Nachhaltigkeit

5. Perspektiven

Die WE Laborschule und die in ihrem Kontext gegebenen Forschungs- und Entwicklungsmöglichkeiten nehmen innerhalb der Erziehungswissenschaft/Bildungsforschung in Deutschland eine prominente Stellung ein, die eine breite positive Resonanz im Feld von Schulforschung sowie Schul- und Unterrichtsentwicklung findet. Die Universität Bielefeld sollte auf allen Ebenen diese positive Situation herausstellen und ihr Potential nutzen. Innerhalb der an Bildung interessierten Öffentlichkeit wird die Universität Bielefeld immer auch positiv mit ihren bundesweit bekannten Reformschulen (Laborschule, Oberstufenkolleg) verknüpft. Sie gehören gewissermaßen zum Markenzeichen der Universität Bielefeld.

An keiner Stelle hat die Evaluationsgruppe den Eindruck gewonnen, dass die in den letzten Jahren erfolgreich entwickelte und praktizierte Strategie grundlegend geändert werden sollte. Vielmehr erscheint angesichts des bestehenden Generationenwechsels eine Weiterentwicklung sinnvoll. Das System (WE Laborschule, Laborschule, Wissenschaftliche Leitung und Wissenschaftlicher Beirat) arbeitet gut, die Resultate sind in der Regel überzeugend, die Sichtbarkeit ist hoch. Die Notwendigkeit eines Richtungswechsels ist an keiner Stelle zu erkennen; gleichwohl sollte es hier und da Konzentrationen und Akzentsetzungen geben. Weil dies so ist, wird es für die Zukunft wichtig sein, die vorhandenen Stärken sowohl nach innen wie auch nach außen deutlicher sichtbar zu machen ­ nicht zuletzt durch eine stärkere Profilierung in spezifischen Feldern (s.u.). Ebenso wichtig ist es, eine an zukünftigen Problemen ausgerichtete Projektfindung und -beurteilung anzustreben.

Die im Folgenden formulierten Perspektiven für die Weiterentwicklung orientieren sich an den im Evaluationsauftrag genannten drei Fragenkomplexen (vgl. S. 3). Punktuell sind diese Empfehlungen für die Weiterarbeit im Vorangegangenen bereits angeklungen; sie sollen jedoch hier gebündelt und knapp und pointiert formuliert werden.

Die Arbeit der WE Laborschule für die und mit der Laborschule

Die Laborschule selbst misst der Arbeit der WE Laborschule einen hohen Stellenwert und eine hohe interne Nachhaltigkeit zu ­ dies ist in allen Gesprächen deutlich geworden. Die Tatsache, dass 75 % aller Laborschul-Lehrkräfte während des Berichtszeitraums in Projekte integriert sind, ist ein klarer Hinweis darauf.

Angeklungen ist aber auch an einzelnen Stellen, dass damit die Grenze der Verarbeitbarkeit von Impulsen aus der WE innerhalb der Laborschule möglicherweise erreicht ist. Hieraus können folgende Konsequenzen für die weitere Arbeit gezogen werden:

Über das bereits erreichte Maß hinaus sollten die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten stärker thematisch gebündelt werden. Es erscheint nicht sinnvoll, eine möglichst große Breite der Innovationsbemühungen anzustreben oder alle in der Schulreformdebatte wichtigen Themen abzudecken. Statt dessen sollten gezielt Schwerpunkte gesetzt werden, die an anderen Reformschulen bzw. in anderen Reformprojekten vielleicht gerade nicht bearbeitet bzw. erforscht werden können.

Die Förderung im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich wäre vielleicht ein solcher Schwerpunkt, aber auch die Jungenförderung. Ebenso könnte eine stärkere Verknüpfung von schulischen und außerschulischen Lernorten ein Forschungs- und Entwicklungsthema sein (formelles/informelles Lernen).

Dem Selbstverständnis von Lehrerforschung entsprechend werden Forschungsthemen und -anlässe aus der Schulpraxis bzw. der Lehrerschaft heraus erzeugt ­ mit der Folge, dass keine bzw. kaum Probleme und Themen von außen oder von oben vorgegeben werden können. Dies birgt jedoch die Gefahr, dass man sich bestimmten Problemen, die man aufgrund der unausweichlichen, ja notwendigen Befangenheit in der Praxis nicht sieht, eben auch nicht zuwendet oder nicht zuwenden will. Um dieser möglichen Gefahr einer Selbstabschließung im Eigenmilieu vorzubeugen sollten sowohl die Wissenschaftliche Leitung als auch der Wissenschaftliche Beirat darauf hin wirken, dass für manche Themen, Aufgaben und Probleme, die im Praxisfeld unmittelbar nicht gesehen werden, ein bestimmtes Problembewusstsein entsteht. Ein entsprechender erfolgreicher Prozess konnte ja bereits durch die Kooperation mit dem Max-Planck-Institut für Bildungsforschung erreicht werden (Anwendung des PISA-Instrumentariums auf die Laborschule).

Ebenfalls wichtig für die Laborschule selbst wie auch für die Erkenntnisbildung zu Schulinnovationen ist es, wenn die WE Laborschule selbst auch den Prozess der Umsetzung und Ausbreitung von Innovationen innerhalb der Laborschule praktisch stärker plant und eigenständig erforscht. Dies kann wertvolle Erkenntnisse zum Prozess und zur innerschulischen Wirkung von teacher research ergeben.

Die Bedeutung der WE Laborschule für die allgemeine Schulentwicklung

Die Vermittlung von Konzepten, Projekten und Produkten der hauseigenen Arbeit in die weitere Schullandschaft bzw. das Regelschulsystem gehört ebenfalls zum Auftrag sowohl der Laborschule wie der WE Laborschule. Aufgrund der unterschiedlichen Aufgaben von Lehrern in der Laborschule und den Mitarbeitern der WE Laborschule wird man letzteren eine besondere Verantwortung für die Ausbreitung von Arbeits- und Forschungsergebnissen zusprechen können. Reformschulen können diesen Auftrag in einer abwartenden Haltung praktizieren (Motto: Interessierte Kollegen können sich bei uns Dinge ansehen, abholen, selbst ausprobieren und weiter entwickeln), oder aber diesen Prozess selbst aktiv gestalten (Motto: Wir bemühen uns gezielt darum, dass unsere Arbeit in den Schulen des Regelsystems Resonanz und Umsetzung findet).

Die WE Laborschule geht diese Aufgabe sicherlich offensiv an und unterstützt die Laborschule bei der Erfüllung dieser Aufgabe. Es ist jedoch für die Zukunft ­ speziell unter dem Forschungsgesichtspunkt ­ wichtig, z. B. mehr über die Prozesse und Wirkungen der Umsetzung im Regelsystem zu erfahren. Der Prozess der Ausbreitung und Verwendung von Laborschul-Konzepten sollte selbst erforscht werden, damit deutlich wird, ob man in Zukunft die Disseminationswege u. U. besser gestalten kann, um nachhaltigere Wirkungen zu erzielen. In diesem Sinne sollte die WE Laborschule nicht nur den praktischen Prozess der Schul- und Unterrichtsentwicklung innerhalb der Laborschule unterstützen, sondern eben auch in Konsequenz ihres Forschungsauftrags die verschiedenen Wege und Formen des nach außen gehenden Wirksamwerdens untersuchen. Ein solches Projekt sollte auch darauf gerichtet sein zu klären, warum bestimmte Elemente der Laborschulpädagogik in bestimmten Schulen gerade nicht rezipiert bzw.