Was testet eigentlich der Schulversuch: Möglichkeiten der Rettung bedrohter Schulstandorte oder neuartige pädagogische Konzepte?

In der Fragestunde des Landtags am 24.02.2011 hat Frau Ministerin Löhrmann erklärt, dass viele Gemeinden Gemeinschaftsschule nicht wegen des pädagogische Konzeptes, sondern zur Rettung von Schulstandorten beantragen: »Der Druck, keine weiterführende Schule mehr am Ort zu haben, hat das Antragsinteresse ausgelöst.« Gemeinschaftsschulen benötigen deutlich weniger Anmeldungen als Gesamtschulen, zudem ist die Oberstufe optional: Das macht die Gemeinschaftsschule einerseits für kleine Gemeinden attraktiv, die hier eine Möglichkeit sehen, ein breites Schulangebot mit der Hoffnung auf eine gymnasiale Oberstufe in den Ort zu holen, aber auch für größere Gemeinden wie z. B. Pulheim, die zwar Haupt- und Realschule zusammenlegen müssen, aber keine weitere Schule mit Sekundarstufe II möchten, um vorhandene Angebote nicht zu gefährden.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass es kaum Diskussionen über das pädagogische Konzept der Gemeinschaftsschulen gibt. Der integrative Unterricht in den »Zwerggesamtschulen« wird von den Akteuren ­ mit Freude oder eher resignierend ­ als unvermeidlich angesehen. Niemand hat vor Ort ein Interesse daran, das Image der Schule und damit den Schulstandort zu beschädigen. So gibt es im Wesentlichen nur schöne Werbebroschüren mit vielen Beschwörungen »mehr gemeinsames Lernen!«, »längeres gemeinsame Lernen!«, »eine Schule für alle!«, »gymnasiale Standards!« und rosigen Beschreibungen von Klassen mit engagierten Lehrern und Lehrerinnen und voller friedlicher, freundlicher und hilfsbereiter Kinder, in denen die Starken voller Geduld und Hingabe den Schwachen beim Lernen helfen.

Kritik am Konzept der Gemeinschaftsschule kommt vor allem von Vertretern der Gesamtschulen. Allerdings zeigen Beispiele, wie groß Unsicherheit und Unkenntnis über das pädagogische Konzept der Gemeinschaftsschule sind: So bemängelte die Bürgerinitiative, die in Pulheim für eine Gesamtschule warb, die fehlende Differenzierung der Gemeinschaftsschule: »Ab Klasse 7 kann eine Differenzierung erfolgen, ist aber nicht fest vorgeschrieben. Das heißt, es ist auch nach Klasse 6 weiterhin möglich, dass alle Kinder gemeinsam unterrichtet werden, obwohl sie ganz unterschiedliche Leistungen erbringen (keine Leistungsdifferenzierung).« Ein Gesamtschulleiter in Unna dagegen befürchtet laut Medienberichten zuviel »Auslese«: »Grundsätzlich lasse die von Rot-Grün propagierte Gemeinschaftsschule viele Optionen offen, sagt NN. Aber eben auch jene, dass eine Art Auslese bereits nach der 6. Klasse stattfinde [...]. >Ich stehe allein hinter dem integrativen Konzept der Gesamtschule

2. Wenn ja, worin unterscheiden sich die zu erprobenden pädagogischen Konzepte der diversen »Versuchsschulen« vom integrativen Konzept der Gesamtschule?

3. Falls nein, was genau soll in den einzelnen Versuchsschulen erprobt werden?

4. Einige der »Versuchsschulen« haben Anmeldezahlen erreicht, die auch für die Gründung einer normalen Gesamtschule reichen würde. Warum hat das Land in diesen Fällen einen »Schulversuch« unternommen statt eine Gesamtschule zu errichten?