE innerhalb der Laborschule

Die WE unterscheidet selbst vier Phasen, in denen sie die pädagogischen Innovationen und erziehungswissenschaftlichen Reflexionen in der Laborschule anregt und unterstützt:

(1) Auswahl der Themen und Entwicklung der Projekte

In einem intensiven internen Diskussionsprozess mit dem Kollegium werden die Themen identifiziert, die sowohl innerhalb und nach Einschätzung des Kollegiums und der WE als auch außerhalb der Laborschule und systematisch eine hohe pädagogische Relevanz aufweisen. Dem Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozess wird ein hohes Maß an Beachtung und Zeit zugestanden. Durch sorgfältige Projektentwicklung und intensive Beteiligung des Kollegiums bei der Projektauswahl wird eine große Akzeptanz des Forschungs- und Entwicklungsplans erzeugt. Die Bereitschaft des Kollegiums, Verantwortung für die Bearbeitung von Projekten zu übernehmen, ist sehr hoch. Laut Tätigkeitsbericht (Bericht, S. 17) haben in den letzten drei FEP-Phasen knapp 75% des Kollegiums mindestens einmal an einem Forschungsvorhaben teilgenommen (geringe Fluktuationsrate). Dies zeigt, dass die Arbeit der WE Laborschule in der Laborschule selbst sehr breit verankert ist.

(2) Entscheidung über die Projektauswahl durch den Beirat

Nachdem in der Laborschule die Projektvorschlagsliste entwickelt worden ist, werden die Anträge systematisch vom Projektbeirat geprüft und schlussendlich mit den entsprechenden Ressourcen genehmigt. Aufbau und Logik dieses Verfahrens folgt dem Selbstverständnis der Laborschule, nicht Auftragnehmer für Forschungsarbeiten zu sein, sondern die in dieser Schule sich abzeichnenden pädago31 gischen Fragestellungen selbstständig zu untersuchen. Damit unterstreicht das Verfahren, das der Leiter der WE entwickelt und implementiert hat, die Verantwortung der Lehrerinnen und Lehrer für die Projektarbeit.

Der umfangreiche Tätigkeitsbericht dokumentiert alle 30 Projekte aus den Jahren 1999 bis 2005 übergreifend unter vier programmatischen Aspekten:

· Pädagogischer Umgang mit heterogenen Lerngruppen,

· Leistungsverständnis und Leistungsbewertung in der Laborschule,

· Entwicklung von Curricula und Unterrichtskonzepten,

· Evaluation der Laborschulpraxis.

Dieser Überblick zeigt, dass die Vielfalt der bearbeiteten Themen und Projekte sich mehrheitlich programmatischen Erkenntnislinien zuordnen lassen können.

Auffällig ist ebenfalls, dass die überwiegende Mehrzahl der Projekte in zwei oder mehr Projektphasen verfolgt wird. Dies zeigt, dass Neues nachhaltig in Angriff genommen wird ­ es geht nicht um kurzfristige Einzelmaßnahmen. Allerdings lässt der Bericht keine Aussage darüber zu, welchen Beitrag die WE und der Beirat jenseits retrospektiver Ordnung zur Gestaltung und zur Weiterentwicklung der programmatischen Forschungslinien leisten.

(3) Bearbeitung der Forschungsfragen und Präsentation der Ergebnisse

Die Lehrerinnen und Lehrer werden in ihren Projekten von den wissenschaftlichen Mitarbeitern/innen beraten und unterstützt. Die Diskussion mit Projektvertretern im Rahmen der externen Evaluation unterstreicht die Leistung dieser Begleitung und der Beratung durch den Wissenschaftlichen Leiter besonders in den Feldern der methodischen Bearbeitung der Vorhaben, bei der Evaluation der Projekte, dem Aufstellen von Kommunikationsplänen und bei der Dokumentation der Implementierungsstrategie. Nach Aussagen der Gesprächspartner/innen erhöht die kompetente Begleitung die Qualität der Forschungsarbeit. Um dies weiterhin sicherzustellen und auszubauen sollten die wissenschaftlichen Mitarbeiter der WE Laborschule hinreichend Gelegenheit zur Fortbildung gerade in forschungsmethodischer Hinsicht gegeben werden. In dieser Hinsicht (Forschungskompetenz) wäre ebenfalls eine intensivere Nutzung der in den entsprechenden Bereichen der Universität Bielefeld vorhandenen Kompetenz anzustreben.

(4) Verwertung der Ergebnisse - Transfer

Die Verantwortung für den Transfer liegt bei den Projektbeteiligten. Sie tragen Sorge für die Diskussion im Kollegium, mit der Schülerschaft und mit den Eltern.

Sie dokumentieren - mit intensiver Betreuung durch die WE - ihre Projektberichte durchgängig in der Werkstattreihe und leisten dadurch einen hohen Beitrag zur Transparenz der Arbeit. Ggf. sorgen die Projektgruppen für eine Fortsetzung ihrer Forschungstätigkeit durch die Beantragung von Folgeprojekten. Die Qualitätskontrolle vor Ort liegt im Wesentlichen beim Vorstand der WE.

Der Grad des internen Transfers in die Praxis der Laborschule ist sehr themenabhängig. Die aktuell präsentierten drei Beispiele - Die Weiterführung der Jahrgangsmischung in den Jahrgängen 3, 4 und 5, Diagnose und Prävention von Rechenstörungen in der Primarstufe und Literalität und Leistung - lassen den Eindruck entstehen, dass ein zeitlich umfangreicheres Engagements notwendig ist, um die erforderliche Verankerung in der Unterrichtspraxis zu erzielen. Einige der Projektbeschreibungen dokumentieren anschaulich, wie der Transferprozess durch Informations- und Entscheidungsprozesse, Fortbildungen und inhaltliche Weiterentwicklungen in die Schule gelingt. Es handelt sich um einen sehr projektspezifischen und vermutlich auch personen- und kontextgebundenen Prozess; von außen und pauschal lässt sich dagegen ein Urteil oder ein präzise messender Indikator hinsichtlich der Nachhaltigkeit der Arbeit der WE innerhalb der Laborschule nicht bilden. Den Aussagen der Gesprächspartner zufolge ist eine solche Nachhaltigkeit durchaus gegeben, wenngleich die Vielfalt der Projekte und der hohe Grad an Involviertheit der Lehrerschaft der Laborschule dazu führen können, das man als Mitglied eines Projekts gar nicht mehr mitbekommt, was alles sonst noch geschieht. Wenn dies so ist bzw. von einer nennenswerten Zahl von Lehrern so gesehen wird, wäre eine noch weitergehende Bündelung der Projektlinien sowie eine breitere Kommunikation darüber innerhalb der Laborschule angeraten.