Grundsätzlich ist eine sehr gut ausgeprägte Kultur der Dokumentation der Forschungsergebnisse auffällig

Wirkungen der WE für den Transfer nach außen

Die Identifikation der beteiligten Lehrerinnen und Lehrer mit der Wissenschaftlichen Einrichtung ist sehr hoch. Die Frage des Transfers nach außen betrifft nicht nur die Mitarbeiter/innen der WE im engeren Sinn, sondern umfasst sämtliche Aktivitäten aller in den Projekten Tätigen.

· Grundsätzlich ist eine sehr gut ausgeprägte Kultur der Dokumentation der Forschungsergebnisse auffällig. Die umfangreichen Veröffentlichungslisten des Tätigkeitsberichtes belegen die hohe Beratungsleistung der wissenschaftlichen Berater und Begleiter, sowohl in der Erstellung der Berichte, Aufsätze und Bücher, als auch in der Vermittlung von Kontakten nach außen. Bei Letzterem stellt sich die Frage, ob das Spektrum der wissenschaftlichen Publikationsreihen ausgeschöpft ist.

· Auffällig ist ebenfalls die Vielfalt weiterer Transferwege: Lehrerfortbildungen, Teilnahme an bzw. Ausrichtung von Konferenzen / Kolloquien oder Mitwirkung an der Erarbeitung von Rahmenrichtlinien werden zur Weitergabe der erworbenen Erkenntnisse intensiv genutzt. Nach Kenntnis und Beurteilung innerhalb der Gruppe der externen Evaluatoren hat die Laborschule und mit ihr die Wissenschaftliche Einrichtung bundesweit einen sehr hohen Bekanntheitsgrad erworben. Es ist daher nicht überraschend, dass die Laborschule (und mit ihr die WE) eine Vielzahl von Besuchern verzeichnet und Praktikanten aus Deutschland und dem Ausland anzieht.

· Während die Verbreitung und Anerkennung des Lehrer-Forscher-Modells der Laborschule in der wissenschaftlichen Fachliteratur gut dokumentiert ist, und die große Zahl an Besuchern (z.T. ganzen Kollegien) ein hohes Interesse in Regelschulen dokumentiert, liegen keine Untersuchungsergebnisse über die Anwendung des Bielefelder Lehrer-Forscher-Modells und der Ergebnisse der Forschungsprojekte in der Praxis der Regelschulsysteme der Länder vor.

· Damit spielt innerhalb der WE Laborschule aber auch die Selbstevaluation eine unseres Erachtens zu geringe Rolle. An die Stelle der nur sporadischen

Selbstvergewisserung sollten Formen systematischer Selbstbeobachtung treten

- auch solche, die die Möglichkeiten gemeinsamer Arbeit mit dem nutzen.

· Von besonderer Bedeutung für die WE ist die Universität Bielefeld. Die WE leistet zwar einen nicht unerheblichen Beitrag in der Lehre der Universität Bielefeld. Die Zusammenarbeit mit den Fachbereichen ist allerdings unterschiedlich; mit seltenen, aber sehr beeindruckenden Ausnahmen ist sie in der Regel nicht als intensiv zu bezeichnen.

Empfehlungen Mittelfristig wäre zunächst zu überlegen, ob die WE und die Universität systematisch Felder gemeinsamer Forschungsinteressen identifizieren und bearbeiten können. Die Kommission teilt die Einschätzung des Selbstberichtes, dass die Ergebnisse der Forschungs- und Entwicklungsprojekte (FEP-Projekte) im Kollegium verbreitet und verankert werden können. Wir teilen auch die Meinung, dass eine zusätzliche wissenschaftliche Erforschung dieses Themas sehr hilfreich sein könnte. Zu den offenen Problemen ­ von einem Mitglied des Kollegiums der WE ausgesprochen - gehört auch, dass das Antragsverfahren und die Beteiligungskultur es der WE nicht erlauben, Einfluss auf Forschungszuschnitte zu nehmen. Es wird empfohlen zu prüfen, unter welchen Voraussetzungen und Umsetzungsbedingungen Forschungsvorhaben genehmigt werden können. Keinesfalls jedoch darf dabei die Akzeptanz im Kollegium verloren gehen, denn mit der Bereitschaft zur aktiven Mitarbeit steht und fällt das Modell der Lehrerforschung.

Der Blick auf den Forschungs- und Entwicklungsplan 2005 bis 2007 lässt die Frage aufkommen, ob inzwischen die Grenzen der Verarbeitbarkeit der Forschungsimpulse in der Laborschule erreicht sind. Andererseits zeigt der Selbstbericht die Notwendigkeit auf, aufgrund des anstehenden Generationenwechsels den Kompetenzaufbau in der Lehrerforschung bei neuen Kolleginnen und Kolleginnen systematisch voranzutreiben. In diesem Zusammenhang stellt sich dem Evaluations35 team auch die Frage, wie die Qualifikation und Weiterentwicklung der wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen systematisch gefördert werden kann.

Im Hinblick auf den Erfahrungstransfer in das Regelschulsystem wird empfohlen, diesen Transfer aktiver zu gestalten und die Wirkung der eigenen Forschungsergebnisse und Praxisimpulse wissenschaftlich selbstständig zu erforschen. Gemeinsam mit anderen Instituten ist zu erörtern, wie die Erkenntnisse der WE systematisch in der Lehrerausbildung und ­fortbildung landes- und/oder bundesweit genutzt werden können.

Die Laborschule Bielefeld ist ein Solitär ­ auch innerhalb der Reformschullandschaft in Deutschland. National sind sowohl eine hohe Sichtbarkeit wie auch eine Wirksamkeit der Laborschule innerhalb der Lehrerkultur, der Schulpädagogik und auch innerhalb des wissenschaftlichen Diskurses der Bildungsforschung zweifellos gegeben. Die internationale Sichtbarkeit ist jedoch nicht sehr ausgeprägt.

Empfohlen werden deshalb die internationale Vernetzung mit Schulen, die den Forschungsansatz der Laborschule teilen, sowie eine Verankerung insbesondere der Erfahrungen mit teacher research in der internationalen Fachkommunikation der Bildungsforschung.

WE und Laborschule haben gemeinsam einen paradoxen Auftrag: Einerseits erfordert der Versuchsschulstatus die deutliche Abhebung von den Schulen im Regelschulsystem. Andererseits werden der Erfolg und die Notwendigkeit der Versuchsschule mit ihrer Leistung verbunden, Erkenntnisse auch für das Regelschulsystem zu erzeugen und bereitzustellen. Diesen Zielkonflikt kann die Laborschule nur dann lösen, wenn sie die Balance zwischen tatsächlicher, nach vorne weisender Innovation einerseits und gleichwohl immer auch zu beachtender Transferierbarkeit in die Normalbedingungen des Regelsystems andererseits aufrecht hält.